Pferde, die nicht allein sein können, vermögen ihren Besitzer zur Verzweiflung zu bringen. So hatte beispielsweise ein Forstwart ein ausrangiertes Militärpferd gekauft. Dieses wollte durchaus nicht im Stalle sein und schlug alles kurz und klein. Erst als sein Herr ihm eine Ziege als Gesellschafterin gab, beruhigte es sich und war zufrieden. Nach zwei Jahren wollte der Forstwart die Ziege verkaufen. Er mußte jedoch darauf verzichten, da sein Pferd wiederum zu rasen begann.
Die Javaner zeigen sich als gute Tierbeobachter dadurch, daß sie Affen in Pferdeställen halten, damit die Pferde Gesellschaft haben.
Nebeneinanderstehende Pferde schaben sich gern. Hierauf werden wir beim Putzen der Pferde zu sprechen kommen.
[58]. Warum schreien Pferde nicht? Das Wiehern der Pferde.
Wir haben gesehen, daß die beiden Pferde trotz der heftigsten Peitschenhiebe nicht schrien. Dagegen heulen geprügelte Hunde manchmal derartig, daß das ganze Haus zusammenläuft. Wie erklären sich diese Unterschiede?
Es wäre für das Pferd sehr vorteilhaft, wenn es schrie, sobald es Schmerz empfindet. Dann würden die zahllosen Tierquälereien, namentlich die Pferdeschindereien bei Neubauten, nicht so häufig vorkommen. Der Grundsatz: Schreien hilft, gilt nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Tiere.
Wir wissen von den Zebras und andern Wildpferden, daß sie nicht aufschreien, wenn sie von der Kugel des Forschungsreisenden getroffen sind. Das Schreien und Brüllen sowie Heulen finden wir überhaupt nur bei den Tieren, die sich gegenseitig beistehen. Deshalb schreit die Katze nicht, da sie allein lebt. Umgekehrt heult der Hund, damit ihm die anderen Hunde beistehen. Man kann auch oft erleben, daß Hunde in einem kleinen Orte sehr unruhig werden, falls ein Kamerad von ihnen andauernd geprügelt wird.
Die Kuh brüllt, wenn ihr das Kalb genommen wird, denn wilde Rinder stehen sich bei. Dagegen schreit die Stute nicht, falls ihr das Fohlen geraubt wird. Denn Wildpferde flüchten, stehen sich aber nicht bei.
Nur ganz ausnahmsweise schreien Pferde. Aber es kommt so selten vor, daß selbst große Pferdekenner es noch niemals gehört haben.