Wie ein freundliches Kindergesicht grüßt beim Austritt das kleine reizende Dörfchen Kerrata herüber.

Hinter Kerrata begann wieder die Steigung nun an steilen, kahlen Bergrücken entlang. Hier hatten wir die erste Panne. Dies gab uns willkommene Gelegenheit, ein Stück Weges zu Fuß zurückzulegen. Menschenleer schien auch diese Gegend, nur große Herden schwarzer Ziegen weideten an schwindelerregenden Abhängen. Es war köstlich zu beobachten, wie die unvorsichtigen Jungen sich auf die exponiertesten Spitzen wagten, dann jämmerlich um Hilfe schrien, und wie geschickt die Alten sie aus ihrer Not erlösten. Oft weit davon entfernt fanden wir dann den Hirten, der schlafend am Wegrande zusammengerollt lag und mehr einem Häufchen alter Lumpen als einer menschlichen Gestalt glich.

Dominospieler

Tief in Talmulden kauerten hin und wieder ärmlich aussehende Besitzungen. Einzelne Aprikosenbäumchen am Wege wirkten mit ihrem zarten, duftigen Blütenschmuck in dieser wilden und baumlosen Gegend wie ergreifende Gedichte.

Vom hohen Bergkegel herab grüßte das Fort Takitount, das nahe den Überresten einer römischen Niederlassung sich erhebt.

In Amoncha, einem freundlichen Dorfe mit buntgestrichenen Häuschen, machten wir eine Weile Halt, um den Durst der Maschine zu stillen und ihr ein wenig Zeit zum Verschnaufen zu geben. Sie hatte wahrlich keine leichte Arbeit geleistet, und eine ziemliche Anstrengung lag noch vor ihr. Steigend und fallend führt die Straße von Amoncha weiter durch nahezu unkultivierte Gegenden, über Berge, deren Flanken von wilden Gebirgsbächen zerrissen und zerklüftet sind, bis hinauf auf die Ebene, die völlig den Charakter öder Hochgebirgslandschaft trägt. Hier trat wieder etwas Leben in die Erscheinung, und eine prachtvolle Staffage bildeten die schwerbepackten Kamelherden in diesem großzügigen Naturbild.


Auf einer Hochebene, in glühender Sonne ausgebreitet, liegt Setif. Hier gibt es nichts weiter als Soldaten. Dieser Eindruck drängt sich einem zuerst auf, wenn man durch einen Festungswall in die Stadt eingedrungen ist. Aber nachdem man das Viertel, das nur für das Militär bestimmt ist, passiert hat und durch eine zweite Wallumgürtung in die eigentliche Stadt gelangt ist, bemerkt man, daß sie breite, mit Bäumen gesäumte Straßen hat, große Squares und viele Läden, Cafés und Restaurants in Menge, auch lebhaftes Treiben auf den Straßen. Und doch, wie mutet einen alles so unbeschreiblich öde, nichtssagend und gelangweilt an! Ist das wirklich die Signatur Setifs? Ist es nur der ungeheure Gegensatz zu den vielgestaltigen und gewaltigen Naturbildern, die man in sich aufgenommen hat?

Nach einem völlig französischen Dejeuner – die Speisekarte hätte ebensogut aus einem Pariser Boulevard-Restaurant sein können – wanderten wir durch die Stadt zu einem der vier großen Tore hinaus auf den Marktplatz, den Sonnabends Tausende von Eingeborenen bevölkern. Ein alter Araber, groß gewachsen, mit einem Herrengesicht, trat an uns heran, und wegen seiner Einmischung sich entschuldigend, gab er uns verschiedene Aufklärungen. Auch machte er darauf aufmerksam, daß im Negerdorfe ein Fest gefeiert würde. Seine Haltung, sein ganzes Benehmen hatten etwas so Vornehmes, daß wir ein wenig zaghaft die Frage stellten, ob er uns wohl dahin begleiten wollte. Nach einigem Zögern fand er sich dazu bereit.