Köstlicher Schatten und eine mit Wohlgerüchen erfüllte Luft umfingen uns. Hart am Wege rieselte eine kristallklare Quelle. Schlanke braune Knaben lagen auf dem üppig grünenden Boden und bewachten die Ziegen und Maulesel, die sie zur Tränke gebracht hatten. Ha, wie unsere Tiere lange Hälse machten und nach dem kühlen Labsal strebten! Und mit welchem Behagen sie es schlürften!
Aus dem dämmerigen Schatten heraus konnte man den sonnenüberfluteten Pfad verfolgen, der durch das Dorf bis vor den Eingang einer etwas höher gelegenen Moschee führte. Groß und breit beherrschte sie das ganze Bild. Auf dem flachen Dache des Gotteshauses waren eine Menge Leute um eine Gruppe Tanzender versammelt. Musik und Gesang erklangen, und eine laute, wilde Fröhlichkeit ging von diesen Menschen aus, die, in ihre weißen Burnusse gehüllt, unter dem strahlend blauen Himmel und im gleißenden Sonnenlicht phantastischen Erscheinungen glichen.
Sidi Amran
So völlig nahm uns das eigenartige Bild gefangen, daß wir ganz vergaßen, das nähere Zusammenkommen unserer Pferde zu vermeiden. Und schon war auch das Unglück geschehen.
Der famose Schimmel, den wir seines ruhigen und friedfertigen Wesens wegen das Schäfchen getauft hatten, schien sich mit einem Male all der Übeltaten zu erinnern, die ihm der eine Graue schon angetan, und den Moment der Rache für gekommen zu erachten. Mit einem mächtigen Hufschlag traf er den Feind, und dieser, nicht träge, vergalt in gleicher Weise, noch ehe der überraschte Reiter dies verhindern konnte. Die Pferde waren nicht sehr empfindlich, das hatten wir schon wiederholt beobachten können. Also beruhigten wir uns damit, daß der Vorfall keine schlechten Folgen haben würde.
Es fiel uns nicht leicht, Sidi Amran den Rücken zu kehren. Doch was half's? Weiter! hieß die Parole.
Und wieder umfing uns dieselbe verzweiflungsvolle Öde. Aber da wir noch ganz erfüllt von der Erinnerung an die entzückende Oase und trotz des kurzen Aufenthaltes auch physisch sehr erquickt waren, gewann sie nicht mehr dieselbe Macht über unsere Stimmung.
Dieser Tag brachte Überraschungen. Abermals bot sich uns ein ungewöhnlicher Anblick. In kurzer Entfernung bemerkten wir plötzlich eine große graue Masse ziemlich flach über dem Erdboden sich fortbewegen. Was konnte es nur sein? Bald hatten wir das graue schwankende Etwas eingeholt: es waren an die hundert Bouriquots, eine winzige Eselart, die kaum die Höhe eines Schafes erreicht. Sie haben treuherzige Köpfe, stockdünne Beinchen und sind von einem rührenden Eifer beseelt. Auf jedem dieser winzigen Tierchen saß rittlings ein ausgewachsener Araber. Die Füße des Reiters berührten den Boden, und der Burnus bedeckte nicht nur ihn, sondern auch den Leib des Eselchens. Alle Reiter hatten zum Schutze gegen Sonne und Staub die Kapuze hochgezogen, und so sah man von rückwärts nichts als die spitzen, in die Höhe strebenden Kopfbedeckungen und unnormal kurze Körper, die auf unzähligen Beinen zu laufen schienen. Ein Heer grotesker Gnomen, seltsam und komisch wirkend.