Überholte man aber diese Reiter und blickte in all die braunen, scharfgeschnittenen, ernsten Gesichter, die in der weißen Umrahmung der Kapuzen doppelt markant wirkten, so fiel mit einem Male alles Komische und Lächerliche von ihnen ab. Es läßt sich nicht leugnen: der Araber hat Haltung, und immer wieder macht sie den Fremden erstaunen und nötigt ihn zum Bewundern.
Freudig begrüßten wir eine Änderung des trostlosen Geländes. Der Boden fing an zu steigen. Bald hatten wir die Anhöhe erreicht und erblickten nun auf der anderen Seite, etwas tiefer gelegen, ein ganz neues Panorama. In Wirklichkeit war es eine weite, sumpfige Ebene. Aber die salpeterige Ausdünstung des Bodens täuschte wieder spiegelglatte Wasserflächen vor, gewaltige Dünen schoben sich wie Dämme dazwischen, und das Ganze machte den Eindruck einer großen schimmernden Seenkette. Selbst diese Vorspiegelung falscher Tatsachen genossen wir mit Entzücken.
In der Ferne winkte uns Mogar. Aber es hatte gut winken. Nicht so schnell würden wir in seine Mauern einziehen. Schon eine Weile konnten wir beobachten, daß die beiden Tiere, die sich in Sidi Amran geschlagen, sich schonten. Das Gehen auf dem unsicheren morastischen Boden schien die Sache zu verschlimmern, und plötzlich ging der Graue völlig lahm. Da blieb nichts andres übrig als absteigen und das Pferd am Zügel führen. Und zur Gesellschaft und weil eine Strecke zu Fuß gehen eine ganz gute Abwechslung bot, taten alle dasselbe. Nach Mogar, einer der größten Oasen auf dem Wege nach Süden, kamen wir auf diese Weise allerdings viel später, als wir gerechnet hatten.
In einem armseligen arabischen Café, dessen dicke Lehmmauern und dessen kleine niedrige Türe Wärme und Licht erfolgreich den Eingang wehrten, hielten wir Kriegsrat, sobald wir uns etwas von den ausgestandenen Strapazen der heißen Mittagswanderung erholt hatten. Programmäßig sollten und wollten wir an diesem Tage noch Tugurt erreichen. Und alles wäre gut gegangen, wenn – ja wenn uns die Pferde nun nicht den Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Mit den beiden lahmen Tieren noch den Rest des Weges zu schaffen, war völlig ausgeschlossen. Da wir aber aus verschiedenen Gründen an der Ausführung unseres Planes festhalten wollten, faßten wir die Idee, Muhamed auf seinem tüchtigen Muli nach Tugurt zu senden, um dort einen Wagen aufzutreiben, der uns das letzte Stück Wegs, etwa zwanzig Kilometer, befördern sollte. Nachdem dieser Punkt erledigt, unsere Karawane eingetroffen war und Muhamed seine Mission angetreten hatte, lagerten wir uns in einem verwilderten Palmengarten zu wohlverdienter Rast.
Die versinkende Moschee in Tugurt
Der Zeitpunkt rückte heran, zu dem wir Muhamed mit oder ohne Wagen zurückerwarteten. Aber nichts kam in Sicht. Eine weitere Stunde verging, und noch immer war weder etwas von Muhamed noch von einem Wagen zu erblicken. Die Hoffnung auf Erfüllung unseres Planes fing an zu schwinden.
Um den Rest des Tages nicht untätig zu verbringen, machten wir uns auf den Weiterweg. Die beiden »Pferdelosen« unserer kleinen Gesellschaft thronten nun auf Mauleseln, während die lahmen Tiere von Kabylen im Schritt nachgeführt wurden.
Bei dieser Gelegenheit wurde uns klar, wie nötig es gewesen wäre, Ersatzpferde mitzunehmen. Aber niemand hatte daran gedacht. Auch nicht unser guter Jussuf.
Als wir schon gar nicht mehr mit der Möglichkeit rechneten, tauchte nun doch noch das Fuhrwerk auf. Ein kleiner Kremser, mit zwei Pferden und zwei Maultieren bespannt. Der Kutscher ein Franzose und, wie sich nachher herausstellte, der Besitzer des einzigen französischen Hotels in Tugurt.