Endlich schien die Sonne wieder! Endlich strahlte der Himmel wieder in fleckenlosem Blau! Endlich kamen die Menschen wieder aus ihren Höhlen hervor, in die sie sich verkrochen hatten, und die Straßen und die Cafés, diese einzigen Vergnügungsorte der Oasen, belebten sich. Wie das gut tat! Wie dankbar man alles empfand nach der vorhergegangenen Grabesstimmung.

Es war Markttag, und auf dem weiten Platz um den mächtigen Brunnen herrschte ein buntes Gewimmel. Alle afrikanischen Rassen waren hier vertreten, vom mattgebräunten Bewohner des Tells bis zum ebenholzschwarzen Sudanesen.

Datteln schienen auf dem Markt von Tugurt das größte Tausch-, Kauf- und Verkaufsobjekt zu sein. Datteln aller Arten: große, durchsichtig goldig-braun mit saftigem Fleisch, dunkelbraune, schmal und mager, und kleine graue, die bei den Eingeborenen sehr beliebt sind, weil sie sich ihrer trockenen Haut wegen leicht im Burnus mitnehmen lassen. Zu großen Haufen waren sie auf dem Boden aufgeschichtet, und Fliegen, Käufer und Händler drängten sich darum.

Im Schatten der hohen Festungsmauer standen, ihrer schweren Lasten entledigt, die Kamele und taten sich an Dattelkernen gütlich; in der Nähe der großen Moschee hatten die Messerschmiede mit ihren interessanten Arbeiten sich niedergelassen, und in einer anderen Ecke verführten bunte Stoffe, Kamelhaarkordeln und Nähartikel allerprimitivster Art zum Kaufen.

Auf dem zweiten und viel kleineren Marktplatze bot man Getreide in bescheidenen Mengen feil, gelbe Rüben und Zwiebeln, die zur Kuskuswürze so nötigen Zutaten, Brennholz, hier ein seltenes und kostspieliges Material, das nur in einzelnen Stücken verkauft wird, und Hammel und Schafe, die vor den Augen des Käufers geschlachtet und zerteilt und geröstet werden.

Dies alles erinnert an den Markt von Biskra, und doch löst es bei dem Beschauer nicht dieselbe Wirkung aus. Es lastet eine schwüle, drückende Stimmung über dem Ganzen. Es fehlt dem Bilde der heitere, fröhliche Ton, der einen Besuch auf dem Marktplatz von Biskra zu solchem Genusse stempelt.


Im Westen der Kasba liegt der ärmere Teil der Stadt: viele, viele kleine, aus getrocknetem Schlammboden errichtete Gurbis.[15] Lange, gewundene, überbaute Gassen, in die niemals die Sonne dringen kann, führen durch dieses kühle Labyrinth. Nur wo die Wege sich kreuzen, fällt etwas Helligkeit von oben hinein und läßt den Wanderer die Richtung erkennen. Diese schmalen, lichtlosen Gänge, in denen sich rechts und links an den Mauern Lehmbänke entlang ziehen, dienen den Obdachlosen als Heim und den Einwohnern als Aufenthaltsort und Schlafstelle, wenn die brutale Macht der Sonne die Erde zur Hölle wandelt.

Auf diese finsteren Wege münden auch die Eingänge zu den Wohnungen, in denen die Menschen hausen. So etwas von Armseligkeit kann man sich nur vorstellen, wenn man es gesehen hat.

Ein enger Gang führt zu einer niedrigen fensterlosen Höhle, die uns selbst für Tiere zu schlecht dünken würde, und darin hausen oft vier, sechs und noch mehr Personen. Wie sie da zurechtkommen, blieb uns ein ungelöstes Rätsel. Manche teilen diesen winzigen Raum sogar noch mit den Hühnern. Das flache Dach dieser Höhle bildet eine Terrasse, auf der sich am Abend jung und alt einfindet. Am Tage vergnügen sich dort die Ziegen und das Federvieh.