In manchen Wohnungen verkrochen sich bei unserem Eintritt die Frauen in die hinterste Ecke, um nicht gesehen zu werden. In anderen benahmen sie sich viel weniger scheu und freuten sich, wenn man ihre trotz allem Schmutz entzückenden Kinder bewunderte und beschenkte.

Ein gleichmäßiger Ton, den wir schon kennen gelernt hatten, der triste Gesang der Handmühle, drang an unser Ohr. Wir folgten ihm und fanden hinter der Eingangstüre eines Hauses im Stockdunkeln auf der blanken Erde sitzend eine verschrumpfelte Frau damit beschäftigt, die Gerste für den Kuskus zu mahlen. Ihre Familie mußte entschieden zu den Wohlhabenden zählen, um sich dieses Gericht leisten zu können. Denn die größte Zahl dieser armen Bewohner lebt von Heuschrecken: man zerreibt sie zu Mehl und backt Brot daraus, man ißt sie roh, gekocht oder gebraten. Die Haufen von feinen schillernden Flügeln, die sich vor den meisten Wohnungen finden, verraten deutlich, welche Unmenge von diesen Tieren vertilgt wird.

Hausverzierung in Tamelhat

Unwillkürlich mußten wir an unseren Besuch in Ain-el-Hammam zurückdenken und konstatieren, daß diese Menschen, in der großen Weite der Sahara wohnend, noch viel ärmer waren als jene auf ihren steilen Bergeshöhen.


Den letzten Tag unseres Aufenthaltes benutzten wir zu einem Ausfluge nach Temacine und der Zaouia Tamelhat, fünfzehn respektive zwanzig Kilometer weiter südlich gelegen.

Eine tiefsandige Ebene trennt Temacine von Tugurt. Aber hat man diese gähnend öde Strecke durchquert, so hält die Wüste eine große Überraschung bereit. Unähnlich allen Oasen, die sich meist flach wie auf einem Tisch ausbreiten, präsentiert sich Temacine: an einer steilen Anhöhe streben die Häuser empor, überragt von den Kuppeln der Moscheen. Eine hohe Ringmauer, von Wachttürmen flankiert, umschließt den Ort. Eine wehrhafte Stadt aus dem Mittelalter glaubt man vor sich zu sehen. Doppelt malerisch wirkend in diesem Lande, in dieser Umgebung.

Stolz und uneinnehmbar sieht Temacine in der Entfernung aus. Aber kommt man näher, so zeigt es sich leider, daß die starken Umfassungsmauern zerbröckeln, daß die aus Lehm und Erde errichteten Häuser vom Winde zernagt und ihre Wände geborsten sind.

Von der Plattform eines Minaretts, der auf dem höchsten Punkte sich erhebt, bot sich ein entzückender Blick über die altersgraue Stadt, über die dunklen Palmenhaine, die sich wie ein Kranz um den Hügel breiten, und über den großen See Behar-Merdjaga, in dessen salziger Flut sich die Umgebung spiegelt.