Nun begann vor allem für die Tiere und ihre Begleiter eine mühevolle Zeit. Auf und ab. Auf und ab. Ein lautloses Marschieren auf dem weichen, grundlosen Boden. Die Kamele, diese großen, unförmigen Geschöpfe, mit ihrem Paßschritt hinterlassen kaum den Eindruck ihrer breiten Füße. Aber die armen Esel mit ihren dünnen Beinen und ihrem kurzen trippelnden Gang sanken oft bis zur Bauchhöhe ein. Und gar erst die Pferde! Wäre nicht eines davon so brav und willig gewesen und vorausgegangen, so hätten die anderen sicher gestreikt, denn sie machten alle Anstalten dazu. Bis sie erst gelernt hatten, an den Hängen auf allen Vieren herunterzurutschen, strengten sie sich derart an, daß sie in Schweiß gebadet waren. Und die Leute, die die aufgeregten Tiere führten, hatten wahrlich keine leichte Aufgabe.

Aber auch an komischen Intermezzos fehlte es nicht. So erregte es die größte Heiterkeit, als Jussuf, der eingeschlafen war, kopfüber von seinem Maulesel herunterpurzelte, dieser ihm ganz verdutzt nachkollerte und sie sich beide eng vereint im Sande wälzten.

Dann hieß es Jagd auf einen Ausreißer machen. Es war das schönste Tier aus der Menge. Gut genährt und fast ganz weiß im Fell. Der tüchtigste Läufer. Voller Ehrgeiz. Immer an der Spitze. Dabei aber launisch und eigensinnig, wie nur ein Esel sein kann. Schon verschiedene Male hatte er zu flüchten versucht. Nun endlich war es ihm gelungen. Ehe man sich versah, verschwand er hinter einer Düne und tauchte im nächsten Moment schon auf der Spitze einer anderen auf. Unter jämmerlichem Schreien versuchte ihm sofort sein kleiner brauner Bruder zu folgen, der sich nur in der schützenden Nähe des Stärkeren wohl fühlte. Und es hätte nicht viel gefehlt, so wäre die ganze Karawane in heillose Unordnung geraten. Da alle Leute mit der Beaufsichtigung der Tiere zu tun hatten, nahmen wir die Verfolgung auf. Es wirkte ungeheuer komisch, wie die Kanaille mit ganz verschmitztem Gesicht immer auf der Höhe einer Düne seelenruhig wartete, bis wir ganz nahe herangekommen waren, dann mit einem Satz zwischen uns hindurchsauste und auf der nächsten Düne dasselbe Spiel begann. Da kam einer der Herren auf die Idee, seinen Revolver abzuschießen. Der Schreck half. Diesmal scheute der Flüchtling unsere Nähe, und anstatt weiter weg zu streben wie bisher, machte er Kehrt und rannte, was er konnte, zu der Karawane zurück.

Unser armes Geschirr! Es tanzte einen heftigen Cancan in den Körben auf seinem Rücken, und wir waren nicht erstaunt, als wir hörten, daß es Beulen und Brüche gegeben hatte.

Durch den verspäteten Aufbruch und die Eseljagd hatten wir viel kostbare Zeit verloren, und nicht nur, daß wir die Bordj M'quitla erst in der heißesten Mittagsstunde erreichten, es hieß auch die Ruhepause bedeutend abkürzen, um das Versäumte wieder einzuholen.

Bis jetzt hatten wir es stolz verschmäht, den Gastraum einer Bordj zu benützen, denn die Schilderungen, die man uns von den Reinlichkeitsverhältnissen dieser Karawansereien gegeben hatte, klangen wenig verlockend. An diesem Tage aber waren wir willens, all unseren Stolz über den Haufen zu werfen. Die Hitze war so intensiv, die Sonne so blendend, daß wir mit der schrecklichsten Höhle vorlieb nehmen wollten, solange sie nur Kühle und Schatten gewährte. Aber die Bordj M'quitla war gar keine Höhle. Sie enthielt sogar zwei Räume, die sauber und gelüftet waren und in deren angenehmem Halbdunkel die angestrengten Augen sich schnell erholen konnten. Während wir in dem einen Raum ein rasch bereitetes Mittagsmahl verzehrten, richtete Ahmed den anderen Raum zum Ruhen her, indem er eine Anzahl Matten und Teppiche ausbreitete. Es erschien uns schon ganz natürlich, wie die Araber, auf den flachen Boden gelagert, Siesta zu halten.

Höher und höher wuchsen hinter M'quitla die Dünen. Man überstieg sie nicht mehr wie im Anfang, sondern man umritt sie in halber Höhe. Das Gefühl des Vorwärtskommens ging dabei völlig verloren. Es war wie ein unaufhörliches Um-sich-selbst-Herumgehen. Wehe dem, der sich ohne berufene Führung in dieses Labyrinth wagt!

Bordj M'quitla