Innenansicht der Moschee El-Dzama (Algier)

Die Kasbabewohner, unter denen fast alle Rassen Afrikas vertreten sind, lieben die Fremden nicht, die mit erstaunten und neugierigen Blicken durch ihr Quartier wandern, und sie haben eine ungeheure Abneigung gegen den Kodak. Als ob der Erdboden sie verschlungen hätte, so verschwinden Männer, Frauen und Kinder im Nu, wenn der Apparat gezückt wird.

Der Göttin Venus wird in der still-verschwiegenen Kasba viel geopfert, und durch lichtblauen Anstrich, lachendes Blau, wie der Himmel, der sich darüber wölbt, verraten sich die Häuschen, wo ihre gefälligen Dienerinnen wohnen.

Wie eine Tonsur liegt der Marktplatz auf der Spitze des Berges. Hier hat der Fremde das erste, echte und unverfälschte Bild arabischer Anspruchslosigkeit und arabischen Nichtstuns. Es ist kein Markt, wie wir ihn kennen. Kein Stand, kein Tisch, kein lebhaftes Hin und Her. Auf einem alten Lumpen, der auf dem nackten Boden ausgebreitet ist, liegen die Waren. Auch hier bemerkt man nichts weiter im Handel als die wenigen zum Leben unbedingt nötigen Dinge, die bescheidenen Nahrungsmittel und daneben noch Burnusse, alt und neu. Es reizt zum Lachen und zur Rührung zugleich, wenn man sieht, wie der ganze Warenvorrat eines Händlers nur aus einem Dutzend Apfelsinen oder aus einer Handvoll Datteln besteht, die fein säuberlich, etwa fünf auf ein Häufchen, nebeneinander aufgereiht sind. Von Waren anbieten ist keine Rede. Die meisten Verkäufer liegen träumend oder schlafend neben ihrem ausgestellten Gut und verlassen sich auf Allah, der ihnen die Käufer schon schicken wird.

Der Markt ist der Rendezvousort für alle, die nichts zu tun haben, und ihrer scheint es eine Menge zu geben. Hier liegen sie, wie auf dem Stadtplatz, auf dem Boden, machen ihr Dominospiel, rauchen und plaudern und ignorieren stolz die Fremdlinge, die in ihre Nähe kommen. Auf dem Markt hat auch der Schriftgelehrte seinen Platz, der für wenige Sous Briefe schreibt und übersetzt, der Märchenerzähler, der immer einen aufmerksamen Kreis um sich schart, und der arabische Doktor, der alle Krankheiten mit Schröpfköpfen heilt. Mit einer naiven Brutalität führt er seine Behandlung aus, bei der noch nicht einmal von reinen Händen, geschweige denn von Desinfektion die Rede ist. Wie er die Schröpfköpfe über einem Feuer erhitzt und in den kahlen Nacken des Patienten setzt, und wie er diese, nachdem sie vollgesogen, mit einem rohen Ruck abreißt, daß das Blut wie ein Bächlein herunterrieselt, mutet wie ein mittelalterliches Verfahren an, und der geduldige Patient, der dies alles erträgt, ohne auch nur eine Miene zu verziehen, wird für uns ein Objekt der Bewunderung.

Unzählige Kinder wühlen im sandigen Boden wie die Spatzen und erheben sich nur, um von den Fremden mit ausgestreckten Händen Backschisch zu verlangen. Und diese entzückenden, braungebrannten, schmutzigen Kerlchen bringen das einzige laute Leben auf den schattenlosen Platz, auf dem mit sengenden Strahlen die grelle Sonne brütet.

Viel lieber als durch die steile, enggassige Kasba und das jüdische Viertel, das durch seinen Schmutz und seine laute Geschäftigkeit im auffallenden Gegensatze zu dem stillen arabischen Quartier steht, führt uns unser arabischer Führer Ali ben Bachir in die kühlen Moscheen.

Kein Muselmann läßt sich durch die Gegenwart von Fremden in seiner Andacht stören. Nichts existiert für ihn, solange er, auf dem Boden hingestreckt, mit dem Gesicht nach Mekka gewendet, sein Gebet verrichtet. Und ist er ein müder Wandersmann oder einer jener Armen, die kein Dach über dem Haupte ihr eigen nennen, so findet er im Hause seines Gottes Ruhe und Erholung. In seinen Burnus gewickelt, die Kapuze übers Gesicht gezogen, schläft er dort den süßen Schlaf des Gerechten. Den Frauen dagegen ist das Betreten der Moscheen streng verboten, denn »die Frau hat die Seele eines Hundes«, wie es im Koran heißt, und ihre Nähe würde die Männer nur beunruhigen.