Die einfachen und bescheidenen Mahlzeiten hätten uns jedoch völlig genügt, wären sie nur einigermaßen richtig zubereitet gewesen. Aber mit unserem Koch, dem kleinen Salem, war seit unserem Aufenthalt in Tugurt eine merkwürdige Veränderung vor sich gegangen. Eine der dunkeläugigen Ouled Naïls hatte es ihm angetan. Mit jedem Tage, der ihn weiter von ihr entfernte, wurde er schwermütiger, und über seiner Melancholie vergaß er völlig seiner Pflichten. Das Essen war entweder nicht gar gekocht oder es war angebrannt. Manchmal auch beides. Machte man ihm Vorhaltungen, so wurde er noch viel unglücklicher und infolgedessen noch unfähiger für seine Arbeit.

An diesem Tage nun, in der Bordj Sifl-Monadi, schien den armen Kerl das graue Elend vollends gepackt und überwältigt zu haben. Als wir nach ihm Umschau hielten, fanden wir ihn untätig in einer Ecke hockend, und dicke Tränen rollten über sein kleines, bekümmertes Spitzmausgesicht.

Kurz entschlossen nahmen wir nun das Küchenregime in eigene Hand. Von dem Bordjwächter in Gomar hatten wir für Geld und viele gute Worte ein junges Huhn erstanden. Dieses sollte, fein mit Reis gekocht, als erste Probe unseres Könnens den Mittagstisch zieren. Aber das Huhn rächte sich für seinen vorzeitigen Tod: es war so zähe, daß weder Messer noch Zähne es zerteilen konnten. Das übrige Produkt unserer Kochkunst, der Reis, der endlich einmal gar und nicht angebrannt war, mundete aber vorzüglich. Im großen, üppigen Garten der Bordj wurde der Tisch gedeckt, und während der Magen zu seinem Rechte kam, feierten zu gleicher Zeit die angestrengten Augen im grünen, dämmerigen Schatten einiger dichtverschlungener Feigenbäume ein köstliches Erholungsfest.


Bald hinter Sifl-Monadi beginnt das ungeheure Sumpfgebiet. Zur Linken gegen Westen, mit den zahlreichen Oasen des Oued Rir als kaum erkennbare Grenze, dehnt sich der Schott Merouan, im Osten weitet sich der unübersehbare Melrir, der die Sümpfe von Djerid vereinigt. Ein schmaler, durch unablässige Nachhilfe im Stande gehaltener Weg führt durch dieses heimtückische Gelände, wo weder Tier noch Pflanze lebt, in dem als unbeschränkter Herrscher der Tod regiert. Der Tod, versteckt unter gleißendem Gewande.

Bordj Sifl-Monadi

Den Boden von vertrockneter Blutfarbe deckt ein duftiger weißer Schleier, in dem Milliarden bunter Edelsteine und Diamanten aufleuchten. Und weiter entfernt schimmern spiegelblanke Seen, erheben sich Städte mit schlanken Minaretts, streicheln Palmenwipfel den sich neigenden Horizont.

Aber die leuchtenden Steine sind nichts weiter als Mineralien und chemikalische Stoffe, von dem gärenden Schlamme ausgestoßen, und die Landschaftsbilder nichts anderes als von der Sonne überhitzte Dünste, die demselben Boden entstiegen. Lug und Trug ist alles, was hier lacht und strahlt, und echt ist nur der Tod, der den abgrundlosen Boden gefangenhält, aus dessen Poren der widerliche Atem der Verwesung strömt.