Stah-el-Hamreia! Klingt nicht der Name schon schmeichlerisch ins Ohr? Und dieser Name ruft die Erinnerung an eines der schönsten Bilder wach, die uns die Wüste bescherte.
Inmitten der unermeßlichen Niederung, inmitten der treulosen, mörderischen Schotts thront auf einem nackten Hügel Stah-el-Hamreia. Der abendliche Himmel, einem glühenden Ozean gleich, bildete den Hintergrund, und wie ein unüberwindliches Götterheim strahlte die Bordj in dieser Beleuchtung. War es Walhall, das vor uns aufstieg?
Und hatte unser Eindringen den Zorn der Götter entfacht? Fast schien es so. Denn dem überwältigend schönen Abend folgte eine grausige Nacht. Über die toten Sümpfe kam mit ungeahnter Plötzlichkeit und in ungehemmter Macht der Sturm dahergerast. Noch ehe die Leute recht zur Besinnung gelangten, waren einige Zelte umgerissen und verweht, und es bedurfte fortgesetzter Anstrengungen, um die übrigen vor demselben Schicksal zu bewahren. Durch die beklemmende Finsternis drang das Stöhnen der verängstigten Tiere. Sand und Steine prasselten nieder wie ein Platzregen. Und eine quälende Kälte hatte sich eingestellt. Welch ein Land der Extreme!
Einige Stunden später endete der wilde Aufruhr in der Natur so plötzlich und unerwartet, wie er gekommen war. Und als in goldener Klarheit der neue Tag heraufstieg, erinnerten nur noch die verwehten Zelte und die Unordnung im Lager an die Geschehnisse der düsteren Nacht.
Noch immer führte unser Weg durch das Gebiet der Schotts. Aber diese trugen nun ein völlig anderes Gepräge. Weite Sandflächen schoben sich zwischen die sumpfige Ebene, und die überraschendsten Formationen bezeichneten die Grenze, die der feste Boden dem Gegner gesteckt hat. Man war beinahe versucht, zu glauben, daß Menschenkunst und Menschenhände mitgeholfen hätten, um hier einen mächtigen Damm zu bauen, der vorwärtsdrängende Fluten zurückhalten solle, dort einen mit Leuchttürmen flankierten Hafeneingang und an anderer Stelle wieder eine gewaltige Mole, die weit hinausführte in die silbrig-graue See, die nun weder Ebbe noch Flut mehr bewegte, deren Leben vor ungezählten Jahrtausenden erloschen ist.
Der Morgen hielt nicht, was er in den ersten Stunden versprochen hatte. Ein kräftiger Wind erhob sich wieder, Sandböen stellten sich ein und verdichteten die Atmosphäre. In dem grauen Dunste tauchte eine Karawane auf. Eines der Kamele trug eine Braut. Die Ausschmückung des Tieres und der buntfarbige Palankin, der nur für solch festliche Gelegenheiten benutzt wird, verrieten das Geheimnis. Wenige Sekunden später war die phantastische Gruppe wieder hinter der Nebelwand verschwunden. Wie eine Illusion kam und ging das Bild.
Gegen Mittag erreichten wir die Bordj M'guébra. »Friedhof« bedeutet dieser Name, und trist, wie er klingt, bezeichnet er die Stimmung des Ortes. Nur mit großer Mühe arbeiteten sich die Tiere hinauf zur Bordj, die, obwohl auf einer hohen Düne gelegen, doch nahezu bis zur Höhe der Mauern versandet war.