Am nächsten Nachmittag wurde draußen unter den duftenden Büschen von Beni-Mora, wo die Reise eigentlich begonnen hatte, auch die Rückkehr festlich begangen. Jussuf hatte ein Zelt für uns errichtet und alles für einen Five o'clock tea arrangiert. Auf einem freien Platze vor dem Zelt saßen die Kabylen, wie immer ernst und schweigend, um eine große Kohlenglut. Über dieser Glut schmorte ein junger Hammel, den Jussuf erst wenige Stunden vorher auf dem Markt eingekauft hatte. Einer der Leute drehte den Spieß, ein anderer goß das Fett auf den Braten. Mit Liebe und Sorgfalt versahen sie ihr Amt, bis der Hammel mit einer schönen braunen Kruste versehen und zum Verspeisen fertig war. Ein Weilchen später existierte davon nichts mehr als die unverzehrbaren Knochen, und einer Riesenschüssel voll Kuskus war in der gleichen Zeit der Garaus gemacht worden.

Moschee Oulad Amed in El-Oued

So hatten wir den Leuten, die uns brav gedient, ein Fest nach ihrem Sinn gerichtet, und wir feierten nach unserer Sitte, indem wir am Abend einer Flasche Sekt den Hals brachen.


Mit der Sportswoche, die gewöhnlich Anfang April abgehalten wird, und die durch ihre Pferde- und Kamelrennen, mehr aber noch durch das große arabische Reiterfest, »Phantasia« genannt, Tausende von Fremden und Eingeborenen anzieht, schließt die Saison in Biskra. Im Laufe weniger Tage sind fast alle Besucher entflohen.

Nun trägt die Oase ein völlig anderes Gesicht. Sie hat das süße Lächeln abgelegt, das sie den fremden Gästen zu Gefallen einige Monate lang festgehalten, und zeigt jetzt ihre wahren Züge: ruhig, ernst, von einer herberen Schönheit, die mit dem Charakter des Landes und dessen Bewohnern so viel besser im Einklang steht. Wir liebten sie um dieser Wandlung willen noch mehr als zuvor.

Aber die Tage des Genießens waren jetzt auch für uns gezählt. Es hieß Abschied nehmen von dem Orte, der uns so viele neue, fremdartige, köstliche Eindrücke verschafft, Abschied nehmen von dem Lande, in dem wir, losgelöst von allen Mühen, Aufregungen und Kleinlichkeiten des Alltags, unvergeßliche Stunden berauschenden Nichtstuns verlebt hatten.

Jussuf, von Trennungsweh und dankbaren Gefühlen geplagt, wollte uns zum Abschied noch irgendeine Freude bereiten, und das gebar einen großen Entschluß in ihm. Auf dem Wege zur Bahn bat er uns, sein kleines, ärmliches Haus zu betreten, und dort zeigte er uns das Kostbarste, was er besaß: Nakhla, sein junges Weib. Und beim Himmel, das war eine Freude! Denn das Geschöpf war schön wie ein Traum.

Und wie ein Traum erscheint beinahe alles, was wir in jener Spanne Zeit erlebten. Die Schönheiten der Wüste, worin bestehen sie weiter als in Illusionen, Visionen! Auch ihre Wirklichkeiten – Grausamkeit und Schrecken – sind phantastisch in ihrer Größe. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, reizt das Land, die Erinnerungen lassen eine fast quälende Sehnsucht wachsen, und am Ziele der Wünsche eines jeden, der die mysteriöse Seele der Wüste einmal kennen gelernt hat, steht wohl in großen Buchstaben geschrieben: »Zurück in das Land des Lichts!«