Die Méharis
Den geschmeidigen Reitern machte es offenbar Vergnügen, uns eine Probe von dem Können ihrer Tiere zu geben, denn abschiednehmend, mit der Hand an die Stirne gelegt, dem Gruß des Arabers, jagten sie in hellem Galopp davon.
Während sie immer tiefer in das Herz der Wüste hineineilten, machten wir uns in bedeutend langsamerem Tempo in entgegengesetzter Richtung auf den Weg.
Wieder rasteten wir in Bou-Saada, wo uns der riesenhafte Neger mit großer Freude wie gute alte Bekannte begrüßte.
Es war ein unsagbar heißer Tag. Die Luft stand reglos. Bleiern dehnte sich der Himmel. Die Erde briet förmlich. Einer unserer Kabylen war der Hitze bereits zum Opfer gefallen, und wir mußten ihn in der Obhut und Pflege des schwarzen Bordjwächters zurücklassen.
Eine Strecke hinter Bou-Saada trennten wir uns von dem Rest der Karawane, da wir mit unseren Pferden bedeutend schneller vorwärts kommen konnten. Die braven Tiere leisteten fast Unmögliches. Der Grauschimmel taumelte zwar manchmal wie betrunken, und »Schäfchen« stöhnte von Zeit zu Zeit auf wie ein Mensch unter einer schweren Last. Doch sie hielten aus. Diese kleinen arabischen Hengste besitzen Stolz und Willigkeit, und – die Nähe der heimatlichen Krippe tat wohl das übrige.
Immer deutlicher entwickelten sich zur Rechten die uns vertrauten Oasen: Sidi Okba, Chetma, Filiach, und vor uns wuchs Biskras Palmenwald mehr und mehr in die Höhe. Aber er wuchs viel zu langsam für unsere Wünsche. Wir hatten die ungeheure Anstrengung, die der Ritt in solch infernalischer Hitze bedeutete, gehörig unterschätzt und mußten nun fürchten, mit unseren Kräften zu Ende zu sein, noch ehe wir am Ziele angelangt waren. Aber wir schafften es schließlich doch und erreichten die Oase gerade, als die Farbenglut der scheidenden Sonne sie wie allabendlich tausendfach verschönte.
Auch hier hatte während unserer Abwesenheit der Frühling seinen Einzug gehalten. Wo wir beim Antritt unserer Reise nur kahle Flächen gesehen hatten, dehnten sich jetzt saftige Gerstenfelder, ganze Strecken waren mit leuchtenden Margueriten bestickt, in den stillen Gärten von Alt-Biskra war ein verschwenderisches Grünen und Blühen, und süße Wohlgerüche schwebten in der Luft.
Die Nachricht unseres Kommens war uns wieder auf unerklärliche Weise vorausgeeilt. Als wir vor unserem Hotel anlangten, stand man schon zu unserer Begrüßung bereit, und wir wurden mit einer Freude und einer Aufregung empfangen, als ob wir von einer langen, gefährlichen Entdeckungsreise zurückgekehrt wären. Unsere äußerliche Erscheinung konnte dies allerdings auch vortäuschen. Aber die Segnungen der modernen Kultur, die wir sofort gründlich auskosteten, brachten es zuwege, daß wir schon einige Stunden später wieder völlig zivilisiert aussahen. Nur unsere afrikanische Gesichtsfarbe hatte dagegen Stand gehalten.
Spät am Abend, es ging bereits auf elf, traf noch die Karawane ein. Sie wollte in ihrer Leistung nicht zurückstehen, und »die Krippe« hatte wohl auch in diesem Falle wie ein Magnet gezogen.