[178] Man hat den Umstand, daß Homer kein Buch erwähnt, gedankenlos genug, damit wegzudeuten versucht, daß Homer archaisiere und es deshalb, weil es den alten Helden nicht anstehe, unterdrückt habe. Warum erwähnt Homer denn doch die Schreibtafel? Es ist, wie auf der Hand liegt, zweierlei zu unterscheiden. Gewisse Dinge, wie vor allem die von Aristophanes so begünstigten turpia naturalia, verschweigt Homer, weil sie dem Heldenstil nicht anstehen, andere Dinge deshalb, weil er sie noch nicht kennt. Er redet noch nicht von Münzen, von Götterbildern, noch nicht von der Jahreszeit des Herbstes und so manchem anderen, was erst die spätere Kultur und Gedankenentwicklung brachte. Auch Hühner kennt Homer noch nicht, die erst später aus Asien zu den Griechen kamen. Mit Überzeugung stellen wir hierzu auch das Buch, das, sobald es aufkam, ein Stolz des Griechen war; denn, wie die Bildwerke uns zeigen, traten die Dichter und Sänger stets mit der Buchrolle in der Hand vor ihr Publikum. Es war nicht nur Hilfsmittel, es war Abzeichen ihres Berufs. — Die Schrift auf der Schreibtafel des Bellerophon war übrigens gewiß nicht die phönizisch-griechische, sondern die ältere Zeichenschrift, also die „ägäische“, worüber Evans, Cretan pictographs, London 1895. Vgl. Petersdorff, Germanen und Griechen (1902), S. 49 f.

[179] Eine andere Überlieferung besagt, daß Homer blind geboren war und daß ὅμηροι bei den Doriern die Blinden hießen; vgl. die Scholien zu Lucian, ed. Jacobitz IV, S. 191.

[180] Vgl. hierüber Gregorovius, Wanderjahre in Italien Bd. 3, (1881), S. 299. Auch in Bosnien treten übrigens Blinde noch heut als Volkssänger auf, wennschon sie keine Gilde bilden; s. Sitzungsber. d. Wiener Akad. Bd. 173 (1914), 3. Abh., S. 16.

[181] Diese Möglichkeit hielt mir Rudolph Wagner im Korrespondenzblatt für die höheren Schulen Württembergs 21 (1914), S. 456 entgegen.

[182] Es sind 27803 Hexameter, die auf 466 Tafeln stehen konnten, wenn jede Tafel 60 Verse aufnahm.

[183] Zum folgenden vergleiche Kritik und Hermeneutik S. 249 ff.

[184] Vgl. a. a. O. S. 277.

[185] Über die Hesiodfrage a. a. O. S. 220 ff.

[186] Vgl. hierzu: „Die Buchrolle in der Kunst“, Leipzig 1907, S. 10 ff.

[187] Man setzt das Leben des Stesichoros schätzungsweise in die Jahre 640–555; früher als das Jahr 600 aber braucht keins seiner Werke entstanden zu sein.