Mit Teilnahme und nicht ohne Lächeln sehen wir jene Vornehmen Roms, geschmackvolle Müßiggänger, übersättigt, lebensklug und immer noch Leute großen Stils, sich verlieren in das kindische Getriebe, an seiner jungen, Funken sprühenden Wärme die kühl gewordene Seele beleben. Man schaute zu, wie possierlich sie sich tollten, ließ sie auf sich herumklettern (es sei erinnert an die Statue des Nil), ließ sich von ihnen den Kopf krauen, spielte das Nüssespiel mit ihnen, ließ sie sich verstecken und haschte sie, voller Zärtlichkeit und Wohlgefallen an der Hübschheit des kleinen Körpers, vor allem an dem unablässigen süßen Geschwätz. Es gefiel vornehmlich das zwitschernde Plaudern, das dummkluge Fragen, die drolligen Wahrheiten aus Kindermund[221] und die kleinen ahnungslosen Unanständigkeiten. Tadelnd sagt Seneca: „Man kauft die Kinder um ihrer kecken Reden willen und sucht sie darin noch zu steigern.“ Anschauung kann vor allem das folgende Gedicht des großen Liebesdichters Catull gewähren[222], auf das kleine Bübchen Camerius, der entwischt ist, unter Rosen im Korbe der Blumenmädchen sich versteckt und nicht reden und nicht zu seinem Herrn zurück will:

Wenn es dir nicht ungenehm ist,

Zeig’ mir, bitte, doch dein Schlupfloch.

Suchte dich auf unsrem Spielplatz,

Dich im Zirkus, Bücherläden,

In dem heil’gen Jovistempel

Und Pompejus’ Promenade;

Griff, mein Freund, nach allen Weiblein,

Die ich ungern frohgelaunt fand:

„Gebt mir, Mädchen,“ so verlangt’ ich,