Vergil gegen Noctuin und gegen Sabinus.
Der Lärm verstummte. In weit engere Verhältnisse führt uns zu jener Zeit der große Dichter Vergil. Er war der Dichter des edlen Brusttons und des sentimentalen Pathos; sentimental sind nicht nur seine Helden: auch seine Hirten. Aber so war Vergil nicht immer; seine großen Werke schrieb er erst als reiferer Mann und abgekühlten Blutes. Auch er war einst jung und fuhr übermütig derb um sich, wie die anderen, wenn ihn die Torheit der Glücksritter reizte, zu der Zeit, als er noch in seiner norditalienischen Heimat, in Mantua und Cremona lebte, wo er geboren war.
In Cremona lebte der Inhaber einer Töpferei, mit Namen Atilius. Der „stolze Noctuinus“ kommt und heiratet dessen Tochter. Aber Noctuin ist, so scheint es, Trinker, und heiratet auch noch gleich den Weinkrug, den der Schwiegervater fabriziert. Nach volkstümlicher Redeweise wird der Krug als Tochter des Töpfermeisters gedacht, der ihn geschaffen hat. Nun kommt Vergil dem Noctuin mit einem kleinen boshaften Hochzeitspoem, das für den heutigen Gelehrten unendlich wertvoll ist; denn es ist für uns die einzige erhaltene Probe der sog. „Fescenninen“, des Hochzeitsulks der alten Römer. Der Dichter steht auf der Gasse und ruft das Volk zusammen:
Da kommt er, der Ekel, im Zug heran,
Der Noctuin, der stolze Mann.
Das Weibchen, das dir erwünscht erschien,
Du hast sie nun, hast sie nun, Noctuin.
Doch sieh: der Besitzer der Töpferei
Atilius hat der Töchter zwei
Und gibt dir — stolzer, freu’ dich doch —