»Den ›Stechlin?‹ Was ist das? Ich bin so glücklich zu wissen« (und sie machte verbindlich eine Handbewegung auf Woldemar zu), »ich bin so glücklich, zu wissen, daß es Stechline gibt. Aber der Stechlin! Was ist der Stechlin?«

»Das ist ein See.«

»Ein See. Das besagt nicht viel. Seen, wenn es nicht grade der Vierwaldstätter ist, werden immer erst interessant durch ihre Fische, durch Sterlet oder Felchen. Ich will nicht weiter aufzählen. Aber was hat der Stechlin? Ich vermute, Steckerlinge.«

»Nein, Gräfin, die hat er nun gerade nicht. Er hat genau das, was Sie geneigt sind am wenigsten zu vermuten. Er hat Weltbeziehungen, vornehme, geheimnisvolle Beziehungen, und nur alles Gewöhnliche, wie beispielsweise Steckerlinge, hat er nicht. Steckerlinge fehlen ihm.«

»Aber, Stechlin, Sie werden doch nicht den Empfindlichen spielen. Rittmeister in der Garde!«

»Nein, Gräfin. Und außerdem, den wollt ich sehen, der das Ihnen gegenüber zuwege brächte.«

»Nun dann also, was ist es? Worin bestehen seine vornehmen Beziehungen?«

»Er steht mit den höchsten und allerhöchsten Herrschaften, deren genealogischer Kalender noch über den Gothaischen hinauswächst, auf du und du. Und wenn es in Java oder auf Island rumort oder der Geiser mal in Doppelhöhe dampft und springt, dann springt auch in unserm Stechlin ein Wasserstrahl auf, und einige (wenn es auch noch niemand gesehen hat), einige behaupten sogar, in ganz schweren Fällen erscheine zwischen den Strudeln ein roter Hahn und krähe hell und weckend in die Ruppiner Grafschaft hinein. Ich nenne das vornehme Beziehungen.«

»Ich auch,« sagte Melusine.

Wrschowitz aber, dessen Augen immer größer geworden waren, murmelte vor sich hin: »Sehr warr, sehr warr.«