»Na ob.«
In diesem Augenblicke hörte man die Klingel. »Der Papa,« sagte Korinna, und die Schmolke stand auf, um dem Herrn Professor zu öffnen. Sie war auch bald wieder zurück und erzählte, daß sich der Papa nur gewundert habe, Korinnchen nicht mehr zu finden; was denn passiert sei? Wegen ein bißchen Kopfweh gehe man doch nicht gleich zu Bett. Und dann habe er sich eine Pfeife angesteckt und die Zeitung in die Hand genommen und habe dabei gesagt: »Gott sei Dank, liebe Schmolke, daß ich wieder da bin; alle Gesellschaften sind Unsinn; diesen Satz vermache ich Ihnen auf Lebenszeit.« Er habe aber ganz fidel dabei ausgesehen und sie sei überzeugt, daß er sich eigentlich sehr gut amüsiert habe. Denn er habe den Fehler, den so viele hätten, und die Schmidts voran: sie redeten über alles und wüßten alles besser. »Ja, Korinnchen, in diesem Belange bist du auch ganz Schmidtsch.«
Korinna gab der guten Alten die Hand und sagte: »Sie werden wohl recht haben, liebe Schmolke, und es ist ganz gut, daß Sie mir’s sagen. Wenn Sie nicht gewesen wären, wer hätte mir denn überhaupt was gesagt? Keiner. Ich bin ja wie wild aufgewachsen, und ist eigentlich zu verwundern, daß ich nicht noch schlimmer geworden bin als ich bin. Papa ist ein guter Professor, aber kein guter Erzieher, und dann war er immer zu sehr von mir eingenommen und sagte: ›das Schmidtsche hilft sich selbst‹ oder ›es wird schon zum Durchbruch kommen‹.«
»Ja, so was sagt er immer. Aber mitunter ist eine Maulschelle besser.«
»Um Gotteswillen, liebe Schmolke, sagen Sie doch so was nicht. Das ängstigt mich.«
»Ach, du bist närrisch, Korinna. Was soll dich denn ängstigen? Du bist ja nun eine große, forsche Person und hast die Kinderschuhe längst ausgetreten und könntest schon sechs Jahre verheiratet sein.«
»Ja,« sagte Korinna, »das könnt’ ich, wenn mich wer gewollt hätte. Aber dummerweise hat mich noch keiner gewollt. Und da habe ich denn für mich selber sorgen müssen ...«
Die Schmolke glaubte nicht recht gehört zu haben und sagte: »Du hast für dich selber sorgen müssen? Was meinst du damit, was soll das heißen?«
»Es soll heißen, liebe Schmolke, daß ich mich heut’ abend verlobt habe.«
»Himmlischer Vater, is es möglich. Aber sei nich böse, daß ich mich so verfiere ... Denn es is ja doch eigentlich was Gutes. Na, mit wem denn?«