»Na, Korinna, denn is es Zeit, un denn mußt du nu Schicht damit machen. Du kannst doch nich die ganze Welt auf den Kopp stellen un dein un andrer Leute Glück, worunter auch dein Vater un deine alte Schmolke is, verschütten un verderben wollen, bloß um der alten Kommerzienrätin mit ihrem Puffscheitel und ihren Brillantbommeln einen Tort anzutun. Es is eine geldstolze Frau, die den Apfelsinenladen vergessen hat un immer bloß ötepotöte tut un den alten Professor anschmachtet un ihn auch ›Wilibald‹ nennt, als ob sie noch auf’n Hausboden Versteck miteinander spielten un hinterm Torf stünden, denn damals hatte man noch Torf auf’m Boden, un wenn man ’runter kam, sah man immer aus wie’n Schornsteinfeger, — ja, sieh’, Korinna, das hat alles seine Richtigkeit, un ich hätt’ ihr so was gegönnt, un Ärger genug wird sie woll auch gehabt haben. Aber wie der alte Pastor Thomas zu Schmolke un mir in unsrer Traurede gesagt hat: ›Liebet euch untereinander, denn der Mensch soll sein Leben nich auf den Haß, sondern auf die Liebe stellen‹, (dessen Schmolke un ich auch immer eingedenk gewesen sind) — so, meine liebe Korinna, sag’ ich es auch zu dir, man soll sein Leben nich auf den Haß stellen. Hast du denn wirklich einen solchen Haß auf die Rätin, das heißt einen richtigen?«
»Ach ich denke ja gar nicht daran, liebe Schmolke.«
»Ja, Korinna, da kann ich dir bloß noch mal sagen, dann is es wirklich die höchste Zeit, daß was geschieht. Denn wenn du ihn nicht liebst und ihr nicht haßt, denn weiß ich nich, was die ganze Geschichte überhaupt noch soll.«
»Ich auch nicht.«
Und damit umarmte Korinna die gute Schmolke, und diese sah denn auch gleich an einem Flimmer in Korinnas Augen, daß nun alles vorüber und daß der Sturm gebrochen sei.
»Na, Korinna, denn wollen wirs schon kriegen, un es kann noch alles gut werden. Aber nu gib die Form her, daß wir ihn eintun, denn eine Stunde muß er doch wenigstens kochen. Un vor Tisch sag’ ich deinem Vater kein Wort, weil er sonst vor Freude nich essen kann ...«
»Ach, der äße doch.«
»Aber nach Tisch sag ichs ihm, wenn er auch um seinen Schlaf kommt. Und geträumt hab’ ich’s auch schon un habe dir nur nichts davon sagen wollen. Aber nun kann ich es ja. Sieben Kutschen und die beiden Kälber von Professer Kuh waren Brautjungfern. Natürlich, Brautjungfern möchten sie immer alle sein, denn auf die kuckt alles, beinah’ mehr noch als auf die Braut, weil die ja schon weg ist; un meistens kommen sie auch bald ’ran. Un bloß den Pastor konnt’ ich nich recht erkennen. Thomas war es nich. Aber vielleicht war es Souchon, bloß daß er ein bißchen zu dicklich war.«