Ich bin
In diesem Augenblick schlug es halb und noch eh der Schlag verklungen war, mit einer Plötzlichkeit wie ein Schuß fällt, begann jetzt vom Portal her das Anrufen der ausgestellten Wachen. »Sentinelle, prenez garde à vous!« Der nächste Posten nahm den Anruf auf und im fünffachen Echo lief es jetzt um die Citadelle herum, von Posten zu Posten, bis der mir zunächst stehende, mit dem die Kette schloß, dieselben Worte über den Rempart hinrief. Es war, als gälten sie mir selber.
Ich stand jetzt auf, um meinen Rückzug anzutreten. Mich fröstelte. Als ich durch den Mondstreifen hindurchschritt, der jetzt zwischen mir und der schmalen Hofthür lag, war mir’s, als streifte mich etwas. Ich zuckte zusammen und eilte vorwärts.
Der Wachen Ruf war längst verklungen, aber immer noch klang es in mir nach: Sentinelle, prenez garde à vous.
Frei.
1. Unverhofft kommt oft.
Andrer Gram birgt andre Wonne;
Ueber ein Stündlein
Ist deine Kammer voll Sonne.
Paul Heyse.
»Es ist gar nicht zu sagen wie schnell ein Ereigniß da ist, wenn man es nicht erwartet hat! Hat man es erwartet, so dauert es viel länger, und manchmal kommt es gar nicht.« Mit diesen Worten etwa beginnt eine liebenswürdige Roquette’sche Novelle. Die Wahrheit, die sich darin ausspricht, sollte sich auch an mir erfüllen. »Unverhofft kommt oft.«
Es war Sonnabend den 26. November. Die erste Hälfte des Tages mit Spaziergang und Arbeit lag hinter mir, das Mittags-Beefsteak war verzehrt, »in seinem zähen Widerstand gebrochen«, und die Kaffeestunde umblühte mich bereits. Duft und Wärme füllten das Zimmer. Rasumofsky war bei mir. Wie die beiden wilden Männer im Preußischen Wappen standen wir am Kamin, er rechts, ich links, während zwischen uns das Feuer glühte und die mehrerwähnte bauchige Blechkanne, mitten in die Kohlen hinein gestellt, eben mit ihrem Deckel zu klappern begann. Es war das Wasser für den zweiten oder Rasumofsky-Aufguß; den ersten hielt ich bereits in Händen und nippte mit der Bedächtigkeit eines »Connaisseurs«.