Die Hotels der grösseren Gebirgsstädte unterscheiden sich nicht von denen des Niederlandes. Die ehemals sehr kleinen Betten verschwinden mehr und mehr. In Böhmen sind diese meist luxuriöser, wie auf sächsischer Seite, selbst in oft unansehnlichen Gasthäusern. Sehr zu wünschen ist, dass die Wirthe im Sommer statt für Federbetten für überzogene Wattdecken Sorge tragen.

In kleineren Städten und Dörfern hüte man sich im Allgemeinen vor Rindfleischgerichten; die besseren erzgebirgischen Mastrinder kommen hier selten zum Schlachten, anders ist es im Voigtland und in Böhmen. In kleineren Gasthöfen, wo hie und da die alte erzgebirgische herzlich schlechte Küche noch nicht aufgegeben ist, wird das Fleisch leider oft nur angebraten (damit die Portionen nicht zu klein erscheinen) und mit einer geschmacklosen, hellgelben Sauce aufgetragen, wenn man nicht extra auf scharfgebratenes Fleisch dringt. Erzgebirgische Butter ist meist vorzüglich, der erzgebirgische Käse dagegen häufig ungeniessbar. In neuerer Zeit haben die Rittergüter bessere Käsereien angelegt. Nur der Aberthamer Ziegenkäse genoss früher Ruf und ging selbst nach Dresden in die Hofküche. Eigenartige Speisen, wie Böhmen und Bayern, kennt das Erzgebirge nicht.

Die einheimischen Biere sind zumeist trefflich und bekommen gut. Auf böhmischer Seite trifft man zuweilen selbst in unansehnlichen Schenken einen köstlichen Trank, auch in den kleinen Weinschenken verzapft man sehr oft treffliche böhmische, österreichische und ungarische Weine für billiges Geld. Man wird immer wohl thun, nach jener Sorte zu greifen, welche von den Einheimischen am Meisten begehrt ist. Der ehemals gefürchtete Kaffee ist auf sächsischer Seite besser geworden, in Böhmen herrscht die Unsitte, denselben durch Feigenwurzel »seimig«, d. h. schlechter zu machen; auch reicht man oft schlecht raffinirten Runkelrübenzucker dazu, oder verdickt ihn gleich zu einer Art von braunen Zuckerschleim.


Pass und Zoll.

Passkarte oder Reisepass wird weder an der Grenze noch in den Gasthäusern gefordert. Indess sind sie keineswegs überflüssig. Wer Gelder von der Post zu beheben hat oder die Behörden in Anspruch nehmen muss, wird ohne sie lästige Scheerereien haben.

Die Zollvisitation wird seit den jüngsten Zollerhöhungen weit strenger gehandhabt. Frei sind Kleidungsstücke, Wäsche, 10 Stück Cigarren, 2 Loth Rauchtabak. Cigarren kosten das Pfund 3 fl., Tabak 1 fl. Steuer. Streng verpönt sind Lotterieloose und Spielkarten.


Reisekosten.

Die Reisekosten stellen sich für den Fusswanderer auf 4 bis 6 M. täglich; Das Zimmer berechnet man in kleineren Orten zumeist mit 1 M., auf Dörfern wohl auch nur mit 50 Pf., in comfortable eingerichteten Gasthöfen steigt der Preis bis 2 M., in den böhmischen Bädern bis zu 3 fl., doch sind auch hier in guten Mittelgasthäusern Zimmer für 1 fl. zu haben. Uebervortheilungen hat man im ganzen Gebirge nicht zu fürchten. Selbst ein anspruchsvoller Reisender wird Mühe haben, täglich 20 M. an den Mann zu bringen, wenn er sich nicht gerade in den Bädern befindet oder exclusiven Dingen nachgeht.