Es soll hier der Leser nicht mit der Neuigkeit überrascht werden, dass die Sommermonate am geeignetsten zum Reisen sind, ich möchte hier nur eine Lanze für Winterpartien brechen. Zum Ersten sind sie sehr gesund und wohlthuend für Geist und Körper, vorausgesetzt, dass wirklicher Winter herrscht, sodann zeigen sie uns die Natur in unvergleichlichen Reizen. Die winterlichen Herrlichkeiten mit ihren Rauhfrösten, Eisduft, lustigen Schneetreiben, Schneewehen, Schlittenbahnen und krystallisirten Wäldern treten in Mitteldeutschland nirgends mit so echt nordischem Charakter auf, wie auf dem Erzgebirge. Wer Winterscenerien liebt, dem kann ich dieses Gebirge aus reicher Erfahrung dringend anempfehlen. Uebrigens erstrecken sich die Schlittenpartien in neuerer Zeit von Dresden, Freiberg, Chemnitz und Zwickau aus öfter bis auf den Kamm. Von besonderem Interesse sind auch die winterlichen Wildfütterungen auf dem Nassauer und Fleyer Revier. Bei Fley finden sich bis zu 300 Stück Hochwild bei der täglichen Fütterung zusammen. Wer übrigens Land und Leute studieren will, der muss das Land im Sommer und die Leute im Winter nehmen, nur im Winter drängen sich diese eng zusammen.

Um eine practische Tageseintheilung zu ermöglichen, sei auf nachstehende Tabelle verwiesen.

Sonnen-Sonnen-
Aufg.Unterg.Aufg.Unterg.
Juni1.3. 53.8.Juli1.3. 53.8. 13.
16.3. 49.8. 11.16.4. 6.8. 5.
26.3. 51.8. 14.26.4. 18.7. 53.
Sonnen-Sonnen-
Aufg.Unterg.Aufg.Unterg.
August1.4. 27.7. 45.Septbr.1.5. 16.6. 45.
16.4. 49.7. 18.16.5. 37.6. 12.
26.5. 5.6. 58.26.5. 53.5. 50.

Einiges über Reisemärsche.

Der Tourist marschirt zwar unter günstigeren Verhältnissen, wie der Soldat, doch als Massstab dürfte ein kleiner Auszug aus einem Aufsatz des Ober-Stabsarztes Dr. Leo über Militärmärsche dem Touristen nicht unwillkommen sein. Das deutsche Exercirreglement schreibt 8–10 m Schrittgrösse und eine Schrittzahl von 112 per Minute vor. Dabei wird 1 km in 12 Minuten und die Meile in 1½ Stunde zurückgelegt. Ein bequemer Reiseschritt veranlasst eine Schrittzahl von 90 per Minute. Die gewöhnliche Marschlänge beträgt für den Tag 23 bis 30 km. Der vierte Tag ist stets ein Rasttag. 1 Stunde nach Abmarsch wird ein kürzerer Halt empfohlen, sodann jede zweite Stunde. Der Haupthalt wird nach Zurücklegung der grösseren Hälfte des Marschzieles gemacht und ist auf ½ bis ¾ Stunde auszudehnen. Im Krieg steigern sich diese Marschleistungen um ein Bedeutendes, doch könnte mit näheren Angaben der Touristik wenig gedient sein.

Bei grosser Hitze empfiehlt die Erfahrung weisse Tücher um Haupt und Nacken, auch soll ein Stück angefeuchtetes Papier in die Kopfbedeckung gelegt, Hitzschlag und Sonnenstich hintanhalten, Trinken von kalten Wasser wird empfohlen, nur darf keine Ruhe nach dem Trinken eintreten. Essig und Wasser mit Zuckerzusatz wird als besonders erfrischend gerühmt. Bei nicht zu heisser Temperatur ist mässiger Branntweingenuss nicht nur gestattet, sondern empfohlen. Bei grosser Hitze ist Branntwein zu meiden. Die Füsse sind am Abend in kühlem Wasser zu waschen und mit Talg und Sprit einzureihen. Bei 20° R. im Schatten soll der Soldat mit Marschieren um die Mittagszeit verschont werden. Sind die Märsche unumgänglich, soll er reichlich Wasser zu sich nehmen. Der Gebrauch der Soldaten, grüne Blätter und Zweige in die Kopfbedeckung zu legen oder auf derselben zu befestigen, wird als nützlich anerkannt.

Hieran sei noch folgendes geknüpft: Aerzte und Apotheker sind allerorts im Erzgebirge nicht weit. Die Taschenapotheke kann sich auf etwas engl. Pflaster für wunde Füsse und ein wenig Talg beschränken. Sind Fusswaschungen am Abend mit Schwierigkeiten verknüpft, so befreie man wenigstens den Fuss zeitig vom Schuhwerk. Zu warnen ist vor dem programmmässigen Abhetzen einer Tour, wie es namentlich unter den jüngeren Touristen gebräuchlich; es beeinträchtigt den Reisegenuss, hinterlässt nur dürftige Eindrücke und ist nicht ohne Gefahren. Im Ganzen sollte der Marschetat 8 Stunden oder 30 km nicht überschreiten. Am ersten Tag genügen oft schon 5 Stunden die Kräfte zu erschöpfen. In der Kleidung richtet sich Jeder am Besten nach seiner Gewohnheit. Der Schuh sei vor Allem bequem, hohe Absätze taugen nicht zum Wandern, sie drängen den Fuss nach vorn und verursachen Schmerzen in den Zehen. Wer an Rindlederschuhe nicht gewöhnt ist, wird im Anfang bittere Erfahrungen damit machen. Drei- und vierfache Sohlen sind ebenfalls nicht zu empfehlen, sie treten sich nur schwer nach dem Fuss und schmiegen sich zu wenig seinen Bewegungen an. Vorzüglich wandert sichs auf einer einzigen Kernledersohle. Für Winterpartien empfehlen sich Stiefel mit Korkeinlage, sie halten den Fuss warm und gewähren vor Nässe Schutz.


Gastronomisches.