Eine Waldstrasse führt uns von Rabenau nach Dippoldiswalde. Mit einigen Umwegen kann man leicht drei intr. Punkte, die Barbarakapelle, den Einsiedlerstein und den Wolfsstein besuchen. Wegweiser und weisse B, E und W führen an die betreffenden Punkte. Die Barbarakapelle ist die Ruine eines Wallfahrtskirchleins, die nach der Reformation zerstört wurde. Der Einsiedlerstein soll der Ueberrest einer Wohnung des Einsiedlers Dippold sein, der den neueren Forschungen nach freilich nie existirt hat. Dippoldiswalde hat seinen Namen von einem slav. Vladiken aus dem Geschlechte Dippoldicz. Die Wolfssäule erinnert an einen 1802 erlegten 203 Pfd. schweren Wolf. In den Sandsteinbrüchen am Ende des Waldes Petrefecten (Rest.). (In der Nähe herrliche Aussicht, Umschaugerüst projectirt.) Zwischen Stadt und Wald auf freiem Feld das Tartarengrab, eine Spitzsäule mit Stern und Halbmond geziert. Die Inschriften besagen, dass hier ein Tartar Mustapha Sulkowicz, Premier-Leutenant bei den Poln.-Sächs. Ulanen begraben liegt, der bei Reichsstadt während einer Attaque gefallen.
Dippoldiswalde. Stadt Dresden. Gold. Stern. Rest. Rathskeller. 3175 Einw. 357 m im anmuthigen Thalkessel an der rothen Weisseritz. Früher starker Bergbau mit nahe 100 Zechen und 3 Schmelzhütten. Viel Strohflechterei. Strohhutfabrikation. Schöner Marktplatz mit altem, sehenswerten Rathhaus, an welchem das Wappen der Maltitz und die Statuen der Maria und des Laurentius. Goth. Hauptkirche mit bemerkenswerthem Portal. Die Nicolaikirche auf dem Gottesacker entstammt dem 13. Jahrh. und zeigt byzant. Stylformen. (Wird gegenwärtig von Möckel restaurirt.) Das Schloss enthält das Gerichtsamt. Die Stadt ist Sitz einer sehr rührigen Section des Erzgebirgsvereins. Sommerfrische, billige Wohnungen. Vom Thal aus, wie von den Höhen über der Weisseritz drüben nach Edle Krone zu prächtige Blicke auf das malerische Städtchen.
Die Strasse führt im Thalzug weiter nach Schmiedeberg. Hohofen. Eisenhammer. Hinter dem Ort zeigen weisse T, links der Strasse, nach der Tellkoppe hinauf, dieselbe ist jedoch jetzt so verwachsen, dass sich eine Ersteigung erst dann wieder lohnt, wenn das projektirte Ausschaugerüst fertig gestellt sein wird. Die 754 m hohe Kuppe auf langem, waldigen Bergrücken gewährte umfassende Blicke ins Centralerzgebirge hinauf und auf die Höhenzüge bei Freiberg, wie auf das Meissner Tiefland. Wir gehen besser direct nach der Friedrichshöhe bei Bärenburg. 739 m. An einer grösseren Tanne ist die Aussicht am schönsten. Wir sehen Dresden mit den neuen Kasernen, die Prinzenschlösser, Theile der Sächs. Schweiz, die Berge bei Altenberg, die Lausitzer Berge und die nördliche Abdachung des östl. Erzgebirges selbst. König Friedrich August nächtigte auf seinen botanischen Wanderzügen öfter hier und gab Raketensignale hinab nach Pillnitz, wo seine Gemahlin dieselben erwidern liess. In der Försterei intr. Königszimmer mit Fremdenbuch für fürstl. Personen. Die Strasse führt von hier über Hirschsprung nach Altenberg. Siehe [Seite 32].
6. Dresden-Dippoldiswalde-Schmiedeberg (26 km). Rehefeld-Zaunhaus (über Dorf Sayda 14 km, über Bärenfels und Schellerhau 13 km, doch mehr Berg). Neustadt (6 km). Niclasberg (3 km). Klostergrab (5 km). Ossegg (4 km). Teplitz (10 km).
Bis Schmiedeberg siehe Tour 5. Hier verlassen wir die rothe Weisseritz und gehen im Pöbelbachthal aufwärts die Strasse, die bei Ober-Pöbel einen Bergrücken überschreitet und das Thal der Wilden Weisseritz gewinnt. In Sayda Gasthof. Die Strasse folgt in der Hauptsache der Weisseritz bis Rehefeld-Zaunhaus.
Anmerkung. Wer von Schmiedeberg aus den Weg über Bärenfels und Schellerhau wählt, kann bei letzterem einsamen Gebirgsdorf den 842 m hohen Pöbelknochen ersteigen. Umfassender Blick in die einsame Waldregion des Kammes und auf dem Nordabhang des Gebirges. Die Strasse führt dicht daran vorüber.
Rehefeld-Zaunhaus. Jetzt eine Gemeinde. Zerstreutes Gebirgsdorf mit einem königl. Jagdhaus, ein Lieblingsort König Alberts und seiner Gemahlin. Liegt inmitten herrlicher Waldberge an der Wilden Weisseritz, dicht an der böhmischen Grenze. Primitiver Landgasthof. Wenn der Hof anwesend, ist oft schwer Unterkommen zu finden, so dass sich selbst Cavaliere mit Strohlagern in Bauerhütten begnügen müssen. Zeichnung und Bauproject zu dem hölzernen, doch höchst malerischen Jagdschlösschen bescheerte die Königin Carola ihrem erlauchten Gemahl als ein Weihnachtsgeschenk. Schöne Kapelle in norwegischer Holzarchitektur. Glasgemälde. Gutes Altarbild. Die Einrichtung des Schlösschens ist von einer fast rührenden Einfachheit. In der Umgebung unter sehr alten Bäumen schöne Waldprommenaden. Der Hemmschuhberg mit sehr hohem Holzgerüst zwischen drei Fichten gestattet umfassende Blicke in die Waldregion des Kammes (815 m). Wegweiser markiren die herrlichen Waldwege nach dem Thurm (4 km).
Ein directer Weg (6 km) führt über das Forsthaus Kalkofen nach Niclasberg hinab. Auf der Höhe (an einem Kreuz) überraschende Aussicht durch den Niclasberger Thalzug hindurch auf das Mittelgebirge und den Teplitzer Thalkessel. Wer den Stürmer nicht ersteigen will, gehe diesen directen Weg. Andernfalls berühren wir Neustadt. Städtchen auf der Kammhöhe. Schütz' Gasthaus. Biliner Bierhalle. Von hier liegt der Stürmer nur 1½ km und ist leicht zu ersteigen, doch wird man ohne Führer die aussichtsreiche Kuppe nur schwer finden. Der 825 m hohe, weitvorgeschobene Berg gehört zu den grossartigsten Aussichtspunkten des Erzgeb. Die Ausschau auf den Teplitzer Thalkessel wie auf das bizarre Mittelgebirge ist ausserordentlich umfassend, auch die Ebene gegen Saaz hin liegt frei vor dem Beschauer.
Von Neustadt führt die aussichtsreiche Strasse, vom Stürmer führen directe Waldpfade steil hinab nach Niclasberg oder auch direct nach Klostergrab. Fall bis dahin nahezu 500 m. Das kleine Bergstädtchen liegt höchst anmuthig im engen Thalzuge. Rathskeller am Markt (Gut). Das Städtchen eignet sich sehr wohl zur Sommerfrische.