Die Muldenhütten (3½ km) an der Mulde sind hochintressant. Eintritt 1 Mk. Die gepochten Erze werden zunächst in Röstöfen geröstet, d. h. vom Schwefelgehalt befreit, sodann geschmolzen, wobei sich das Werkblei ausscheidet. Dieses geht nun durch viele Oefen, ehe es zum Silberbrenner gelangt, der mit Feuer und glühenden Sauerstoffströmen den Bleigehalt zum Oxidiren zwingt, bis der Rückstand den sogenannten Silberblick zeigt und damit sich als reines Silber ausweisst. (Näheres siehe des Verfassers Aufsatz Gartenlaube 1879 No. 34.) Nebenher sind Bleirohrfabriken, Arsenhütten, Schwefelsäurefabriken, Zinköfen, Goldscheidewerkstätten zu besichtigen. Auch 2 kleine Platinkessel sind intressant, sie kosten zusammen 36 000 Thlr.
Anmerkung. Wer die Grabentour machen will, besucht anstatt der Muldenhütten die am Wege gelegenen Halsbrücker Hütten, die ganz ähnlich eingerichtet sind.
Die Bergacademie geniesst Weltruf. 15 acad. Lehrer unterrichten gegen 150 Bergstudenten unter denen alle Welttheile vertreten sind. Grossartige Mineraliensammlung. Fachbibliothek von circa 40 000 Bänden. Alexander von Humboldt und Theodor Körner studirten hier. (Neben der Bergacademie sei das Gymnasium genannt, das schon seit 4 Jahrh. besteht und neuerdings in einen stattlichen Neubau übergesiedelt ist.) Alterthumsmuseum im Kaufhaus. Sonn- und Feiertags von früh 11 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, 10 Pf. Eintritt, Mittwoch und Sonnabend Nachmittag 20 Pf. Ausser der Zeit Führung 1 bis 4 Personen 1 Mk. Katalog 20 Pf. 1861 gegründet. Von localem Interesse sind besonders alte Berggeräthe, die man in verlassenen Bauen aufgefunden. Ferner kirchliche Alterthümer, Innungsladen, Trinkgefässe etc.
Interessante Gebäude sind das alte Rathhaus, in dem auch ein Stück der Strickleiter aufbewahrt wird, auf welcher Kunz von Kauffungen den Prinzenraub ausführte, ferner das Kaufhaus, das alte Gymnasium, sonst Domherrenwohnung, und viele hochgegiebelte alte Bürgerhäuser.
Der Freiberger Dom ist weniger berühmt geworden durch seinen Gesammteindruck, wie durch seine Goldene Pforte und seine Grabmäler. 1484 abgebrannt, wurde er bald darauf in spätgoth. Styl wieder errichtet, doch hat man den kostbarsten Ueberrest von dem alten romanischen Bau wohlerhalten. Diese goldene Pforte ist von den älteren Werken der Steinplastik zweifellos das hervorragendste in sächs. Landen und überhaupt einzig in ihrer Art. Figurenreiche Gruppen, darunter die Dreieinigkeit, die Anbetung der heil. drei Könige, Madonna, Engel, Apostel, Abraham, Josua, David, auferstehende Todte etc. beleben das geniale Bildwerk, dessen Schöpfer eine hohe künstlerische Anmuth bei reicher Phantasie und strenger Anordnung bekundet. Bemerkenswerth sind noch der Kreuzgang in edler Gothik. Im Innern des Domes eine ältere Kanzel, die eine Riesentulpe darstellt; im Kelch befindet sich der Predigtstuhl. Die zweite Kanzel, gestützt durch zwei bergmännische Statuen, liess der Freiberger Bürgermeister Schönleben 1638 errichten; man schätzt sie als eines der besten Werke altdeutscher Renaissance. In der anstossenden Begräbnisscapelle liegen die Fürsten Sachsens von Heinrich dem Frommen bis auf Johann Georg IV. Das künstl. bedeutendste Grabmal ist das des Kurfürsten Moritz, der bei Sievershausen gefallen. Die Zeichnung stammt von zwei Italienern, den Gebrüdern Tola, die Ausführung in Marmor geschah durch den Antwerpener Bildhauer van Zerun. Die Orgel zählt zu Silbermanns Meisterwerken. Auf dem eingezogenen Domkirchhof ist das Grab des grossen Geologen Werner erhalten worden.
Spaziergänge. In der Stadt besichtige man den blauen Stein auf dem Obermarkt, der die Stelle bezeichnet, wo Kunz von Kauffungen, der Prinzenräuber, seinen Putsch mit dem Leben büsste. An einer Ecke des Rathhauses ist ein Kreuz von besonders reichen Silbererzen eingemauert. Ein Rundgang um die in Promenaden verwandelten Ringwälle ist höchst empfehlenswerth. Wir berühren dabei am Kreuzthor das Denkmal des Mineralogen Werner, vor dem Petersthor steht das renovirte Schwedendenkmal. An den Bürgermeister Horn erinnert vor dem Erbischen Thor ein goth. Brunnen. Zwischen dem Schloss Freudenstein, wo einst Heinrich der Fromme fröhlichen Hof hielt, und den idyllischen Kreuzteichen steht das Kriegerdenkmal auf einer alten Schanze.
Wer eine echt bergmännische Landschaft mit Zechenhäusern und grossen Berghalten sehen will, gehe nach der Sächsstadt und in das Schachtrevier von Himmelfahrt. Ein Besuch von Herders Ruhe, ein Denkmal unfern der Strasse nach Halsbrücke kann damit verbunden werden. Schöner Blick auf die alte Bergstadt, der in Deutschland wohl einzig in seiner Art sein dürfte. Grössere beliebte Spaziergänge sind die nach Fernesiehen, ein Gasthaus an der Chemnitzer Strasse, nach dem Rosinenhäuschen an der Frauensteiner Strasse und nach Heedens Rest. an der Meissner Strasse.
Touren ab Freiberg.
9. Freiberg-Halsbrücke (5 km). Krummhennersdorfer Mühle (4 km). Oberreinsberg (4 km). Zollhaus (1½ km). Bergwerk Kurprinz (über Burkersdorf 4 km). Ueber Altväterwasserleitung nach Freiberg (8 km).