8. Dresden-Tharandt (15 km). Klingenberg (11 km). Freiberg (14 km).

Man fährt wie bei Tour 7 durch den industriereichen Plauenschen Grund nach Tharandt. (Siehe [Seite 41].) Von hier steigt die Bahn 1 zu 40 an der Weisseritz, später am Serrenbach aufwärts nach Klingenberg (432 m) und auf die Freiberger Hochebene. Bei Passirung der Freiberger Mulde links die grossartigen Muldenhütten, fiscalische Silberschmelzwerke. Die hohe Esse auf der Anhöhe ohne Gebäude daneben ist die Giftesse, welche die Arsendämpfe ableitet. Wer die Hütten besuchen will, steigt am Besten hier aus und geht dann die 3½ km nach Freiberg zu Fuss. (Muldenhütten siehe [Seite 48].)

Freiberg. Hotel de Saxe, Hirsch, Stern, Adler, Goldne Pforte, Preuss. Hof, Stadt Altenburg. Zu besuchtesten Wirthschaften gehört Debus, Otto, Reichel. Gartenwirthschaften: Schillerschlösschen, Schützengarten, Union, Feldschlösschen, Tivoli. Bäder: Actienbad, Stadtbad, Hedrichs Bad. Droschken: Einfache Fahrt 50 Pf.

Freiberg am Münzbach, unfern der Freiberger Mulde, liegt 414 m hoch in einer Gegend, wo die Bodenplastik des Erzgebirges nicht sehr energisch ist, doch gehört die Stadt selbst zu den sehenswerthetesten in deutschen Landen; sie ist das Centrum des erzgeb. Bergbaus, der nicht nur die starke Besiedlung Sachsens verursacht, sondern den Grundstock der eminenten Gewerbthätigkeit des ganzen Landes bildet. Freiberg ist noch heute der Stolz des Sächs. Fürstenhauses, wie der des ganzen Landes. 25 431 Einw.

Geschichtliches. Wenn man den vielen slav. Worten, die noch heut im Sächs. Bergbau gebräuchlich sind, historische Bedeutung beilegen darf, so haben die Sorben bereits Bergbau getrieben und wohl auch die Schätze der Freiberger Gegend, die ja zum Theil von Slaven besiedelt war, gekannt, doch der Aufschwung, der Betrieb im grossen Styl ist den germanischen Elementen zu verdanken. Slavische Bezeichnungen sind: Zscherper, Zeche, Stollen, Schwaden, Rösche, Kux, Kobalt, Flötz, Druse u. a. m.

Die Sage berichtet, Fuhrleute aus Halle oder Goslar, die Salz und Blei geladen hatten, fanden im Fahrgleis eine Erzstufe, die sie in Goslar untersuchen liessen. (Siehe auch Geschichtliches.) Darauf hin seien denn Harzer Bergleute in Schaaren in das rauhe Waldgebirg gezogen. Thatsache ist, dass der Freiberger Stadttheil, die Sächsstadt, von niedersächsischen Bergleuten ihren Namen erhielt. Aber zur Besiedlung hat wohl ganz Deutschland und vor Allem das nahe Böhmen beigesteuert. Otto der Reiche, der seinen Beinamen den Freiberger Erzreichthum verdankt, erhob die Ansiedlung 1175 zu einer Bergstadt mit vielen Vorrechten, wie auch der Name Freiberg darthut. Der Glanz und der Ruhm der jungen Ansiedlung machte den Hohenstaufenkaiser Heinrich VI. lüstern auf die Stadt; schwäbisches Kriegsvolk besetzte sie, dieses wurde aber von der, dem Landesherrn treu ergebenen Bürgerschaft vertrieben. Dem Kaiser Adolph von Nassau gelang es wirklich, den Landesfürsten, Friedrich mit der gebissenen Wange, zu vertreiben, doch nach wenigen Jahren schüttelten die Bürger die kaiserliche Herrschaft für immer ab. Im Anfang des 16. Jahrh. gelangte Freiberg auf den Zenith seines Ruhmes, die Stadt zählte damals 70 000 Einw., war also eine der volkreichsten Städte deutscher Zunge in damaliger Zeit. Während des 30jähr. Krieges sank sie zu einem Schatten ihrer ehemaligen Grösse herab. Zwar belagerte Banner und Torstensohn die Mauern vergeblich, aber die meisten Häuser gingen in Flammen auf, die Vorstädte lagen verwüstet, die Bergwerke ausgeraubt und verödet oder gar ersoffen, die Bevölkerung war bis auf 6000 zusammengeschmolzen. Im 7jähr. Kriege wurde das Gemeinwesen, das immer als reich galt, mehrfach gebrandschatzt und Prinz Heinrich, der Bruder Friedrich II., schlug eine bedeutende Schlacht bei Freiberg zu Friedrichs Gunsten. Auch in den Franzosenkriegen litt die Bergstadt durch Einquartirung.

War es früher der Hofhalt der reichen meissnischen Fürsten, der ausser den metallischen Schätzen, Glanz und Ansehen über die Stadt gebreitet, so waren es später hochberühmte Männer, die hier gelebt und gewirkt. Genannt seien Werner, der grosse Geologe, Alexander von Humboldt, Lampadius, der Erfinder des Leuchtgases, der Geologe Breithaupt, Silbermann, der Orgelbauer, Theodor Körner als Bergstudent und der jugendliche Carl Maria von Weber. In den Wissenschaften des Bergbaus und der Hüttenkunde steht Freibergs Name noch immer obenan, im Bergbau selber hat es die Priorität an die colossalen Minen Nevadas abtreten müssen. Der Grubenbau erweist sich zwar ergiebiger denn je, allein es ist nicht der Erzreichthum die Ursache, es ist das ein Triumph der Hüttenkunde, die jetzt die ärmsten Erze mit besseren Hilfsmitteln auszunützen versteht.

Neben dem Bergbau blüht auch eine bedeutende Industrie in Freiberg, so die Superphosphatfabrikation, die sich auf den Bergbau stützt, ferner bestehen Cigarrenfabriken, eine grosse Portefeuillefabrik, eine Flachsspinnerei und eine Goldtressenfabrik, die für die deutsche wie für fremde Armeen die Tressen liefert.

Bergmännisches. Zur völligen Kenntniss der Bergstadt gehört eine Einfahrt in einen der Schächte, die zwar nicht mühelos, aber hochinteressant ist. Erlaubnisskarte auf Himmelfahrt 2 Mk., 2 Personen 3½ Mk. Auch Damen fahren zuweilen an, doch müssen auch sie ein männliches Berghabit anlegen. Grösste Tiefe 520 m. Man denke ja nicht, dass man in den engen feuchten Stollen glänzende Silberadern zu sehen bekommt. Das gediegene Erz ist sehr selten. Auf 200 Ctr. gesprengte Gangmassen kommt erst 1 Ctr. Erz und dieses führt im Durchschnitt nur 1 bis 2% Silber bei sich. (Die Silberbergwerke sind weit gefahrloser wie die Kohlenbergwerke.)

Der Bergmannsstand hat durch seine genossenschaftliche Organisation, seinen conservativen Sinn und seinen Berufsgeist vieles aus alter Zeit herübergerettet, so dass sich der Bergmann von seinen »überirdischen« Standesgenossen, den Fabrikarbeitern unterscheidet. Schon seine Sprache hat Eigenartiges, so sind Kux, Zeche, Zubusse, Wetter, Hund, Teufe etc. ihm ureigene Begriffe. Als Scheidejunge tritt der jugendliche Bergmann seinen Beruf an, er sortirt zunächst die ausgebrachten Erze nach ihren Gehalt, sodann steigt er zum Grubenjungen empor oder vielmehr, er steigt hinab und vermittelt den Verkehr zwischen den Abbauörtern und den Förderschächten, indem er die Hunde (Fahrzeuge) mit den Erzen hin- und hertreibt, oder er räumt Gesteinstrümmer bei Seite. Als Lehrhäuer hat er sieben lange Jahre zu dienen, ehe er zum Probegeding zugelassen wird; ist dieses gemacht, dann erst gilt er als ein vollbürtiger Bergknappe. Eine ähnliche Stufenleiter haben die Zimmerlinge zu durchlaufen. Obersteiger müssen eine Bergschule absolvirt haben. Die Kleidung besteht in einem Grubenkittel, einem Bergleder und einem Berghut ohne Krämpe mit einer Kokarde von gekreuzten Fäusteln gebildet. Bergaufzüge mit Fackeln und Grubenlichtern sind leider seltener geworden. Der grösste neuere Bergaufzug dürfte der 1878 zu Dresden gewesen sein, der zu Ehren der Silbernen Hochzeit des Königspaares stattfand. Die hohen Bergbeamten tragen glänzende Uniformen. Alt wird der Bergmann selten, nahe den Fünfzigen siegt er an der sogenannten Bergkatze, einer Art Schwindsucht dahin, den Hüttenleuten ergehts fast schlimmer, sie erliegen meist noch früher der Hüttenkatze, einer ähnlichen Krankheit. Am gefährlichsten ist die Arbeit in den Arsenhütten. Die Silberbrenner leiden häufig an der Bleikolik. Die reichste Grube ist gegenwärtig Himmelfahrt, sodann folgt Himmelsfürst. Neuerdings werden auch von mehreren andern Schächten reiche Anbrüche gemeldet.