Wirthschaften: Mosellasaa. (Grösseres Vergnügungslocal in orient. Styl.) Kaisersaal, Langestrasse. Alicke in Stadt Wien. Barthel, Langestrasse (auch Café und Conditorei). Ewald, Johannisgasse. Johannisgarten, Königstrasse. Starkbesuchte Sommerrestaurants: Letzter Seufzer, Stollberger Strasse. Tivoligarten, am Tivolitheater. Kesselgarten, auf dem Schloss, nebenan Schlossrestaurant. Baums Restaurant an der Zschopauerstrasse. Renom. Weinstube, Hartenstein, Bretgasse.

Cafés: Barthel, Langestrasse. Lincke, Königstrasse. Pick, Poststrasse. Jakob, Zwickauerstrasse. Kretschmar, Klosterstrasse.

Bäder: Hedwigbad an der Klostermühle. (Dampf- u. Wannenbäder. Irisch-röm. Bäder. Rest.) Peters Bad, Nicolaistr. (Wannenbäder.) Helenenbad, Zschopauerstrasse.

Chemnitz (von Camennicze, zu deutsch Steinbach) liegt im weiten Chemnitzthal, 294 m hoch. Die Einwohnerzahl ist seit Einbezirkung von Schlosschemnitz auf 96 000 gestiegen, zudem ist die Stadt die Centrale einer sehr stark bevölkerten Umgegend. Die Gewerbthätigkeit ist eine ganz ausserordentliche; hauptsächlich florirt der Fabrikbetrieb, doch ist die Hausindustrie gleichfalls bedeutend. Die reichliche Hälfte wird für den Export erzeugt, namentlich sind es Russland, Oestreich, die Türkei, die skandinavischen Länder und Nord- und Südamerika, welche die bedeutendsten Absatzmärkte für Chemnitz und die Chemnitzer Gegend darstellen. Das nordamerikanische Consulat in Chemnitz weist den stärksten Verkehr unter allen Consulaten der Union im Deutschen Reiche auf. Der Güterverkehr in den Ladehallen, weitaus der stärkste Sachsens, hat einen wahrhaft cosmopolitischen Charakter. Gegen 80 Güterzüge täglich schleppen das Rohmaterial aus allen Winkeln Europas und allen Erdtheilen herbei und führen die Waaren dahin zurück. Chemnitz nennt mehr schwimmende Güter sein Eigen, wie so manche mittelgrosse Seestadt. Unter den deutschen Industriestädten, welche der englischen Industrie auf dem Weltmarkt Parole geboten, steht zweifellos Chemnitz obenan.

Geschichtliches. Das Kloster Chemnitz wurde im 12. Jahrhundert durch König Lothar begründet und dieses auf dem nahen Schlossberg gelegene Benedictinerstift mag auch die Begründung der Stadt veranlasst haben. Das Marktrecht datirt vom Jahre 1143 und ward ertheilt durch Konrad III. Dauernd unter die Wettiner kam die Stadt 1410, womit die Reichsunmittelbarkeit ihr Ende fand. In den Hussitenkriegen ward sie zweimal, 1429 und 1430 vergeblich belagert. Chemnitz, unbetheiligt an dem ausgedehnten erzgeb. Bergbau, mag schon früh der Industrie zugedrängt worden sein, boten doch die Bergstädte selbst ein dankbares Absatzfeld. Im 30jähr. Krieg verfiel auch Chemnitz dem allgemeinen Ruin, vor welchem sie selbst ein wirthschaftlich höchst wichtiges Bleichprivileg, das sie vor ihren Nachbarstädten voraus hatte, nicht schützen konnte. Die Periode der Grossindustrie begann mit der Einführung der Baumwollspinnmaschiene; auf diese stützte sich die Weberei und Strumpfwirkerei, auch für die Zeugdruckerei bildete die Spinnerei den Lebensnerv. Die weitere Folge war ein vielseitiger Maschinenbau, der nothwendig entstehen musste. Die bürgerlichen Gewerbe hoben sich natürlich mit den Hauptbranchen und zu diesen gesellen sich eine zahllose Menge Nebenbranchen.

Im Anfang dieses Jahrhunderts zählte Chemnitz 9000 Einw., heute hausen nahezu 11 mal mehr Menschen auf derselben Scholle und finden ein reichlicheres Brod wie die 9000 von damals. Chemnitz ist übrigens der Knotenpunkt von 8 Eisenbahnen, eine Zahl, die nur von wenigen Grossstädten im Reich übertroffen wird.

Sehenswürdigkeiten.

Industrien. Voran ist hier die Sächs. Maschinenfabrik zu stellen, von dem genialen Richard Hartmann gegründet, einem Selfmen von grossem wirthschaftlichen Scharfblick und Talenten († 1879). Gegen 3000 Arbeiter. Locomotivenbau, Werkzeugmaschinenbau und Maschinenbau für fast alle Textilbranchen. Gewöhnliche Dampfmaschinen, Schiffs- und Bergdampfmaschinen.

Die Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik, gegründet von Joh. von Zimmermann (gleichfalls ein Selfmen). Hochrenomirt in der Werkzeugbranche. Holzbearbeitungsmaschinen sind eine Spezialität der Fabrik. Die Schönherr'sche Webstuhlfabrik gehört zu den grössten in ihrer Art. Der Schönherr'sche Webstuhl ist in der Weberei epochemachend gewesen. Grossartige Webfabriken sind: Robert Hösel, Lose, Marbach u. Weigel. Die Actienspinnerei, die grösste Spinnerei Sachsens, zählt 65 000 Spindeln. Die grössten Strumpf- und Handschuhfabriken sind die von Esche, Hecker und Gulden. Strassendampfwagen baut Michaelis. Viele der grösseren Chemnitzer Firmen haben ihre Etablissements in der Umgebung, so die Firmen Clauss und Hauschild. Die Permanente Industrieausstellung von Hermann Findeisen an der Zschopauerstr. gewährt einen umfassenden Ueberblick über die Chemnitzer und erzgeb. Industrie.