Pockau ist Kreuzpunkt der Bahnen nach Olbernhau und Reitzenhain. Uralte slavische Ansiedelung am Zusammenfluss der Flöha und der Pockau. Die Olbernhauer Linie gewinnt durch schluchtige Thalpartien hindurch sehr bald das breite anmuthige Olbernhauer Thal.

Olbernhau. Gerichtsschenke. Hotel Klix. Reichel. Schneiders Gartenrest. 4700 Einw. Marktflecken. Strumpfstuhlbauerei. Spielwaarenfabriken, besonders viele Kinderflinten werden hier gefertigt. Zündholzfabriken. In der Umgebung herrliche Buchenwaldungen. Nach der Königstanne im Kriegwald 5 km. Man geht durch die Vorstadt Rungenstock die Waldstrasse hinauf, bis rechts ein Wegweiser den Reitweg anzeigt, an dem der grösste Tannenbaum in Sachsen steht. Ein Reiter kann sich dahinter verstecken.

Nach dem Bruchberg und dem Sophienstein 5 km. Man geht über den Weiler Pföbe dahin. Vom Bruchberg schöne Blicke auf Olbernhau und das Thal. Vom Sophienstein prächtiges Thalbild auf Brandau, den Schweinitzgrund und Katharinenberg.

Auf einer Strassenwindung mit schönen Blicken auf Olbernhau gelangen wir nach dem Pfaffrodaer Wald und nach Pfaffroda. Ziemlich grosses Schloss, der Familie von Schönberg gehörig. Rüstkammer mit kunstvollen Damenflinten. Im Ahnensaale Bildnisse der Familie von Schönberg. Schöne Familiengruft aus Tharandter Sandstein, von Prof. Heuchler entworfen. Schlossschenke. (Dörnthal mit dem grossen Friedrich-Bennostolln und dem Bergteich, [S. 54].) An der Strasse nach Sayda links der grosse Dittmannsdorfer Bergteich. (Sayda s. [S. 54].) Von hier geht man an dem 730 m hohen Meisenberg vorüber nach Cämmerswalde und Georgenthal-Georgensdorf. (Von hier weiter s. Routennetz.)

Anmerkung. Wer auf Sayda verzichtet, geht von Olbernhau im Flöhathal aufwärts nach Neuhausen-Purschenstein ([S. 53]). Dann nach Rauschenbach und an Neuwernsdorf vorüber. Dieses Dörfchen wurde von böhmischen Exulanten gegründet, die ihre Liebe zur Musik mit herüber brachten. (Stabstrompeter Wagner ist ein geborner Neuwernsdorfer.) Ganze Weglänge 19 km.

31. Chemnitz-Olbernhau (48 km). Grünthal (3 km). Seiffen (8½ km). Bad Einsiedel (3 km). Böhmisch-Einsiedel (2 km). Dorf Kreuzweg (5½ km). Oberleitensdorf (6 km). Ossegg (8 km). Teplitz (10 km).

Bis Olbernhau s. Routennetz. Man geht im gut angebauten Flöhathal an die Grenze nach Grünthal. Auf sächsischer Seite grosses Messingwerk von Lange, welches ehemals Saigerhütte für Kupfer und Münzstätte für Kupfermünzen gewesen. Peter der Grosse besuchte die Hütten auf einer Reise nach Carlsbad, wobei er sich auf einen der grossen Zainhämmer setzte und sich auf und niederschwingen liess. Bad Grünthal mit Schwefelquell liegt gleichfalls auf sächs. Seite. Griesel's Gasthaus über der Grenze ist stark besucht. Nun entweder über Dorf Brandau, das auf vulkanischem Grund liegt, oder an der Schweinitz entlang und am Seiffenbach links hinauf nach

Seiffen. Erbgericht. 1700 Einw. Seiffen ist die Centrale der Spielwaarendörfer Heidelbach, Heidelberg, Neuhausen, Niederseiffenbach und Deutschneudorf. Wer Interesse für die merkwürdige Industrie hegt, der wird in Seiffen die umfassendsten Studien treiben können.

Man findet eine Fachschule und ein damit verbundenes Musterlager. Zuerst besuche man ein Drehwerk, hier drehen die Meister die sogenannten Ringe, welche die Form von Karnisrosetten haben, doch belehrt ein ausgespaltenes Stück sofort, dass es Dutzende von Pferden, Schafen, Elephanten, Affen oder von anderen vierbeinigen Geschöpfen sind. Das Ausschnitzen und Malen geschieht zu Haus und es ist wirklich eine Lust, die emsige Gewerbthätigkeit dieser Leutchen zu beobachten. Es hilft Alles mit, bis zu vierjährigen Kindern herab, pappen, schnitzeln, leimen und malen. Ungeheure Armeen sind von hier aus in die Welt gegangen und haben den kriegerischen Muth der Jugend angefacht. Die Arbeitstheilung ist eine sehr streng durchgeführte, man trifft Greise, die ihr Lebtag nur Franzosen und andere, die nur Preussen gefertigt haben. Die Mannigfaltigkeit ist grossartig; die Lagerkataloge nennen 2000 verschiedene Gegenstände. Der ganze Spielwaarenbezirk fertigt etwa für 1½ Million Thaler Spielwaaren im Jahre.