Vorstehende Tour hat bereits bis Rochlitz Beschreibung gefunden. Von hier mit Bahn direct nach Frohburg oder zu Fuss über das freundliche alte Landstädtchen Geithain. 4000 Einw. Reitergarnison.
Frohburg. Zum Hirschen. (Omnibus am Bahnhof.) 3000 Einw. Im weiten, anmuthigen Wyhrathal gelegen. Weberei. Töpferei. Das Frohburger Schloss mit der bedeutenden Frohburger Herrschaft ist im Besitz des Ministers Freiherrn von Falkenstein, dem Biographen des Königs Johann. Am 3. Mai 1813 beherbergte dasselbe den Kaiser Alexander von Russland, am 16. October desselben Jahres den König Murat von Neapel.
Wir gehen, den Streitwald zur Linken, am alten Schloss Wolftitz vorüber. In der Nähe liegt das Jägerhaus mit Concertsaal und Parkanlagen.
Gnandstein. Das stolze Schloss am Wyhrabach gehört einem Herrn von Einsiedel; es macht auf seinem Porphirfelsen wirklich einen imposanten Eindruck. Die Thore, sowie ein Theil des Parterre sind in Felsen gehauen. Die Schlosskapelle enthält 3 Flügelaltäre, Glasmalereien und mehrere Cranach. Im Familiensaal die Ahnen der Familie v. Einsiedel. Im Schlossarchiv Briefe von Luther, welcher als persönlicher Freund des damaligen Burgherrn Heinr. Hildebrandt von Einsiedel öfter als Gast zu Gnandstein anwesend war. Kurz vor der Mühlberger Schlacht nächtigte hier Kaiser Karl V. Die Gnandsteiner Dorfkirche enthält Luthers Bildniss von Cranach. Die Kanzel ist noch dieselbe, auf welcher Luther mehrfach predigte. Von der gleichen Künstlerhand (Cranach) rührt auch das Familienbild her, welches Heinrich II. von Einsiedel mit neun Söhnen und fünf Töchtern in der bekannten Orgelpfeifengruppirung darstellt. Die Steinbilder um den Altar sind die Ahnen der Familie von Einsiedel.
Kohren. Gasthaus zum Rathskeller. Moosdorfs Gasthaus. 1100 Einw. Wohlhabendes Landstädtchen, schön auf felsiger Anhöhe gelegen. Die Pfarre zu Kohren soll die einträglichste des Landes sein. Hier lebte der Dichter Julius Mosen mehrere Jahre als Actuar bei den Sahliser Gerichten. Die alte Burg Kohren kommt schon 974 urkundlich vor; sie wurde in diesem Jahre auf kaiserlichen Befehl vom Erzstuhl Magdeburg an das Bisthum Merseburg abgetreten. Im 14. Jahrh. gehörte sie den Voigten von Plauen. Man nimmt an, dass Kunz von Kauffungen von hier aus den Prinzenraub unternahm. Die Burg gehörte seinem Schwager Hildebrandt von Meckau und sie lag allerdings seinem Vorhaben bequem. Jetzt sind von der einst sehr umfangreichen Burg nur noch 2 ungeheure Thürme übrig, zwischen denen sich friedliche Wohnstätten eingenistet haben, die sich unter Laubschmuck inmitten der uralten Ruinen höchst malerisch ausnehmen. Im nahen Sahlis Rittergut mit Schloss und Park.
Mit 1 km Umweg gelangen wir nach Rüdigsdorf. Rittergut mit Schlosspark. Gärtnerei, Gewächshäuser mit schönen Eckpavillons. Im östlichen Pavillon Freskogemälde von Schwind. Das Rittergut gehört zu Sahlis. In der kleinen goth. Dorfkirche ein sehr gutes Altargemälde. Glasmalerei. Gellert hat sich mehrfach hier aufgehalten, ein Poetengang, ein Quell und mehrere Ruheplätze nennen sich nach ihm. Durch den Schlosspark gelangen wir nach Vorwerk Linda mit Gasthaus, malerisch am Teich gelegen. Sammelplatz der vornehmen Welt der Umgegend. Oefter Concerte. Wasserpartien auf dem schönen Teiche.
Auf der Strasse nach Penig passiren wir quer das 8 km lange Dorf Langenleuba (3 Gemeinden, die westl. gehört zum Herzogthum Altenburg). 3 km von Langenleuba an einem Strassenkreuz liegt der Zeisig, ein Gasthof mit guter Aussicht auf Penig. (Penig s. [S. 77].) Von Rochsburg nach Burgstädt passirt man zunächst die Mulde. In der Nähe von Rochsburg das Brauseloch und die Amtmannskluft. Ein Weg führt durch Wald und Busch, Hollsdorf rechts und Burkersdorf links lassend, direct nach Burgstädt. Rochsburg siehe [Seite 77].
30. Chemnitz-Pockau (38 km). Olbernhau (10 km). Sayda (11 km). Georgensdorf (9 km). Fley (7 km). Langewiese (5½ km). Ossegg (über die Riesenburg 5 km). Teplitz (10 km).
Die Flöhathallinie zweigt in Flöha von der Hauptlinie Chemnitz-Dresden ab und folgt nunmehr der Flöha über Hohenfichte, wo sich die grosse Hauschild'sche Strickgarnfabrik befindet. Grünhainichen (rechts der Bahn nicht sichtbar). Stattliches Kirchdorf. 2000 Einw. Spielwaarenindustrie. Man fertigt besonders Puppenstuben, Kindertheater, Kaufmannsladen, Küchen etc. Eine Fachgewerbeschule und eine damit verbundene Musterausstellung sorgen für Ausbildung der Spielwaarenarbeiter. Die Besichtigung irgend einer der am Ort befindlichen grossen Niederlagen ist zu empfehlen. Nach einer schönen Thalfahrt mit Buchengruppen taucht rechts Rauenstein auf, ein malerisches, schindelbedachtes Ritterschlösschen. Hinter dem Schlösschen liegt auf der Höhe
Lengefeld. Post. Erbgericht. Sächs. Hof. 3700 Einw. 473 m ü. M. Strumpfwirkerei. Spielwaarenfabrikation. Ueber 300 Webermeister. Grosse Wurstfabrik von Hoflieferant Weber. 3 km entfernt an der Strasse nach Wolkenstein erhebt sich der 680 m hohe Adlerstein. Triangulirungsstation. Guter Aussichtspunkt. In der Nähe an der Strasse nach Pockau grosse königl. Kalkwerke, dankbare Fundgrube für Mineralogen. Wirthshaus. 200 Arbeiter. Intr. ist die Kalksteinförderung aus der Tiefe. Man füllt oben die Hunde mit Wasser, welche die steinbeladenen heraufziehen. Das Wasser läuft unten durch einen Stollen ab. 1 km südöstlich des Adlersteins liegt der 683 m hohe Schletterbauers Knochen, auch Lauterbacher Knochen genannt, welcher viel umfassendere Aussicht auf das Centralgebirge gewährt, wie der halbverwachsene Adlerstein. Ein schöner Touristenpfad, vom Gebirgsverein angelegt, führt ab Lengefeld über Rauenstein und den Heidenstein nach Pockau.