Zöblitz. Hirsch. Stadt Wien. 2300 Einw. 857 m ü. M. Zöblitz ist Sitz einer Actiengesellschaft für Zöblitzer Serpentinsteinindustrie; sie betreibt den Abbau der berühmten Zöblitzer Serpentinsteinbrüche und die Bearbeitung des inter. Gesteins. Der Stein wird gesägt wie Holz und gehobelt, gedreht und polirt wie Eisen. In den Bildhauerwerkstätten arbeiten wirkliche Künstler. Ehemals existirte hier eine Steindrechslerzunft, die 40 Innungsmeister zählte, doch fanden die veralteten Formen ihrer Erzeugnisse keinen Anklang mehr und die Brüche kamen zum Erliegen. Erst die Actiengesellschaft, zu deren Zustandekommen Stadtrath Reitz in Chemnitz besonders beigetragen, hat eine neue und umfassendere Ausbeutung der Schätze ermöglicht. Sehenswerthes Lager. Der Abbau geschieht in Tagebrüchen und auch unterirdisch, eine Anfahrt in den Tunnel ist für Mineralogen besonders interessant. In der Kirche Silbermann'sche Orgel und sehenswerthe ältere Serpentinsteinornamente; auch auf dem Kirchhof finden sich alte originelle Serpentinsteindenkmäler.

Die Serpentinsteinbrüche liegen an unserem Weg nach Ansprung (der Bergrücken von Serpentin heisst die Haardt), wir können sie mithin im Vorübergehen besichtigen; es finden sich darin auch Asbest und Granaten. Von hier nach dem Dörfchen Hüttstadt und hinab in den tiefen Pockaugrund. Einige Häuser nennen sich Hintergrund, dabei Gasthof zum Katzenstein. Wir schreiten die neue Strasse aufwärts und wenn wir die Ringmauer (rechts) passirt, stehen wir unter dem steilen

Katzenstein. Der Thalkessel zeigt die wildeste Gegend des Erzgebirgs. Zwischen der Ringmauer und dem Katzensteinfelsen zeigt ein Wegweiser empor auf die wilde Felsbastei, die man, da sie geländerlos ist, nur mit Schauer betritt. (644 m ü. M.) Gegenüber liegt der finstere Kriegwald, dessen vorderste Bergnase der Rabenberg heisst, auf dem sich einst ein altes Raubnest erhoben. In der Tiefe schäumt die Pockau und zur Linken schliesst die Ringmauer das Bild ab. Auf dem Plateau der Felsbastei grosser Steintisch, auf dem öfter fürstl. Jagdpicknicks abgehalten wurden. Die nahen Felsklüfte dienten als Kellereien.

Anmerkung. Ab Katzenstein lassen sich mehrere Touren machen. Die dankbarste ist die Grüne-Grabentour. Man geht rechts am Berghang hinauf zum Grünen Graben, einem Canal, der durch die felsige Wildniss am Berghang des Pockaugrundes gebahnt worden ist. Man geht an seinem Ufer entlang bis vor Kühnhaide, dann durch dieses weitzerstreute Gebirgsdorf nach Reitzenhain. (10 km.) Reitzenhain 761 m hoch, echtes Gebirgsklima. Wird neuerdings als klimatischer Kurort benutzt. Höchste Eisenbahnstation Sachsens. Auf böhmischer Seite Gasthof zum Malzhaus. Man geht von hier entweder die alte Heerstrasse an einem alten inter. Jagddenkmal vorüber nach Marienberg oder benutzt die Bahn (zu Fuss 12, per Bahn 16 km). Auch ist der Weg nach Satzung nicht ohne Reiz. (5 km). Satzung (844 m ü. M.) ist eines der höchstgelegensten Dörfer Sachsens. Die Bewohner ziehen meist als Handelsleute in die Welt hinaus. Von hier durch Gebirgswald nach Steinbach (3 km), Arnsfeld (4 km), Mauersberg (4 km), Streckenwalde (3 km), Wolkenstein (4 km). Von Reitzenhain nach Kommotau Bahn an dem hochgelegenen Sebastiansberg vorüber 28 km, zu Fuss nur 21 km. Näheres s. Routennetz.

Eine andere Tour ist Katzenstein-Töltzschthal-Olbernhau. Mehrere Waldstrassen führen vom Pockaugrund aus hinauf durch den Kriegwald in das einsame Dorf Rübenau. Bald gewinnen wir das Töltzschthal. Prächtige Thalwanderung über Gabrielenhütten (14 km) nach Olbernhau. Näheres s. Routennetz.

Der Tour treu gehen wir vom Katzenstein nach Pobershau. Sobald wir aus dem Wald treten, schöne Blicke auf die nahen Thäler. Der sichtbare Marienberger Thurm zeigt die Richtung unserer Tour an. Pobershau treibt Bergbau auf Zinn und Silber. Bei Schachtelgünther's erhält man aus einem verlassenen Bergstolln, der einen trefflichen Keller abgiebt, ein sehr frisches Glas Bier. Spielwaarenindustrie.

Weiter über Dorf Gebürge und Dörfel mit hübschen Ausblicken nach

Marienberg. Drei Schwanen. Gold. Krenz. Ross. Restaur. zum Rathskeller, im Bahnhof und bei Oschütz. Am Bahnhof 603 m ü. M. 6200 Einw. Die sehr regelmässig erbaute, höchst freundliche Stadt wurde 1521 von Herzog Heinrich dem Frommen gegründet. Reiche Erzgänge waren in der Gegend aufgefunden worden und noch heut ist der Bergbau nicht ohne Bedeutung. Am Rathhaus hübsches Renaissanceportal. Auf dem schönen lindenbepflanzten Marktplatz ist öfter das Wild zusammengetrieben und vom Kurfürsten Johann Georg von den Fenstern des Rathhauses aus abgeschossen worden. Spitzenklöppelei. Feldbesitz. Lebhafter Grenzverkehr. In der Kirchenbibliothek, die leider eine Zeit lang verwahrlost worden ist, befindet sich ein Manuscript von der Hand Adam Riese's: »Rechnung auff der linien vnd Federn in zal, massen und gewicht«. Am Weg nach dem Bahnhof Kriegerdenkmal. 1873 wurde zu Marienberg eine Unteroffiziersschule errichtet, die stark frequentirt ist.

Wir gehen oder fahren mit Dampf durch den Hüttengrund. Vor der Stadt Zöblitz liegt die Kniebreche, ein vielbesuchtes Wirthshaus, das als Sommerfrische benutzt wird.