Die Strasse steigt nun am Kegelberg hinauf (am Strassenkreuz 600 m ü. M.). Wo sie sich nach Schönfeld hinab senkt, schöne Aussicht auf das Zschopau- und das Sehmathal und auf Annaberg mit dem Pöhlberg. In Schönfeld Gasthaus. Beim Herrenhaus des Rittergutes Anlagen. Das weite grüne Thal ist ein liebliches Idyll. Nachdem der Thalzug am Zusammenfluss der Sehma und der Zschopau passirt, hebt sich die Strasse sehr stark. Von der 596 m hohen Stelle, wo wir die Wolkenstein-Annaberger Strasse erreichen, liegt links 1 km entfernt die Riesenburg, ein Gut, welches ehemals dem Rechenmeister Adam Riese zugehörte.
41. Chemnitz-Geyer (35 km). Elterlein (7 km). Grünhain (4½ km). Schwarzenberg (über den Fürstenberg 8 km).
Von Chemnitz nach Geyer siehe Tour 39. Eine hochgelegene Chaussee führt von Geyer an dem 684 m hohen Fuchsstein und an dem düsteren, mit rostbraunem Wasser gefüllten Grosseteich vorüber nach
Elterlein. Sonne. Rathskeller. 610 m ü. M. 2400 Einw. Nägel- und Blechlöffelfabr. Klöppelei. Gerberei. Hausirhandel. Im Nordwest (3 km) liegt der 763 m hohe Schatzenstein, ein ziemlich isolirter Fels mit umfassender Aussicht auf das ganze Centralgebirge.
Aehnliche Aussicht wie der Schatzenstein gewährt ein Ausläufer des Glasbergs (nur 1 km von der Stadt) und auch schon der Strassentract, der bis 689 m ansteigt und den wir nach Grünhain benutzen.
Grünhain. Rathskeller. Löwe. Rest. zur Klostermühle. An der Kirche 631 m ü. M. 2000 Einw. Klöppelei. Schmiedereien für Fensterbeschläge und Löffel. Blechspielzeug. Correctionsanstalt für Frauen. In der alten Klosterstadt Grünhain hausten bis 1553 Cistercienser, ihr Kloster war 1236 gestiftet. Ausser den Umfassungsmauern sind nur noch karge Ueberreste davon vorhanden, so die unteren Geschosse des Fuchsthurmes. Einiges Gemäuer im Klosterwäldchen erinnert an die ehemalige Klosterkirche. Im Fuchsthurm soll Abt Liberius den Prinzenräuber nach seiner Gefangennahme inhaftirt haben. Der befreite Prinz Albrecht wohnte in der Schösserwohnung. Der Abbruch des Klosters geschah nach der Zerstörung Grünhains 1632 durch General Holke, indem die Bürger die inter. Ruinenstätte als Steinbruch benützten.
Nahe der Stadt im Südwest liegt der 727 m hohe Spiegelwald, einer der besten Aussichtspunkte auf dem nördl. Abdachungsgebiete des Gebirges. Die Section Schwarzenberg des Erzgeb. V. errichtete hier ein Schaugerüst, das durch einen Thurm thunlichst bald ersetzt werden soll. Die Aussicht umfasst den Kamm des Gebirges, mehrere tief eingeschnittene Thalzüge, sämmtliche Höhen des Centralgebirges und die Abdachung bis hinab zum Rochlitzer Berg. König Albert sprach hier gelegentlich einer Königsreise 1880 die denkwürdigen Worte: Möge der Wanderer sich recht oft von dieser Stätte aus der Werke der herrlichen Gottesnatur erfreuen und möge er stets dabei auf ein glückliches und zufriedenes Land schauen.
Anmerkung. Auch die Strassen über Bernbach oder auch über Beierfeld gewähren höchst überraschende Thalbilder. (Schwarzwasserthal.)
Wir gehen nun den Vörtelsweg am Loreleifelsen vorüber nach dem historisch berühmten
Fürstenberg (liegt von Waschleithe nach Haide rechts). Dieser Berg wird als die Stelle bezeichnet, wo am 8. Juli 1455 der Köhler den Prinzen Albrecht befreite und Kunz von Kauffungen gefangen nahm. Ein Granitobelisk über dem Fürstenbrunnen von 9½ m Höhe verewigt die Begebenheit. (1822 errichtet.) Am Fürstenberg wird Marmor gebrochen, den man zu Kalk verwendet. Am südl. Abhang der Graul, der mit seinen Halden und Kauen ein echtes Bergbild darbietet. Im Thal beim Dörfchen Haide liegen die spärlichen Ruinen der Oswaldskirche (Dudelskirche). Die Sage erzählt, ein Bergherr, Casper Klinger, habe sie zur Entsühnung eines Brudermordes erbauen wollen, der Böse sei jedoch dagegen gewesen und habe stets zur Nachtzeit das Aufgemauerte wieder abgebrochen.