Thum. Rathskeller. Thierfelders Rest. Schiesshaus. 3700 Einw. Am Pfarrhaus 512 m ü. M. Strumpfindustrie auf Strickmaschinen. Posamenten. Feldbau. Neben Arsenkies im Glimmer findet man hier ein Mineral, den Thumit, von dem ein zweiter Fundort bis jetzt nicht bekannt ist. In der Nähe der Stadt fand am 25. Jan. 1648 ein lebhaftes Gefecht statt, das letzte des 30-jähr. Krieges auf sächs. Erde. Ein Denkmal an der Strasse nach Ehrenfriedersdorf erinnert daran. Im Volksmund heisst der benachbarte Wiesenzug hinab nach Herold »das Elen«, eine Bezeichnung, die man mit jenem Gefecht in Verbindung bringt, doch scheint es nicht unmöglich, dass sie keltischen Ursprungs ist. Im sog. Hofbusch über dem »Elen« Felsgruppen, die durch Wege zugänglich gemacht sind.

Der directe Weg auf den Greifenstein führt an einigen Bergzechen vorüber, man kann auch die Strasse nach Geyer durch Jahnsbach gehen. Im Wald zeigt links ein Wegweiser hinauf.

Der Greifenstein oder die Greifensteine erheben sich 731 m ü. M., es sind bizarr geformte Granitkegel, die ziemlich unvermittelt auf einem Gneisrücken aufsitzen, sie nähern sich in ihrer Erscheinung den Sandsteinbildungen der Sächs. Schweiz, Quader ruht senkrecht auf Quader, einige hängen sogar über. Zwei sind ersteigbar und oben durch Brücke verbunden. Triangulirungsstat. Am Fuss Gasthaus. Die Aussicht ist auf dem Nordabhang des Erzgebirges die umfassendste. Wir überschauen den Kamm mit dem Fichtel-, Keil- und Hassberg. Näher liegen der Scheibenberg, der Pöhlberg und der Bärenstein. Im Norden liegt der Hohensteiner Kapellenberg, die Wüstenbrander Höhen mit der Kirche des Dorfes, der Rochlitzer Berg, der Kolmberg bei Oschatz und der Hengstberg, auch die Thürme von Oschatz sind sichtbar. Ferner sehen wir die Schlösser Frauenstein, Augustusburg und Sachsenburg, die Städte Oederan, Thum, Schlettau, Annaberg, Scheibenberg, Hohenstein und eine grosse Zahl Dörfer; von Sayda, Marienberg und dem nahen Geyer sind wenigstens die Thürme sichtbar. An den Felsen wächst Leparia Jolinthus, die Veilchenflechte, die durch Anfeuchten wohlriechend wird. In der Nähe Steinbrüche, in denen der Granit zu Werkstücken verarbeitet wird.

Ein hübscher Waldweg führt hinab nach Geyer. Links liegt Walthers Höhe, ein Rest. auf dem 698 m hohen Schlegelberg. Schöne Aussicht auf das Obererzgebirge, doch nicht so umfassend wie vom Greifenstein.

Geyer. Rathhaus. Weisses Ross. 4900 Einw. 494 m ü. M. Posamenten. Strumpfindustrie. Hausirhandel. Der früher blühende Bergbau auf Silber ist ganz zum Erliegen gekommen. (Der Zinnbergbau soll wieder aufgenommen werden.) Am 11. Mai 1802 entstand dicht vor der Stadt eine 40 m tiefe Binge, die grösste nach der Altenberger. (Amethistkrystalle.) Die Geyersche Glocke sprang während des Sturmläutens beim Prinzenraub, worauf sie Friedrich der Sanftmüthige umgiessen und mit der Darstellung des Prinzenraubes schmücken liess. Grosse Brände 1854, 1862 und 63 haben die Stadt fast ganz eingeäschert, daher nur neue Gebäude sichtbar sind. Hübsches Rathhaus.

Wir gehen an der Binge vorüber hinab nach Siebenhöhen zu. (Die alte Spinnerei mit ihren grossen Ecksäulen erbaute Eli Evans, ein Engländer, der sich um Sachsens Baumwollenindustrie Verdienste erworben.) Beim Tanneberger Rittergut links alte Thurmruine von Wasser umgeben. Ueber den Berg am Sauwaldgut vorüber ist der Weg nach Annaberg näher, bequemer geht man im Thale fort. Annaberg s. [S. 91].

40. Chemnitz-Dittersdorf (13½ km). Herold (9 km). Ehrenfriedersdorf (4 km). Annaberg (9½ km).

Bis Dittersdorf siehe Routennetz. Von hier steigt die Strasse (am Dittersdorfer Schloss vorüber) bis zur Weisbacher Schenke, um sich dann ins Wiltzschthal hinabzusenken. Hier liegt Untergelenau (Gasth. zur Katze). Im Herolder Thalzug weiter durch das industrielle Herold (Kalkbrüche) am vielbesuchten Waldschlösschen vorüber.

Ehrenfriedersdorf. Rathskeller. Deutscher Kaiser. Stadtgemeinde von 3900 Einw. Posamenten. Klöppelei. Früher starker Bergbau auf Zinn und Silber, jetzt nur auf Zinn und Arsenkies. Grossartige Halden an dem stark durchwühlten Sauberg zeugen von der Bedeutung des alten Bergbaues (Krystalle). 1568 fand man in einem Schacht die wohlerhaltene Leiche eines Bergmannes, der 1407 verschüttet worden war. Die Reformation war inzwischen eingeführt worden und so beerdigte man den katholischen Bergmann nach luth. Ritus. Das Andenken an diese lange Schicht wird alljährlich Montag nach Ostern durch eine bergmännisch-kirchliche Feier wach erhalten. Die Stadt ist nach dem Brande 1866 fast neu erbaut worden.