Beide Berge, Fichtel- und Keilberg, ergänzten sich früher, als noch der Thurm auf letzterem nicht abgebrannt war. Der Norden ist zwar durch den Fichtelberg gedeckt, dafür liegt aber der Süden um so freier. Das Egerthal auf viele Meilen, das Fichtelgebirge, das Karlsbader und Duppauer Gebirge, der ferne Böhmerwald, das Teplitzer Mittelgebirge, die Ebene von Saaz, der lange Kammrücken des Gebirges selbst, die colossalen Waldregionen im Westen und das östl. Erzgebirge waren sichtbar. In südöstlicher Richtung sah man die Hauensteine, die als nächstes Ziel galten. Am Weg nach den Hauensteinen, die noch heute eine herrliche Fernsicht gewähren, liegt an der Strasse Gottesgabe-Kupferberg der sogen. Reitförster mit einem Mauthhaus, in welchem auch Schank betrieben wird. (Man nennt die Hauensteine auch Wirbelsteine.) Die Felsengruppe ist unschwer zu finden; man besteige die südöstl. Ecke, welche die gleichen Gegenden wie der Keilberg zeigt, nur sind die Landschaftsbilder abgeschlossener, wenn auch bei Weitem nicht so umfassende. Man geht von hier über Hitmesgrün nach Schloss Hauenstein hinab (5 km). Mit Führer lässt sich von den Hauensteinen eine inter. Tour über Bocksgrün nach der Ruine Himmelstein unternehmen. Man berührt dabei das sogenannte steinerne Meer. Groteske, subalpine Naturbilder.
Zum Schluss sei der Keilberg, der vornehmste Aussichtspunkt des Erzgebirges, den sächsischen wie den böhmischen Gebirgsvereinen für das Erzgebirge zur erneuerten Aufschliessung dringend empfohlen![2]
Von Gottesgabe nach Joachimsthal senkt sich die Strasse rasch. Die Ebereschen, die Wahrzeichen rauher Höhen, werden schon hier und da von Rosskastanien abgelöst.
Joachimsthal. Stadt Dresden. Wilder Mann. 6000 Einw. 721 m ü. M. Die Stadt liegt trotz ihrer Höhe mild, da das Thal nach Süden offen ist. Nicht unbedeutender Bergbau auf Uran- und Silbererze, deren jährlicher Werth sich auf 80 000 resp. 17 000 fl. beläuft und die sämmtlich in Freiberg zur Verhüttung gelangen. Grosse k. k. Cigarrenfabrik, welche 700 Personen beschäftigt und gegen 10 000 Ctr. Tabake verarbeitet. Klöppelei. Handschuhfabriken. Korkschneiderei.
Joachimsthal war einst ein Hort der Reformation. Mathesius lebte hier als Pfarrer, Melanchthon besuchte zum Oefteren die Bergstadt, wobei die Joachimsthaler Lateinschüler classische Komödien vor ihm aufführten. Die Thaler, die sich trotz der Mark hartnäckig behaupten, verdanken ihren Namen der Stadt; sie hiessen früher Jochimsthaler. In der Nähe der Stadt liegt die Burg Freudenstein, wo einst die Grafen Schlick »freudige Residenz« hielten. Am 31. März 1873 suchte ein furchtbarer Brand die Stadt heim, der auch die alte sehr inter. Bergkirche in Asche legte und werthvolle Gemälde von Kranach und Dürer mit verzehrte. Die Kirchenbibliothek mit künstlerisch ausgeführten Incunabeln wurde gerettet. Seit dieser Zeit ist die Stadt zum grössten Theile neu erstanden. Der böhm. Dichter Ritter von Hansgirg lebte hier als Bezirkshauptmann. (1877 verstorben.) Man besuche das idyllische Grab dieses edlen Humanisten und trefflichen Poeten.
Die Strasse verlässt das Gebirge unterhalb Joachimsthal, ohne umfassende Blicke auf Böhmen gewährt zu haben. Schlackenwerth und weiter s. [S. 98].
39. Chemnitz-Burkhardsdorf (über Harthau 13 km, per Bahn 19½ km). Thum (8 km). Greifenstein (3½ km). Geyer (4 km). Annaberg (8½ km).
Bis Burkhardsdorf siehe Routennetz. Ab Burkersdorf steigt die Strasse energisch und erreicht am Gelenauer Gasthof 609 m Seehöhe. Gelenau, das wir nur im oberen Theile berühren, zählt 6000 Einw. Spitzenklöppelei, Strumpfwirkerei. Am Forsthaus an der Strasse schöne Fernsicht hinauf nach dem Obererzgebirge und auf den nahen Greifenstein.