Der Weiterweg führt uns durch das 4 km lange Brunnersdorf. (An der Kirche Fischer's Gasth.) Bahnstat.

Kaaden an der Eger. Sonne. Grüner Baum. Zur Klosterbrauerei. 5000 Einw. Uralte Stadt von schönen Anlagen umgeben. Franziskaner- und Ursulinerinnenkloster. Man besichtige das alte Rathhaus mit seinen Lauben und das sehr alte Stadtthor. Reiche Ackerbaugegend, wohlhabende Bevölkerung.

Ein schöner Fussweg führt der Eger entlang hinauf nach Klösterle. Unterwegs liegt Roschwitz (Fähre. Ruine Leskau). Näheres siehe unter Klösterle.

38. Chemnitz-Annaberg (53 km). Oberwiesenthal (20 km). Gottesgab (4 km). Joachimsthal (6 km). Schlackenwerth (6 km). Karlsbad (12 km).

Bis Annaberg und Cranzahl s. Tour 35. Von hier an der Sehma aufwärts nach Neudorf. Gasth. unfern der Kirche. Bei der obersten Mühle geht der sogenannte Vierensteig ab. (Die Forstabtheilung ist Nr. 4.) Dunkle Waldungen nehmen uns auf. Starke Steigung. An der höchsten Stelle der Strasse treten wir plötzlich ins Freie. Hier links die Rothe Vorwerk-Schenke, rechts führt eine Waldschneusse direct hinauf zum Thurm des Fichtelberges. Wer sich noch frisch fühlt, benutze die einmal gewonnene Höhe, denn Wiesenthal liegt vom Fichtelbergthurm entfernter.

Oberwiesenthal. 918 m ü. M. Deutscher Kaiser. Rathhaus. Stadt Karlsbad. 2000 Einw. Unterwiesenthal 900 Einw. Böhmisch Wiesenthal 1000 Einw. Alle drei aneinander liegenden Orte besitzen Stadtgerechtigkeit. Oberwiesenthal, das 1851, 62 und 77 von starken Bränden heimgesucht wurde, ist fast neuerbaut. Stattliche Kirche. Posamenten. Stecknadelfabrikation. Klöppelei feiner Spitzen. Oberwiesenthal ist die höchste Stadt in Sachsen und im Reich. Näheres siehe des Verfassers Aufsatz Gartenlaube 1879 Nr. 11.

Der Fichtelberg. Sachsens höchster Berg erhebt sich 1213 m ü. M. (mit Thurm 1220 m), ist mithin 56 m höher wie der Brocken. Zu seinen Füssen liegt Wiesenthal im Pöhlthal und auf der anderen Seite das einsame Dorf Tellerhäuser. Der Thurm ist auch ohne Schlüssel besteigbar, da die Treppe dankenswerther Weise aussen angebracht ist. Die Ausschau auf die nördliche Abdachung des Gebirges ist fast unbeschränkt. Die Grenzen bilden das Fichtelgebirge bei Waldsassen, die Thüringer Vorberge, die Hohburger Schweiz bei Wurzen, im Nord-Osten liegen die Höhen des östl. Erzgebirgs und im Osten und Südosten taucht das Mittelgebirge mit dem Millischauer auf. Der Süden ist leider von dem mächtigen Rivalen Keilberg gedeckt. Frei aber liegt so ziemlich der ganze Kamm des Erzgebirgs mit seinen gewaltigen Bastionen. Der Doppelrücken des Berges, ehedem ganz kahl, ist mit ungeheueren Mühen wieder beforstet worden; freilich sind viele der kleinen Bäumchen schon über 20 Jahre alt. An den Gehängen des Berges entspringt die Zschopau, das Schwarzwasser, die Sehma und die Pöhl. Gasthaus mit meteorologischer Stat. wie auf dem Brocken wäre höchst wünschenswerth.

Wer nach Gottesgabe will, steigt am südlichen Gehäng nieder nach dem Neuen Haus an der Strasse Oberwiesenthal-Gottesgab. Dasselbe liegt 1092 m ü. M. und unfern der Grenze. Es nennt sich jetzt Gasthaus am Fichtelberg und sein Besitzer wurde dem König Albert gelegentlich einer Königsreise als »allerhöchster Unterthan« vorgestellt.

Gottesgab. Zum grünen Baum. 1700 Einw. Spitzenklöppelei. Tüllnäherei. Damenschuhstickerei auf Glanz- und Saffianleder. Gottesgabe entsendet viele der bekannten böhm. Musikanten auf Messen und Jahrmärkte, es ist die höchste Stadt Böhmens (erst seit 1547 böhmisch geworden) und liegt in überaus rauher Lage, welche selbst Hafer- und Kartoffelbau häufig unmöglich macht.

Anmerkung. Der höchste Berg des Erzgebirgs, der 1238 m hohe Keilberg, ist gegenwärtig verwachsen. Von dem Thurme, der sich einst hier erhoben, stehen nur noch die Grundmauern, der Holzbau ist von böswilliger Hand in Asche gelegt worden. Eine Besteigung lohnt sich mithin vorläufig nicht. Für den Fall, dass der grossartige Aussichtspunkt wieder der Touristik zu Diensten gestellt wird, sei folgende Tour in Vorschlag gebracht: Man geht vom Weissen Haus oder von Gottesgabe aus auf die Sonnenwirbelhäuser, welche 1134 m hoch liegen und die höchste Ansiedelung in Böhmen und im Erzgebirge sind. (Rothe Nasenspitzen sind hier selbst im Hochsommer nichts Seltenes.) Von hier zum Gipfel des Keilbergs 3½ km.