Die Weiterfahrt zeigt uns rechts den Rösselberg und den Brüxer Schlossberg.
Brüx. Ross. Hotel Burkhardt. Gutes Rest. im Bahnhof. Am Schlossberg beim Felgenhauer. Brüx ist eines des reichsten Gemeinwesen, es liegt am Knotenpunkt von 3 Bahnen und zählt gegen 8000 Einw., Land-, Kohlenfelder- und Waldbesitz. Zahlreiche Kirchen überragen die Stadt, welche drei Klöster beherbergt. Schöne Märkte, anmuthige Promenaden. Inter. altes Rathhaus. 4 km von der Stadt auf städtischem Gebiet brach 1877 ein neuer, warmer (20° R.) Sprudel hervor, der den Emser Wässern nahe kommen soll, ohne dass er bis jetzt hygienisch sehr ausgenutzt worden wäre. Lohnende, aussichtreiche Ausflüge nach dem Schloss- und Rösselberg und auf die vulkanischen Bergkegel gegen Bilin hin. (Touristisch noch wenig beachtet.)
Auf der Weiterfahrt durchschneiden wir die grossen Kohlenfelder. Rechts zeigt sich der seltsame Borcen, links Kloster Ossegg. Weiteres siehe Routennetz.
37. Chemnitz-Annaberg (53 km). Jöhstadt (11 km). Pressnitz (6½ km). Sonnenberg (8 km). Ruine Hassenstein (4 km). Kaaden (7 km). Klösterle (7 km). Schlackenwerth (23 km). Karlsbad (12 km).
Bis Annaberg siehe Tour 35. Mit der Wanderung von hier ab nach Königswalde lässt sich ein Besuch des Pöhlbergs verbinden. Nachdem wir das lange Königswalde passirt, steigt die Strasse auf das Kammplateau hinauf. (Vor Jöhstadt am Schiesshaus liegt die Strasse 807 m hoch.)
Jöhstadt. Stadt Leipzig. Stadt Prag. 2300 Einw. 789 m ü. M. Die Stadt hiess eigentlich Josephsstadt, sie ist eine jener 4 Bergstädte, die ihre Namen der heiligen Familie entlehnten. (Marienberg, Annaberg, Joachimsthal und Josephsstadt; Anna und Joachim waren bekanntlich Christi Grosseltern.) Spitzenklöppelei. Posamenten. Weisswaaren. Fabrikation künstlicher Blumen. Jöhstadt ist Wohnsitz einer grossen Zahl Hausirer. Zu Jöhstadt ward der Theolog und Dichter frommer Lieder, Johann Andreas Kramer geboren, der 1788 als Kanzler der Universität Kiel verstarb. Die Stadt, fast neu erbaut, macht einen freundlichen Eindruck, liegt aber auf unwirthlicher Höhe.
Weiter führt der Weg über Dürrenberg und Hegerhaus nach Pressnitz am finsteren basaltischen Hassberg vorüber. Der Kegel erhebt sich 990 m ü. M. und gewährt, seit er mehr abgeholzt ist, umfassende Blicke auf das ganze Centralgebirge vom Keilberg herab bis zu der norddeutschen Tiefebene. Das Kammplateau liegt auf eine weite Strecke frei vor dem Beschauer, leider deckt es das nahe böhmische Tiefland. Zeitaufwand 1½ bis 2 Std. Führer unnöthig.
Pressnitz. Zum Herrenhaus. Rössel. Thierfelders Rest. Am Markt das grössere Gebäude heisst das Schlösschen und gehört zur Herrschaft Pressnitz. Die Stadt ist Wohnsitz jener fahrenden Völkchen, welche mit Geige, Harfe und Guitarre aller Herren Länder durchziehen und die ihre Volksgesänge ertönen lassen im weiten Morgenlande wie auch im fernen Westen, bis in die Minenregionen Nevadas hinaus. Am häufigsten gehen sie nach Russland und in die Türkei. Die Pressnitzer sind ein gar gewecktes Völkchen von vieler Weltkenntniss; sie bilden Gruppen und ziehen unter einem Führer, der bei der Theilung der ersungenen Kupferschätze gewöhnlich für zwei gilt, hinaus, sie halten fest zusammen, sind verträglich und rivalisiren auch in ihren Kunstleistungen nicht mit einander, was freilich ihrer Kunst nicht sonderlich förderlich ist.
Das nahe Reischdorf, das wir nun passiren, zählt 2500 Einw., darunter viele Handelsleute. Das ehemals bedeutende Grossfuhrwerk ist seit Einführung der Eisenbahnen sehr zurückgegangen. Man erzählt sich von den unternehmenden Reischdörfern im Gebirg viel lustige Schwänke. Am Weg nach Sonneberg liegt der 908 m hohe Reischberg. (Sonneberg s. oben.) Von hier gehen wir über Dorf Platz nach der
Ruine Hassenstein, die grossartigste Ruine im Erzgebirge; sie soll auf einer alten heidnischen Opferstätte liegen. Hassenstein gehörte im 14. Jahrh. einem sächs. Edelmanne aus dem Geschlecht der Schönberge, welcher durch eine Verschwörung gegen Wenzel IV., wie böhm. Chroniken berichten, des Besitzes verlustig ging. Ein Nicolaus von Lobkowitz, der mit Vertreibung Schönbergs beauftragt war, erhielt die Burg zu Lohn und Lehn. Colossale Mauern und Thürme, grosse verfallene Burghöfe, alte Architekturstücke in Fenstern und Thüren und eine reizende Lage machen Hassenstein zu einer höchst inter. Ruinenstätte im Böhmerland.