Cafés. Café Germania (sehr grossstädtisch). Café Carola. Adam. Buschbeck. Stephan. Metzner's Weinstube. Stadttheater im Gewandhaus. Victoriatheater im deutschen Kaiser.
Omnibus vom Bahnhof 20 Pf., nach Kainsdorf 20 Pf.
35 135 Einw. 267 m ü. M. Die »Schwanenstadt« liegt im Muldenthal, dessen rechtsseitige Gehänge steil sind und dadurch der Landschaft besondere Anmuth verleihen; Zwickau ist Kreishauptstadt und Sitz eines Appellationsgerichts; ihre hohe wirthschaftliche Bedeutung verdankt sie in der Hauptsache den vortrefflichen Kohlenflötzen, welche sich in der Vorzeit hinter dem Durchbruch der Mulde durch das Gebirge abgelagert haben. Das Gemeinwesen besitzt selbst Kohlenwerke und ist dadurch ein sehr wohlhabendes geworden. Die Mächtigkeit der Flötze steigt bis zu 24 m und auf sie stützt sich die grossartige Industrie im ganzen westl. Sachsen. In Zwickau selbst sind neben dem Bergbau zahllose Etablissements, darunter Ziegeleien, Koaxbrennereien, Maschinenfabriken, Giessereien, Porzellan-, Papier- und Glasfabriken entstanden, die der Kohlen halber hier Boden fassten. Man fördert gegenwärtig circa 42 Millionen Centner im Jahr. Die Schachttiefen reichen bis zu 760 m. 5000 Pferdekräfte im Dampf, 400 Beamte und 9000 Bergleute halten die Schächte im Betrieb. Gegen 60 Kohlenzüge verlassen täglich den Zwickauer Bahnhof, dessen Gleisanlagen mehrere deutsche Meilen lang sein würden, wenn sie nicht nebeneinander lägen.
Geschichtliches. Zwickau ist eine sehr alte sorbische Ansiedlung. (Zwickowa.) 1118 erhielt es die Gräfin Bertha von Groitzsch zu Lehen, von dieser vererbte es auf ein Mitglied der Fürstenfamilie Wettin. 1290 ward die Stadt reichsunmittelbar. 1348 gelangte sie abermals in den Besitz der meissnischen Markgrafen. Als der Schneeberger Bergbau in Aufnahme kam, wurden die Erze von dort zumeist in Zwickau verhüttet, auch betheiligten sich Zwickauer Bürger an den Silberbergwerken und gelangten zu grossem Reichthum. 1520 bis 22 lebte Thomas Münzer hier als Pfarrer, und Luther selbst musste herbei, um die durch den »Schwarmgeist« erregte Menge zu beruhigen. Im 30jähr. Krieg sank die Stadt von 10 000 Einw. auf 4000 herab und sie blieb bis vor circa 60 Jahren unbedeutend, bis das Zeitalter der Dampfkessel hereinbrach und den Werth der »Schwarzen Diamanten« und damit die Bedeutung Zwickau so ausserordentlich steigerte.
Sehenswürdigkeiten. Die gothische Marienkirche, schon 1118 fertig gestellt, ist wiederholt abgebrannt, so dass verschiedene Jahrhunderte sich daran versucht und sich zum Theil versündigt haben. Von den 24 Altären aus der Zeit vor der Reformation ist nur einer übrig, ein sehr schöner Flügelaltar mit Gemälden und Schnitzereien aus der Wohlgemuth'schen Schule. In der Taufhalle ein Kranach. Inter. Glasmalereien in dem Erbbegräbniss der Familie von Bose. In der Sakristei kunstvoll geschnitztes heiliges Grab von Veit Stoss (1507). Ferner originelle Doppeltreppe von Stein. Unter den älteren Grabmälern verdient das des Bergherrn Martin Römer Beachtung. In der sogenannten Götzenkammer neben der Orgel (eine Art Alterthumskabinet) mancherlei Sehenswerthes.
Die goth. Katharinenkirche besitzt gleichfalls Kranach'sche Bilder. Alterthümliche Bauten sind das Rathhaus und Gewandhaus, sowie das Gymnasium mit sehenswerther Aula. (Grosse Bibliothek, 20 000 Bände, 1857 entdeckte man eine Hans Sachs'sche Handschrift seiner Gedichte, ferner liegt hier werthvolles Material für die Reformationsgeschichte aufgestapelt, das der Hebung harrt.)
Die Richterstiftung, innere Dresdner Str. 2, besitzt eine reiche Sammlung einheimischer Mineralien, darunter seltene Versteinerungen aus den Zwickauer Kohlenflötzen. Sonntags geöffnet von 11–½1 Uhr. Im Kunstvereinsgebäude, Marienkirchhof 2, kunstgewerbliche Sammlungen. In den oberen Sälen Oelgemälde, Kupfer- und Stahlstiche. Eintritt 50 Pf. sofern man nicht durch Mitglieder eingeführt wird. Das hübsche Kriegerdenkmal steht vor dem Gymnasium; am Markt 5 ein Medaillonbild Robert Schumanns, des Componisten, der in diesem Hause geboren ward. Das Medaillonportrait Dr. Ungers am Kreiskrankenstift entwarf Prof. Johannes Schilling.
Das alte Schloss Osterstein ist als Landesgefängniss eingerichtet, es beherbergt etwa 1500 Correctionäre und ist darum schwer zugänglich.
Spaziergänge. Die alten Festungswälle rings um die Stadt sind in schöne Anlagen umgewandelt worden. Der schönste Spaziergang ist indess derjenige nach dem Schwanenteich und Schwanenschlösschen. Der Teich hält 17 Hectare Grundfläche, ist mit herrlichen Anlagen umgeben, von vielen eleganten Gondeln und sogar von einem kleinen Dampfboot, wie auch von einer grossen Zahl fremder und einheimischer Wasservögel belebt. Vom hochgelegenen Schwanenschlösschen schöne Aussicht auf Stadt und Umgebung.
Ferner sind zu nennen: Promenade am rechten Muldenufer bis zur Pölbitzer Brauerei (3½ km). Nach dem Windberg an der Strasse nach Werdau (349 m). Schöner Blick auf Stadt und Umgebung. Nach Bellevue und Pöhlau. Nach der Heringsbrauerei, rechts an der Mulde gelegen (nur 1½ km). Nach den Bergkellern, dann durch den Amselgrund nach Eckersbach. Hier hübsche Anlagen und das Trillergut, das der wackere Köhler Triller vom Landesherrn als Freigut für die Rettung des Prinzen Albrecht erhielt. Zurück geht man über den 335 m hohen Brückenberg. (Hin und zurück 5 km.)