Die Stadt liegt dicht unter dem Hausberg, der mit seinem schmalgratigen Rücken wie ein Hausdach geformt ist und davon seinen Namen erhalten hat. Oben prächtige Ausblicke auf die reichgeformte Umgebung. Spuren eines alten Schlosses. An das Regierungsjubiläum des öster. Kaisers Franz Joseph (18. Aug. 1873) erinnert ein Denkmal auf dem Berge. Den eisernen Pavillon, von dem man besonders schöne Ausblicke geniessen kann, errichtete der berühmte Industrielle Joseph Ritter von Dozauer, der zu Grasslitz geboren ward. Im Thalgrund am Fusse des Hausberges 1 km von Grasslitz liegt die idyllische Reimermühle, ein Sommerrestaurant.

Nach Klingenthal führt die Strasse im Zwotathal entlang. Die Eisenbahn, die hier nur eine Lücke von wenigen Kilometern aufweist, hat leider noch keinen Anschluss finden können, so dass die Verbindung Klingenthals mit Mariakulm und Eger oder nach Karlsbad hin durch die kurze Strecke schon seit Jahren unterbrochen geblieben ist.

Klingenthal. Zum Hirsch. Altes Schloss. Rest. zur Post. Ueber der Grenze auf böhmischer Seite liegt »Die Hacke«, ein vielbesuchtes Rest. 3000 Einw. Am Schulhaus 576 m ü. M. Die Stadt, sehr anmuthig im Zwotathal gelegen, ist ein Hauptort der Instrumentenfabrikation und baut vorzugsweise Akordions, Concertinos, Mund- und Ziehharmonikas. Man besuche eines der Lager der Firmen Herold oder Dörfel und Steinfelser. Man sieht hier die Ausstattung ganz dem Geschmack der verschiedensten Völkerrassen angepasst, für welche die Instrumente berechnet sind. Man malt hier chinesisch und malaiisch, und wenn es sein muss, auch tumpuktunisch. Die Herstellung wird durch strengste Arbeitsteilung verbilligt und vereinfacht, man trifft z. B. alte Männer, die ihr Leben lang nichts als Geigenwirbel gedreht haben. Man baut Geigen bis herab zu 2 Mark das Stück und Dudelsäcke bis zu 18 Pfg. Die Industrie ist durch böhmische Exulanten nach dem 30-jähr. Kriege hier eingeführt worden. Weissstickerei wird in Klingenthal gleichfalls betrieben.

Nun durch einsame Waldgegend am 800 m hohen Ursprungberg vorüber nach Ursprung und Stein und nach dem

Hohen Stein. 767 m ü. M. Im Sommer fliegendes Restaurant. Den Gipfel bildet ein sehr harter, zerrissener, pittoresker Schieferfels. Man übersieht das weite, reiche Egerland mit Eger und Franzensbad, das böhmische Mittelgebirge, das hier mächtig, wie ein geschlossener Jurawall, aufsteigt, und das Fichtelgebirge. Besonders anmuthig und malerisch ist der Ausblick nach Erlbach und Markneukirchen hin.

Jetzt stark bergab nach Erlbach, wo man ebenfalls, wie in Markneukirchen, Musikinstrumente fabricirt, und dann nach

Markneukirchen. Rathskeller. Krone. Post. Rest. zum Schützenhaus. Paradies. Die Stadt liegt freundlich im muldenförmigen Schwarzbachthale. 5400 Einw. 504 m ü. M. Die Industrie Markneukirchens ist einzig und grossartig in ihrer Art, man fertigt alle nur erdenkbaren Musikinstrumente und Darmsaiten. Die grössten Firmen sind R. Schuster und Paulus & Schuster. Diese Industrie, die nur an wenigen Orten der Erde ihre sang- und klangfröhlichen Werkstätten aufgeschlagen, ist im hohen Grade sehenswerth, sie beruht auf strenger Arbeitsteilung, wodurch Billigkeit und Accuratesse zugleich erzielt wird.

Unter den Klängen der Markneukirchner Posaunen, Pauken, Trompeten, Schellenbäume, Hörner und Trommeln schlugen unsere Armeen die grossen Schlachten in Frankreich, verzweiflungsvoll warfen sich unter denselben Tönen die gallischen Volksheere dem eisernen und ruhig vordringenden Sieger entgegen, völkerverschlingend marschirten die russischen Colonnen unter ihnen nach Innerasien und vor Constantinopel, sie umrauschen das Sternenbanner der Union, und in allen Welttheilen lässt der englische Musikus sein mächtiges, feierliches »God save the Queen« aus Markneukirchner Instrumenten ertönen, gleichviel, ob der Frosthauch von Canada die glänzenden Flächen trübt oder ob die indische Sonne sich brennend in ihnen widerspiegelt.

Die Markneukirchener Violinen, Bassgeigen, Trompetinen, Violoncellos, Banjos, Philomelen, Metronomen, Becken, Cinellen, Triangeln, Glockenspiele, Lyras, Bratschen, Clarinetten, Oboeen, Fagotts, Flöten, Piccolos, Flageolets und Concerthörner erfreuen die Concertliebhaber aller Nationen oder fordern diese zu ihren Nationaltänzen auf. Die indische Bajadere bewegt den geschmeidigen Körper nach dem weissgaren Fell eines Kalbes, das in der Nähe Markneukirchens das Licht der Welt erblickte, und nach den süssen Klängen der Guitarren, Zithern, Lauten, Mandolinen und Harfen girrt das verliebte junge Volk aller Rassen. Wie ein ungarischer Wald von Singvögeln, so ist Markneukirchen von Musikern belebt. In allen Häusern und in allen Tonarten wird probirt und musicirt.