Die Eisenbahnfahrt nach Reichenbach zeigt uns rechts Schloss Steinpleis und links Schloss Schönfels. Hinter Steinpleis Blick rechts auf Werdau (12 000 Einw. Wollenwebereien, Tuchfabriken, Vicognespinnerei).

Reichenbach. Zum Lamm. Engel. Deutscher Kaiser. Turnhalle mit Concertgarten. Rathskeller. Bellevue. Kesslers Rest. 16 500 Einw. Am Bahnhof 401 m ü. M. Reichenbach zählt zu den gewerbthätigsten Städten des industriellen Voigtlandes. Wollenspinnerei, Weberei von Merinos, Thibets, Flanellen und mit Fransen umsäumten Wollentüchern. 1697 ward hier Caroline Neuberin geboren, welche den Hanswurst von der deutschen Bühne austrieb, der jetzt, wenn auch in modernisirter Auflage, wieder eingezogen ist. Neuer schöner Centralbahnhof. In der Peter-Paulkirche Silbermannsche Orgel. An der Realschule stattliches Kriegerdenkmal, eine Victoria mit Siegeskranz und Friedenspalme. Der voigtländische Verein für Naturkunde hat im alten Gerichtsgebäude ein sehenswerthes naturhistorisches Museum aufgestellt.

Reichenbachs an sich schon hübsche Umgebung ist besonders interessant durch die Göltzschthalbrücke, einem der grossartigsten Eisenbahnviaducte auf dem Continent. Man geht dahin direct über Mylau (3 km).

Mylau an der Göltzsch. Reichsadler. Zur Quelle. Löwe. Restaur. sind: Rathskeller, Schützenhaus und Trinkhalle. 4900 Einw. 304 m ü. M. Mylau betreibt die gleichen Industrien, wie seine Nachbarstadt Reichenbach. Ein altes kaiserliches Jagdschloss, in dem Kaiser Karl IV. öfter eingesprochen, dient jetzt gewerblichen Zwecken (Wolldruckerei). Der hintere Hof führt noch heute den Namen »Der Kaiserhof«.

Die Göltzschthalbrücke, 1½ km unterhalb Mylaus bringt den grossartigsten Eindruck hervor, wenn wir dicht an ihren Pfeilern stehen; sie wurde vom Major Wilke entworfen und ist, wie schon angedeutet, eines der kühnsten und grandiosesten Bauwerke unseres Zeitalters. Höhe 77 m. Länge 574 m. Der mittlere Bogen hält 84 m Spannweite. Baukosten 7 Millionen Mark. An Ziegeln fanden 20 Millionen Stück Verwendung. Die Brücke würde heut, da man der Billigkeit wegen die Curven liebt, nicht mehr erbaut werden, obwohl sie sich durch Abkürzung des Tractes reichlich verzinsen soll. Erbaut von 1846 bis 1851.

Anmerkung. Wer direct nach Greiz will, wandere im schönen Göltzschthal entlang. Der Fluss bildet die Grenze zwischen Sachsen und Reuss. Wir gehen am linken Ufer unter der Brücke durch bis vor die Winkelmann'sche Fabrik, hier auf dem Steg zum rechten Ufer unfern der Einmündung des Friesenbachs. Hier nicht rechts gehen, sondern über die Höhe zur Schwarzhammermühle und über die Brücke. Nunmehr bleiben wir am linken Ufer bis an die Einmündung der Göltzsch in die Elster. Rechts der Elster liegt der Papiermühlenfelsen mit der »Schönen Aussicht«, vom Greizer Verschönerungsverein zugänglich gemacht. Auf diesem Wege von der Göltzschthalbrücke bis Greiz 8 km. Bei der Schwarzhammermühle kann man auch rechts hinauf über Irschwitz nach Greiz gehen. (Dann nur 6 km bis Greiz.) Greiz s. [S. 144].

Der Tour treu passiren wir mit der Bahn die Göltzschthalbrücke. Man setzt sich der Thalblicke wegen am Besten auf die rechte Seite, links liegt noch ein Gleis zwischen dem Brückengeländer und dem Waggon.

Netzschkau. Pinks Gasthaus. Löwe. Bair. Hof. Rest. zur Bleibe. Rathskeller. Singer. Schlosskeller. Bahnhofsrest. mit Garten. 3800 Einw. 348 m ü. M. Weberei von Kattun und Futtermusselin. Schönburgisches Schloss mit neuangelegtem Park. Im Südwest der Stadt, 3 km entfernt, liegt der 512 m hohe Kühberg, eine Triangulirungsstation, von der man das Voigtland mit seinen einrahmenden Höhenzügen überschauen kann. Man geht dann gleich über Reimersgrün nach Herlasgrün an die Eisenbahn.

Die Bahn umgeht in weitem Bogen den Kühberg und berührt die Dörfer Limbach, Herlasgrün (Kreuzpunkt) und Ruppertsgrün.

In Joketa verlassen wir die Bahn. (Gasthaus.) Die Elsterthalbrücke bei Joketa ist zwar nur 280 m lang und 68 m hoch, doch erscheint sie, durch eine sehr romantische Umgebung gehoben, fast imposanter wie die Göltzschthalbrücke. Man kann nach dem mittleren Bogen in der ersten Etage gehen; hier macht das Bauwerk einen überwältigenden Eindruck, dazu kommt in der Tiefe der frische Bergstrom, die Elster, und die prächtigen Thalgehänge. (Die Bahn unter der Brücke hindurch verbindet Plauen mit Greiz.) Die Bauzeit der Brücke (1846–51) fällt mit derjenigen der Göltzschthalbrücke zusammen. Die Namen der Erbauer, Wilke und Kell, finden sich an den Pfeilern verewigt.