Der Mensch ist zur Nachahmung geneigt, und es ist eine bekannte Bemerkung, daß man das in seinem Hause im Kleinen einführt, was im Staat im Großen gäng und gebe ist; das Haus pflegt ein Miniaturstück des Staates zu seyn. Wenn aber gleich in despotischen Staaten der Despotismus auch in Privathäusern wüthet, und um so mehr mit gutem Bedachte wüthen zu müssen das Ansehen gewinnt, da größere Freiheit der Weiber dem Staat unüberwindliche Nachtheile zuziehen, und dieses Geschlecht, geboren der Natur getreu zu seyn, alles jene unnatürliche Wesen der Despotie an die gehörige Stelle und den rechtmäßigen Ort bringen würde; so ist doch auch in Republiken das schöne Geschlecht noch nie zu einem anständigen Grade von Besitz seiner Rechte gediehen — Zwar gewinnt es dort durch mindere Pracht; allein eben dieser Gewinn lehret die Herren Staats-Repräsentanten aufs Wort merken. Die Weiber spielen ein etwas ernsthafteres Spiel, als in Despotie und Monarchie; aber man erlaubt ihnen nicht, dieses Ziel zu überschreiten: ihre anscheinenden Vorzüge sind avanturirt (erabentheuert) — Es bleibt Spiel was sie treiben — Ihr Tichten und Trachten sind Kleinigkeiten von Jugend auf und immerdar; und, was noch ärger ist — der widernatürlich zusammengeordnete Putz entstellt die natürliche Schöne des Körpers so sehr, daß die Frage der Gemahlin des Kaisers von Marokko, an die geputzte Frau des Holländischen Consuls: bist du das Alles selbst? — oft ihr Glück versuchen könnte.

In der Aristokratie sind die Herren Aristokraten zum Neide und zur Eifersucht so berufen, daß sie zu verlieren befürchten, wenn sie ihren Weibern einen Vorzug verstatteten — und da selbst die Französische Revolution ihren Zustand — obgleich Weiber die Fahne derselben geführt — nicht verbessert hat; so scheinen wohl die Verschiedenheiten der Regierungsformen nicht bestimmt zu seyn, diesen Schaden Josephs zu heilen: höchstens bleiben die armen Weiber beim Mehr oder Weniger stehen.

»Es ist wider die Vernunft und wider die Natur«, sagt ein Philosoph der Welt, »daß Weiber die Hausherrschaft führen; allein Reiche können sie regieren — Im ersten Falle erlaubt ihnen ihre Schwäche diesen Vorzug nicht; im andern stimmt diese sie zur Leutseligkeit und Mäßigung. —« Mich dünkt, diese Bemerkung ist Sophisterei. Wer will denn, daß Weiber das Hausregiment führen sollen? Nur da, wo, nach dem altdeutschen Reim eines Reformators, ein Jeder seine Lektion lernt, wird es wohl im Hause stehen. — Es ist zu verwundern, daß jetzt, da das halbe menschliche Geschlecht auf weiter nichts sinnt, als sich mit Ehren unter die Haube zu bringen, noch so viel Policei im Punkte des Punktes herrscht — und daß, da das Frauenzimmer zu einer ewigen Vormundschaft verdammt wird, es seine Rache bloß aus der ersten Hand vom Ehemanne nimmt, und übrigens in der größeren Welt so sittsam und menschenfreundlich bleibt. Strenge Aufmerksamkeit auf einen sich selbst gegebenen Punkt unterdrückt das Gefühl des Schmerzes, und die größte Krankheit verliert einen großen Theil ihrer Feindseligkeit durch die Unterhaltung mit einem guten Bekannten, welche aber, wohl zu merken, den Kranken unvermerkt, äußerst leicht und ohne angreifende Übergänge beschäftigen muß. Ist die Ehe, nach jetziger Sitte, viel mehr als eine Krankenunterhaltung, wodurch man so sehr die lange Weile als die Anstrengung vermeidet, und vorzüglich das andere Geschlecht von jenem schrecklichen Gefühle seiner Abhängigkeit und Unterdrückung ableitet? — Ließen die Männer sich öfter als jetzt merken, daß sie das Verhältniß der Geschlechter besser, als die Natur, zu ordnen wüßten, wie weiland Alphonsus das Schöpfungswerk weit besser als der Schöpfer Himmels und der Erden zu verstehen vorgab: so wäre den Männern höherer Klassen schon längst von ihren aufgeklärten Damen der Krieg angekündigt; jetzt aber, da Männer diese Saite fast gar nicht berühren, oder höchstens sich über diese Sache etwa so auslassen, wie Machiavell über die Tyrannen: — jetzt bleibt es in besseren Volksklassen beim Frieden, und in den geringeren ist der Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Werth und Unwerth zu unbedeutend, oder jene geringeren denken zu wenig an ihre Bestimmung, um anders als thierisch zu wissen, daß zwei Geschlechter unter den Menschen sind — Wird dann etwa (im Jubeljahr) unter uns ein St. Pierre, ein Bayard, ein Heinrich IV. geboren; so läßt das andere Geschlecht, des Verdienstes dieser hervorragenden Männer halben, dem ganzen männlichen Geschlechte Gnade widerfahren. — — Laßt uns aufrichtig seyn! Alles wodurch Menschen sich auszeichnen können, ist dem Frauenzimmer benommen. Ein Cartel erniedrigt es so tief, wie eine ungerächte Beleidigung den Ehemann; und in die Klasse der Unedlen, der Knechte, ward es unter dem Schreckbilde, daß die Gränzen seiner fräulichen Schamhaftigkeit verletzet werden könnten, verstoßen, damit nur unser Geschlecht sicher bliebe, nie von ihm zum Zweikampfe gefordert zu werden — Nicht die Ähnlichkeit, sondern das Gesetz bestimmt vermöge der Ehe den Vater; es benennt ihn, und leidet keinen Widerspruch. Wie war es möglich, daß, da die Natur unmittelbar die Mutter bestimmt, daß, da diese so unbezweifelt gewiß wie unsere Existenz und der Tod ist — die Kinder in solch eine Unerkenntlichkeit ausarteten! daß nicht gutgesinnte unter ihnen sich vereinigen, um ihre Mütter aus der Schmach zu reißen, in der sie von wegen des Geschlechtes schmachten! Das männliche Geschlecht spielt mit außerordentlichem Glück — Wenn die Väter ihren Töchtern vermöge des Geschlechtstriebes nicht so liebreich zuvorkämen, wie es gemeiniglich der Fall ist; vielleicht würden diese schon längst eine Conspiration veranlaßt haben, um Menschen aus Mädchen zu machen, die jetzt aus Sitte nicht sehen, hören und denken dürfen, die allein in der Einsamkeit das Recht haben dreist zu seyn, und nur im Selbstumgange jenen schrecklichen Klosterzwang ablegen können, der sie in Gesellschaft zur entsetzlichsten Einsamkeit verdammt. Was kann man von dieser Erziehung erwarten, die von der Heuchelei dirigirt wird, nach welcher selbst der Plan, zur Heirath Anlaß zu geben, so insgeheim ausgeführt werden muß, daß oft das lauteste Nein das herzlichste Ja bedeutet! — Alle jene Gesetze zur Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes, jene Aufmunterungen zur Ehe, die Drei-Kinder-Ehre — was sind sie anders, als unnatürliche Hülfsmittel, die alle aufhören würden, wenn man Männer und Weiber in den Gang der Natur einlenkte? — Wie würde sich hier Alles von selbst verstehen! — Man trachte zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; und in Wahrheit, alles Andere wird von selbst zufallen. Darum Leute im Staat ehren, weil sie in der Ehe leben, weil sie Kinder, weil sie drei Kinder haben; darum, weil man die meisten Kinder hat, zuerst im Rathe votiren — ist eben so wunderbar, als die Seele nach dem Körper messen; und jener General hat sich mit uns ausgesöhnt, der Specialkarten verwarf, und nur Generalkarten wollte, weil er General war, oder der es nicht begreifen konnte, daß man ein großer Mann seyn und doch nicht über vier Zoll messen könne. — Vielleicht kommt noch die Zeit, daß man belohnt wird, weil man essen und trinken oder schlafen kann! Mit Volksmenge allein ist dem Staate nicht gedient, wohl aber mit Bürgern, die mit der natürlichen Beschaffenheit und der Größe desselben in richtigen Verhältnissen stehen, die frei, arbeitsam, wohlhabend und wohldenkend sind. Und selbst die Volksmenge! würde sie nicht über die Hälfte vermehrt werden, wenn man das andere Geschlecht zum Volk zu machen sich entschließen, und Weiber zu Colonisten im Staat aufnehmen wollte? Man wende einmal die Münze um; und der Revers der Sache —? Zu elenden Kunstgriffen muß man sich herablassen, wenn man die Winke der Natur vernachlässiget — Merkwürdig ist es, daß selbst Weiber zu einer gewissen Zeit in Rom durch Kinder sich aus der beständigen Vormundschaft hinaus gebären konnten! — Die Freigeborne mußte deren drei, die Freigelassene vier haben. —

Heil den Gesetzen, die nicht ansehen, was vor Augen ist, sondern die nach dem Beispiele des Stifters des Christenthums das Herz verlangen; die es auf den inneren Menschen anlegen; die nicht äußere Schäden verbinden, sondern heilen; nicht Palliative bewirken, sondern das Blut reinigen! —

Derjenige, der später bezahlt, bezahlt weniger — Die bündigste Antwort, wenn von der Erlaubniß, Zinsen zu nehmen, die Frage ist. Wie viele Verzögerungs-Zinsen werden wir dem andern Geschlechte schuldig werden —! Als Cromwell'n gerathen ward, seine Tochter Carl dem II zu geben, nachdem er Carl den I hatte enthaupten lassen, war seine Antwort: »Nein; denn könnte er wirklich vergessen, was ich that,« fügte er hinzu, »so wär' er nicht werth, eine Krone zu tragen —«

Sollten die Weiber nicht dereinst über kurz oder lang ihre Existenz den Männern beweisen, so wie weiland Alcibiades die seinige den Atheniensern, die ihn zum Tode verurtheilt hatten? Sollten sie nicht auch ein Sparta finden, um ihren Atheniensern von Männern den Krieg anzukündigen? sie, die schon jetzt während ihres fünfjährigen Pythagorischen Stillschweigens so deutlich zu erkennen geben, wie sehr sie verdienen für mündig erklärt zu werden? sie, die mit zwei Augen mehr sehen, als Argus mit hundert? sie, die schon jetzt, noch ehe erschienen ist, was sie seyn werden, privilegirte Seelen aufzuweisen haben, die es mit unserem Geschlechte aufnehmen? sie, welche die Sphäre ihrer Zeitgenossen durchbrechen und, ohne sich nach Brücken umzusehen, mit Geistesflügeln sich erheben und, wenn es nicht gehen will — sich hinaus denken und wie Felix auf einen gelegenern Augenblick warten? — Oder wie! ist es Wollust, keine Wollust zu genießen? ist es ein Göttermahl, zu fasten? ist bloß Streben unsere Tugend, und Hoffnung unser Glück —? Beweiset nicht ein großer Theil der Weiber, daß edle Seelen auch in Ketten frei sind, wie ein Herrscher bei entgegengesetzter Denkart sich in selbsteigener Sklaverei befindet? Der schlechteste Herr, der nur zu finden war! So diente Alexander, und Diogenes war frei — Alexander! dem ein Seeräuber in die Augen zu sagen den Alexander-Muth hatte: kleine Diebe hängt man — Diogenes! der, als Alexander ihm Gelegenheit gab, sich eine Pension zu erbitten, (und eine größere, als alle zusammen genommen, die Friedrich II seinen Leib-Philosophen und Dichtern gab) nur verlangte, daß Se. Alexandrische Majestät geruhen möchte, ihm, der werth sei, von der Sonne beschienen zu werden, diesen Vorzug nicht länger zu rauben. — Diogenes beurlaubte Alexandern: der reiche Bettler den armen ihm die Cour machenden Weltbesitzer. — Gründet sich fortschreitende Vervollkommnung des menschlichen Geschlechtes, und wahre, nicht Schein-Aufklärung, auf eine unpartheiische Kenntniß der Natur, und auf die Einsicht, ihre Gaben recht zu gebrauchen; so kann kein politischer Zwang Menschen behindern, an ihrem Glücke zu arbeiten, und die Würde der Gerechtigkeit und ihre wahren Verhältnisse zu Allem, außer sich, einzusehen. — Selten wird ein Mann leugnen oder nur bezweifeln, was allgemein angenommen ist; ein Weib aber rechnet es sich zum Vorzuge, täglich dergleichen Ausnahmen zu machen. Oft thut ein Weib es früher, als es die Umstände beprüft hat; und wenn es dann aus der Noth eine Tugend zu machen sich gedrungen sieht, so ist es angenehm zu bemerken, wie es Gründe sucht und findet, wodurch es bei seinem Wagestück von Nein sich bei Ehren erhält, und sich, wenn nichts mehr, so doch den Vorzug erwirbt, sonderbar zu scheinen. Ein Glück, das dem Verstande in Nothfällen übrig bleibt, um zu zeigen, wie viel man zu thun im Stande gewesen wäre, wenn man nicht zu vielen Hindernissen unterliegen müssen. Wir sind mehr für die Gewohnheit, Weiber mehr für die Neuheit — Beide Neigungen lassen sich aus der Lage beider Geschlechter ziemlich richtig erklären. Was geht dem andern Geschlechte ab, um würdig zu seyn, in den vorigen Stand zurückgesetzt (in integrum restituirn) zu werden? Die Thränen der Weiber sind nicht bloß Beweise der Schwäche, sondern auch Beweise der in ihnen wohnenden Kraft. Sind Thränen nicht schon im gemeinen Leben öfter Anzeigen des Entschlusses, als der Reue? und haben nicht Schuld und Unschuld ihre Thränen? Daß übrigens nicht bloß Weiber und Kinder greinen, (wenn von Verstellung der Geberde bei Thränen die Rede ist) sondern auch Männer, wird selbst dem gemeinsten Beobachter nicht entgangen seyn. Die Launen der Weiber werden in der That zu wenig von uns beobachtet; wir würden hier oft auch bei kleineren Gewässern tiefe Gründe finden, da hingegen jetzt diese Launen auf Flügeln der Morgenröthe uns entfliehen, auch selbst wenn wir sie zurück zu halten bemühet sind. — Die Weiber wissen die wenigste Zeit, wie sie mit sich selbst daran sind, und sie sollten mir danken, daß ich ihnen hier eine nicht kleine Entdeckung mache — sie sollten manches, was zu ihrem Frieden, zum wahren, zum Frieden Gottes gehört, in ihrem Herzen bewegen, um eine Stärke recht beurtheilen zu lernen, die sich bloß — auf ihre angebliche Schwachheit gründet. Von Liebenden sind uns alle Ergebenheits-Bezeugungen verhaßt, wenn wir nicht der eigentliche Gegenstand der Neigung sind. Männer! habt ihr von euren Weibern mehr als den Schein der Liebe? und verdient ihr mehr? — Verdient ihr nicht, daß sie euch nur in dem Grade lieben, wie Sklaven Tyrannen bedienen? Es giebt Augenliebe, wie Augendienst. — Hätte man die Weiber bloß von einigen, augenscheinlich origetenus und von Haus aus männlichen Dingen ausgeschlossen; wer unter diesem sanften Volke hätte gemurret —? Es hätte sein Marlbrough s'en va t'en guerre geleiert, und damit wäre Alles vergeben und vergessen gewesen. —

Die Macht kann überall weniger ausrichten, als die Weisheit. Wer sich Gott als den Mächtigsten denkt, ist sein Knecht; wer ihn sich aber als den Weisesten vorstellt, verdient den Namen seines Kindes. — —


V.
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