Der Einwand meines Gegners, daß Weiber zu viel Zeit auf ihren Leib verwenden, spielt den Krieg in sein eignes Land — Sind wir es nicht, die ihnen die Seele bestreiten —? die sie auf den Körper einschränken? Ist denn etwa der Körper uns bloß Ballast, mit dem die arme Seele sich beschwert hat, um auf der Fahrt dieses Lebens fortzukommen? oder ist er nicht vielmehr ein ehrwürdiger Theil des Menschen? — Wer die Seele den Genius des Menschen nannte — hatte der so ganz unrecht? Man gradiere die Weiber im Staate, so wie man dem Golde eine höhere Farbe giebt; und sie werden über den Leib die Seele nicht versäumen — Ist es Ernst, lieber Einwender, oder ist deine Behauptung, daß die Weiber eine unüberwindliche Neigung zur Pracht besitzen, wodurch sie ihre Männer zur Verschwendung und zu betrügerischen Concursen verleiten, Scherz? — Ernst also! Lieber! wer brachte sie auf die Bahn zur Pracht? nicht der Stand des Mannes? müssen sie nicht diesem oft die glücklichsten Neigungen ihres Herzens aufopfern? Ist ihre natürliche Stimmung nicht für Einsamkeit und Landleben? — Landleben? — Allerdings! Nicht aber für jenes, das keine Wohnung der Weltentfernung, sondern eine Gelegenheitsmacherin zu neuen Üppigkeiten und zu einer ganz neuen Art der Übertreibung ist — An der Hand des Weibes scheint die Natur sich mit uns vertraulicher einzulassen und recht Gelegenheiten aufzusuchen, ihre Milch und ihren Honig, den ganzen Reichthum ihrer Wollüste, uns schmecken und sehen zu lassen. Die edlen Ergüsse der Zärtlichkeit, wenn sie reitzend ausgewechselt werden sollen, suchen das Land, und entfernen sich von Hof und Stadt, wo sie Fremdlinge sind — sie leiden keine Zeugen, und weit weniger Laurer und Faher — Wie oft muß sich das Land mißbrauchen lassen, die verstimmten Sinne des Hofmanns, nicht zur Tugend und zu sanften Sitten, sondern zu neuen Ausgelassenheiten aufzuheitern! — Man sucht reinere Luft, um sich zu einer neuen Art Ausschweifung aufzufrischen — Weiber suchen das Land, und warten nicht darauf, dahin verwiesen oder ausgestoßen zu werden — Freund! sie sollten die Gräfin **b* kennen! Sie darbt, wenn man an der Hand der Natur darben kann, um für ihren Schlemmer von Gemahl eine ungeheure Schuldenlast zu bezahlen, die nicht bloß Sünden der Jugend sind, sondern die er in einem Staatsposten, der seinen Mann nährt, noch immer vergrößert — Weiber schaffen sich Welten, die sie besäen und bepflanzen, durch eine wohlthätige Einbildungskraft, die ohne Mühe reich macht: in der wirklichen Welt — wie unbedeutend ist da ihre Rolle! — sie zogen Nieten aus jenem Glückstopfe; wir die Gewinner — Man kann durch Gedanken sich erhitzen und zu einer Röthe kommen, die man eine Seelenröthe nennen könnte, und die sich von allen jenen unterscheidet, welche durch körperliche Erhitzungen veranlaßt werden; und so eine Röthe innerer Zufriedenheit, mit Zuziehung einer wohlerlaubten Einbildungskraft erregt — welch eine Zierde auf der Wange eines edlen Weibes! Hast du nie die Wonne eines Familienzimmers empfunden, wo man eigentlich zu Hause ist? denn in den übrigen wohnen Gäste oder ein antisokratischer Dämon von Pracht und Stolz; und welches Zimmer ist dem andern Geschlechte das angemessenste? das erste das beste — Und wie! wenn es auch Weiber giebt, die zu meiner Beschreibung nicht passen, wurden sie nicht schon als Bräute zum unzeitigen Aufwande durch Geschenke verführt, die weit über das Vermögen des Bräutigams gingen? Schwingt sich das Weib zum Regiment, so wird es ihm schwer und unerträglich sich herabzustimmen —; und wenn es sich wirklich herabstimmt, ist es verzeihlich, solche Blößen zu geben? solche Betrüge ungestraft zu begehen? ist es nur anständig, als Bräutigam den Pastor fido zu spielen, um nachher als Ehemann den Orlando furioso zu machen? sein Weib aus dem Himmel in die Hölle, aus Eldorado in eine Schenke zu werfen, wo man es durch ein Schattenspiel an der Wand entschädigen will? — So betete man weiland in Paris die Komödianten an, denen man im Tode ein ehrliches Begräbniß versagte —.
Weiber sind auffahrend; der Zorn aber (das Vorspiel der Raserei) thut nie, am wenigsten in Staatsgeschäften, was Recht ist.
Und woher dieser Zorn? der Ohnmacht halben, und weil den Weibern keine rechtmäßige Macht zustehet? Was hilft es, mit sich selbst zu Rathe zu gehen, wenn es an ausübender Gewalt fehlt, die weise genommenen Beschlüsse zur Vollziehung zu bringen! — »Kannst du regnen, so kann ich auf Holzschuhen gehen,« heißt es in einem alten Deutschen Sprichworte; und wer leugnet es, daß man bei den Ausbrüchen des Zorns die eignen Gedanken der Seele nicht vernimmt, so wie man bei tobendem Gewitter sein eignes Wort nicht hören kann! — Als jener edle Mann des Alterthums nach seiner Rückkehr sein Hauswesen in unverzeihlicher Unordnung fand, stellte er seinen Vizdum, den ungerechten Haushalter, bloß mit den weisen, bewunderungswürdigen Worten zur Rede: wie würd' ich dir begegnen, wenn ich nicht böse wäre —! Mein guter Freund ** sah einem Diebe gelassen zu, der ihm sein Holz stahl, und nur als er zu befürchten anfing, der Holzdieb würde sich zu sehr belasten, bat er ihn dienstfreundlich, sein selbst zu schonen, und sich, den Weg zweimal zu gehen, nicht verdrießen zu lassen. Rechtsum, schön! und Linksum? Welchem Herrn dient der Knecht lieber: dem, der ihn in der ersten Hitze seine Strafhand empfinden, oder dem, der eiskalt ihn blutig stäupen läßt? »Der Teufel verliert keinen Dreier dabei, wenn ich nicht fluche,« sagte ein Bauerknabe, als ihm das zweite Gebot eingebläuet ward — So theuer bezahl' ich die Weisheit nicht — Wie Vielen kostete die Zornunterdrückung Gesundheit und Leben! — Gesetzt Weiber verständen die Kunst nicht, ihren Zorn äußerlich zu zähmen, und eine gewisse Ruhe zu schwarzkünsteln — sind nicht die unversteckten Fehler die leichtesten und gemeiniglich Schwachheitssünden, von denen sich auch fromme gottgefällige Seelen nicht lossagen können? Die Heiligen sind in dieser Rücksicht nicht ohne Fehl vor Gott; — vor Menschen es zur Scheinheiligkeit zu bringen, kann nicht schwer fallen. Jene Fehler bleiben die gefährlichsten, die in Schafskleidern zu uns kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen — Zürnet und sündiget nicht — Ist nicht der Zorn eine Art von Waffen, womit wir oft Gutes erweisen können, ohne zu schaden? Was würden Weiber ohne dies Hausmittel bei der Kindererziehung ausrichten? Giebt es nicht Unbeschnittene an Herz und Ohren, denen man nachdrücklich und gewaltiglich andeuten muß, was zu ihrem Frieden dient? — »Verziere das Nützliche,« sagte die Weisheit; die Thorheit, die alles umzukehren gewohnt ist, kehrte das Gebot um, und machte das Hauptwerk zum Nebenwerke. Giebt der Zorn nicht oft der Sache einen gewissen Schwung —? Wer kennt und schätzt nicht den Diensteifer, der das dritte Wort ist, wenn wir dem Staate unsere Dienste anbieten, wenn wir wirklich seine Officianten werden und wenn wir mit der Bitte einer Pension den Staatsdienst verlassen —!
Der unbilligste Einwand von allen ist, daß Weiber darum nicht zu Geschäften berufen sind, weil sie zu keiner Freundschaft unter sich Verstand und Willen haben. (Man übersehe nur nicht, daß nicht ich sondern mein Feind so freundschaftlich ist, an die Freundschaft zu denken —) Ich leugne nicht, daß ohne ein gewisses Band so genannter Freundschaft, eigentlich Offenheit, gutmüthiger Bekanntschaft, Staatsgeschäfte schwerlich bewirkt, und die leider zu künstlich gerathene Maschine des Staates vereinfacht werden kann, weil ohne dieses Band keine Einheit im Staate herauszubringen ist und alles in der Irre ohne Zusammenhang und Ordnung bleibt — Wer ist aber im Stande, den Weibern Überlegung hierzu, kalte Schätzung des Gegenstandes, Feinheit, zuvorkommendes Wohlwollen und Aufopferung abzusprechen —? Schon jetzt giebt es Freundschaften unter ihnen, die den unsrigen nicht weichen — Nur das Vorurtheil der Männer hat ihnen die Anlagen zur Freundschaft abgesprochen. Sind sie nicht zarter, treuer, unüberwindlicher, unbestechbarer, als viele Männer, wo Neid und Rivalität von so vieler Art die Triebe des Herzens verfälschen, und die Freundschaft zum Contrakt do ut des, facio ut facias, nicht zum Herzens-, sondern zum Sachentausche machen? — Damon- und Pythias-Freundschaften sind Fälle, die zu den seltenen gehören, und die bei dem Einerlei der Weiber, bei ihrem Alltagsleben um so weniger zu erwarten stehen, da Proben und Situationen zu dergleichen Freundschaften durchaus unentbehrlich nöthig sind — Und wie verschieden sind jene Damon- und Pythias-Freundschaften vom Dienstgleichgewichte, das durch ein gewisses Einverständniß bewirkt wird. Weiber müssen jetzt von Geschlechtswegen, wo nicht interessiren, so doch Herzen gewinnen, wo nicht angebetet, so doch geliebt werden wollen; setzt sie über die Sinnlichkeit hinaus, und ihre Eitelkeit, ihre Neugierde, ihr jetziger Hang zum Vergnügen werden sich veredeln — sie werden nicht aufhören, Weiber zu seyn; — wie unglücklich wären wir, wenn sie das könnten! — nur werden sie aufhören, die Weiber zu seyn, die sie jetzt sind — Diese Verwandlung wird uns heben, statt daß man uns jetzt, wie jenen Elephantenleiter, fragen könnte: bist du darum so trotzig, weil du Thiere commandirst? An uns ist der erste Schritt, und nur von unserm bußfertigen Entschlusse hängt es ab, diese Revolution zu bewirken. Werdet andere Männer, und Alles, vorzüglich die Weiber, ist anders als jetzt. Mit dem Maße mit dem wir sie messen, werden sie uns wieder messen. Dienstfreundschaft! Ist sie denn unserm Geschlechte eigen? Nicht nur die Kraft, auch den Schein verleugnen wir. Führen die Staatsdiener nicht unter sich den dreißigjährigen Krieg? Der Financier ist wider den Justizmann, und der Justizmann wider den Financier; das diplomatische Corps wider das Kriegs-Departement, und dieses gegen jenes — Einer will den andern übermeistern, ohne daß er seiner selbst Meister ist: Einer will dem andern die Gränze verrücken, einer stellt dem andern ein Bein — Doch, leider! ist es immer der Staat, der bei dieser Gelegenheit in die Grube fällt — Oft giebt sich sogar Richtercomplott und Höllenbund wider den Unterdrückten für Dienstfreundschaft aus; und da ist das letzte Übel ärger, als das erste; da ist guter Tag und guter Weg ein Himmel gegen jene Mörder-Bande —
Der sittliche Zustand der Weiber gründet sich sehr natürlich auf ihren gesetzlichen — Da das Mädchen sich ihren Gefährten des Lebens nicht laut und deutlich wählen kann; so sieht es sich genöthiget, dieses Geschäft zutrauensvoll seinem Auge zu übertragen, das, an diese Einladung gewöhnt, nie ganz diese Weise aufgeben kann — Man scheint dieser Manier eine Art von Dankbarkeit erweisen zu wollen, die jetzt, da Alle dies Blickspiel treiben, das Unanständige nicht hat, das es sonst haben würde. Diese Blicke, wodurch sie eine besondere Art von Beherrschung, die man Augenherrschaft nennen könnte, und eine gewisse gefällige Freundschaft üben, haben ihren besondern Contract social und so bestimmte Gesetze, daß man auf ein Haar weiß, wann die erlaubte Grenze überblickt wird — Dem Reinen ist Alles rein — Wer findet nicht einen sicheren Weg zur Wonne, in dem schönsten der Spiele, einer verstohlnen Liebe? Die Genüsse der Verstohlenheit steigen zu einer geistigen Würde, zu einer hinreißenden Delicatesse — Durch jenes Glück, das die Mädchen sich erblickten, durch jene anziehende Kraft, wodurch sie auf die Jünglinge wirkten, hat ihre Verlegenheit auch bei weitem noch nicht ihr Ende erreicht, wenn sie die Ehre haben, in die Gewalt der Männer zu kommen. Sie sinnen unaufhörlich darauf, diese Gewalt durch alle Künste einzuschränken, so daß am Ende nicht viel davon übrig zu bleiben pflegt — Da sehen sich denn Weiber zuweilen — ist es ihnen zu verargen? — nothgedrungen, vermittelst der Augen mit getreuen Nachbarn und desgleichen Allianzen zu ihrer Deckung einzugehen; und so unschuldig dieser Freundschaftsanfang gemeiniglich ist, so schuldig können oft Schutzverträge dieser Art werden. Von Personen ihres Geschlechtes können sie keine Beihülfe erwarten, und ihre Freundschaften unter sich sind von anderer und originaler Weise. Giebt es aber nicht eben so viele wahre Freundinnen, als es wahre Freunde giebt —? Von der bürgerlichen Verbesserung der Weiber wird es abhangen, daß ihre Freundschaftsanlagen berichtiget und verbessert werden — Wie unbillig sind wir, von Weibern — denen wir die Würde Personen zu seyn, versagen — mehr zu fordern, als ihnen zu leisten möglich ist! — — Fast könnte man behaupten, daß die Gesetze, die für ihr Vermögen, wie für das Vermögen eines Unmündigen, sorgen, ihre Personen darüber vernachlässigen, oder sie wenigstens vergessen zu haben scheinen. Frauenzimmer, welche Mütter werden können, sind keine Kinder mehr — Der bittere, nicht unverdiente Vorwurf, den man unserem Geschlechte macht, »daß es heut zu Tage keine Kinder mehr gebe« — stehet er nicht mit unserer Grausamkeit, die Weiber als große Kinder zu behandeln, in engerer Verbindung, als man denken sollte? — — —
Es giebt Regenten, die sich den landesväterlichen Wunsch des Caligula aus Geitz eigen machen: ach, wenn doch alle ihre Provinzen nur Einen Hals hätten! nicht um ihn zu brechen, sondern nur eine einzige Röhre zum Essen und zum Trinken in ihrer Monarchie zu haben. So tyrannisch bin ich nicht in Hinsicht meiner guten Freunde von Opponenten, die es indeß nicht viel besser als die Virtuosen machen, welche oft beschwerlich sind, wenn sie Niemand hören will, dagegen stumm und eigensinnig, wenn sie sich hören lassen sollen.
Die Unbeständigkeit soll ein so charakteristischer Zug des weiblichen Verstandes seyn, daß Weiber bei keinem Gegenstande der Untersuchung und des ernsten Nachdenkens mit gleicher Anstrengung lange zu verweilen im Stande wären.
Der größte Theil des andern Geschlechtes, der Mittelstand, hat nur eine einzige Art von Beschäftigung, kommt nie aus dem Takt, und weiß nur vom Hörensagen, was lange Weile ist. Diese entsteht aus einer Art von Luxus der Beschäftigungen, und gehört in der Regel zu den Eigenschaften der Männer, obgleich auch Damen höherer Region an diesem Übel Theil nehmen, und an demselben schwach und krank danieder liegen, wenn das Vergnügen länger dauert, als sie es auszuhalten gewohnt sind. Die Frau Gräfin hatte lange Weile in der Komödie, weil heute noch Redoute ist; allein auch auf der Redoute wird ihr die Zeit lang werden; weil sie keine Partie findet; und auch wenn sie diese gefunden hat, würde die Zeit von ihrem Blei kein Gran verlieren, da ihr Cicisbeo bei dem fürstlichen Souper lange Weile hat, und sie mit ihrem Verehrer nicht minnespielen kann. Bei einem einzigen Spiel findet die schöne Welt zu wenig Beschäftigung. Konnte doch Julius Cäsar lesen, schreiben, und sieben Cabinetssekretarien sieben besondere Briefe diktieren! — — Und lebt die schöne Welt wirklich? — Nein doch! sie spielt das Leben — Unbeständig überhaupt find' ich das andere Geschlecht nicht mehr nicht weniger, als das unsrige; vielmehr ist ihm eine gewisse Weltüberwindung eigen. Es verstehet sich darauf in's Dunkle zu werfen, und glänzt eben darum desto besser — Stilles Verdienst ist sein Eigenthum; und sind dies Anzeigen des Unbestandes? — Zeitiger und fester nimmt es seine Partie als wir — Zwanzig exemplarische alte Jungfern gehen auf einen Hagestolzen gleicher Art.
Die große Lebhaftigkeit weiblicher Empfindungen und weiblicher Einbildungskraft, das zu reitzbare Nervensystem soll indeß Schuld an der Unbeständigkeit und dem bloß flüchtigen Feuer bei Gegenständen des Nachdenkens in Hinsicht der Weiber seyn; auch sollen sie für große Gegenstände des menschlichen Wissens nur selten ein wahres Interesse fühlen —