Und giebt es denn in unserm Geschlechte Viele, bei denen jene Ausdauer ist? die ein, dem ersten neuen und frappanten Eindruck gleiches, Feuer bei scientifischen Gegenständen behaupten, die dem Spiele schnell auf einander folgender angenehmer Empfindungen widerstehen, und einem Gegenstande getreu bleiben bis in den Tod? Hat nicht fast jeder, außer seinem Haupt-, noch einen Neben-Beruf, den er Erholung nennt, und an dem er weit mehr hängt, als an seiner Hauptsache? Die eigentliche Strebsamkeit ist dieser Nebensache gewidmet: und hierbei pflegt man es auch, durch Gottes Segen, in kurzer Zeit weiter zu bringen, als bei der eigentlichen Hauptsache. Friedensschlüsse verbinden jeden, nur nicht die, welche sie schlossen; und angewiesene Officianten haben überall Kraft und Macht und Glauben in ihrem Amtsbezirk, wenn sie gleich — (während sie eine Aktenrelation fertigen, ein Paar über Nichts und wider Nichts uneins gewordene Nachbarn ausgleichen, dem jungen Greise von Vormunde, bei dem sein Mündel das erloschene Feuer anfachen soll, dies unschuldige Geschöpf entreißen, ein Domainen-Stück taxiren, den verfallenen Nahrungsstand eines Fleckens untersuchen, die Klagen von hundert unterdrückten Bauern hören, und einer Wittwe zu dem ihr vertheuerten Rechte verhelfen, und ihre Rechtssache verkürzen sollen) — ein Lied auf den Frühling zusammenstümpern, einer Wildenschweinsjagd beiwohnen, ein Pikenik abwarten, eine Strohkranzrede halten, oder in Liebelei versinken — Haben doch Könige und Fürsten Kühe gemolken, Netze gestrickt, Knöpfe gedrechselt, gemahlt u. s. w. Leibnitz war so wenig Professor Philosophiae, als Wieland Professor Poëseos; und was giebt es denn für große Gegenstände des menschlichen Wissens, für die nicht Jemand aus dem andern Geschlechte eine Neigung gezeigt hätte? Die Geduld, das Ausdauern der Weiber ist zum Bewundern; und legen sie nicht täglich davon ein Zeugniß ab, indem sie die Formen nicht zerbrechen, in welche Gewalt und List sie goß? indem sie Kinder erziehen und in's Geleise bringen, die ihre Väter oft durch blinde Liebe und eben so oft durch blinde Strenge verderben —? indem sie mit ihren Männern (leider! nur zu oft alten Kindern) gelinde umgehen, wie mit jedem Übel, das nicht zu ändern ist, und sie heben und tragen und leiten, um sie nur wenigstens leidlich zu erhalten? — Aristoteles ging spazieren, wenn er lehrte und lernte, und hieß der Spazierer (Peripatetiker) — Oder ist es nöthig, daß Alles im ersten Feuer gearbeitet wird? daß die Phantasie uns Alles mit Flammen mahlt? und daß Alles, was wir denken und sagen, ein immerwährendes Feuerwerk, ist? — Außer dem Feuer giebt es noch andere wohlthätige Elemente — Ungezügelte Bilder, funkelnde Sprüche, tiefgeschöpfte, schwer herausgezogene Sätze mögen immer bleiben, was sie sind; es giebt Gedanken, die ihren stillen Werth haben — die, gerechtfertigt werden durch That —! — Wenn den gelehrten Arbeiten der Weiber eine gewisse Furchtsamkeit anklebt — ist es Wunder, da sie sich in die gelehrte Republik bloß hineinstehlen müssen? Von Natur sind sie dreister als wir; das Gefühl des Unvermögens, den Vorzügen Anderer gemäß zu reden und zu handeln, das Allem eine gewisse Ängstlichkeit giebt, ist ihre Sache nicht — Die Gabe ihrer leichten ungezwungenen Unterhaltung wird ihren Vortrag nie mit üblen Angewohnheiten und Einschiebseln verunstalten, die sich nicht viel besser ausnehmen, als wenn verlegene mit der Welt noch unbekannte Jünglinge von ihren Händen und Füßen geärgert werden — oder wenn Fliegen in ein reitzendes Gericht fallen. Müßige Phrases in's Gespräch einschalten, heißt ihnen: die Zeit tödten; und durch schöne Redensarten einnehmen: das Vergnügen als Zweck des Lebens behandeln. Seht Prinzen — und seht regierende Herren selbst, wie furchtsam sie sind! — Das Hof-Ceremoniel scheint nur erfunden zu seyn, ihrer Blödigkeit auszuhelfen. Auch giebt es eine edle Freiheit, welche die Folge eines guten Gewissens ist, — so wie es ein Wohlbefinden giebt, ein Gut- und Übelaussehen, das vom Gewissen kommt; und dies ist dem andern Geschlecht eigen — Warum sollten Weiber denn wohl als Schriftstellerinnen furchtsam und verlegen thun und seyn, da die aufgehaltene Sprache sich durchbrechender Empfindungen eine Gewalt und Stärke besitzt, gegen die schwerlich sonst etwas zu wirken vermag, als unser kritischer Übermuth, der die Weiber durchaus nicht aufkommen lassen will? Weiber wissen Wahrnehmungen zu Beobachtungen zu erhöhen; und da Männer Sätze zu Grundsätzen zu erheben wissen, (die, wohl zu merken! der Philosoph sogar dem Mathematiker vorschreibt) und mit ihnen Tausend schlagen: so schlügen Weiber mit ihrem Witze gewiß Zehntausend, wenn Männer ihn nicht durch eine Art von Gründlichkeit (die genau genommen wenig oder nichts bedeutet) zu lähmen und in Verlegenheit zu setzen suchten. Weiber besitzen die Geschicklichkeit, alle Seelenkräfte auf Witz zurückzubringen — Gelingt ihnen nicht Umfassung der Sache auf eine bewunderungswürdige Weise? Wissen sie nicht das ewige Einerlei, wozu sie verurtheilt sind, unübertrefflich schön zu modificiren? und Aufmerksamkeit in hohem Grade, oder Scharfsinn zu zeigen? Wie können sie aber einem Schwalle von Kunstwörtern widerstehen, womit wir Sturm laufen! wie eine schwerfällige Gelehrsamkeit widerlegen, wodurch wir sie aus dem Tempel der Wissenschaften hinauskritteln, dessen Allerheiligstes doch so leicht und einfach ist —! Warum soll es ihnen an Gedankenfülle, großen erhabenen Darstellungen von Charakteren, an hohem Schwunge gebrechen, oder an Schöpfungskraft und hohem Grad des Enthusiasmus, da sie von dem allen ungesuchte und anspruchlose Proben im gemeinen Leben äußern? — Feine originelle und der Natur abgelauschte Züge sind ihnen eigener als uns; was ihnen am scharfen Umriß bei ihren Charakteren (richtig ist er fast immer) abgeht, ersetzen sie durch ihr lebendiges Colorit — So wie sie ihren Körper zu kleiden verstehen, so kleiden sie auch ihre Gedanken — Die Angemessenheit ihrer Worte und die große Einfachheit in der Wortfügung, geben ihrem Styl eine Deutlichkeit, die nichts übertrifft. Die besten Denkzettel, die ein Autor seiner Schrift anhängen kann, sind, wenn er durch seine Darstellungen uns an uns selbst erinnert; wenn seine Schrift dem Menschen durch das Herz geht; wenn die Leser sich einbilden: es fehle wenig oder nichts, so hätten sie diese Schrift selbst stellen können; sie wären im Stande gewesen, sie dem Autor in die Feder zu sagen; aus ihrem Herzen hätt' er es genommen und ihnen verkündiget — Solch ein Widerschein erleuchtet und frommt!— Wir lassen uns von Ideen, wie Sokrates von seinem Dämon, verfolgen, wir versetzen uns, wie Plato, in eine Republik; und so wie der, welcher ein unverwandtes Auge auf Einen Punkt heftet, zuletzt sieht, was er sehen will: so sehen auch wir mit dem Auge der Seele Windmühlen für Riesen, Wirthshäuser für Schlösser, Teiche für Weltmeere, eine Abderitische Posse für einen wohlüberdachten Finanz-Kniff oder Operation an — Nicht genug; auch Worte spielen den Meister nur zu oft über uns — Wir veruntreuen ihre Bedeutung, werfen eine willkührliche Markscheidung derselben auf, und fallen, wie Leute, die reich werden wollen, in Versuchung und mancherlei Stricke, wenn wir nach der leichtesten Art reich zu werden, zu sparen, oder nach der schwersten, zu speculiren, suchen — Wir arbeiten Alles zum Druck aus, in der bestimmten Absicht, es dem gelehrten Publico zu überantworten, oder es in einem privilegirten oder unprivilegirten Cirkel vorlesen zu lassen — Und ob es gleich freilich correkter ausfällt, wenn der Inhalt lehrreicher ist, oder so aussieht, wie ein hingeworfener weiblicher Aufsatz; so wird die Arbeit des anderen Geschlechtes doch mehr Individualität zeigen, und eine Intuition behaupten, die wir, im Namen und von wegen unserer stupenden Gelehrsamkeit, fast keinem unserer Werke in gleichem Grade verleihen können. Leichter und flüchtiger sind weibliche Arbeiten; allein darum oft treffender, richtiger, eindrücklicher. Weiber lieben schon nicht lange Worte, weil hier eine Hauptsylbe sich die anderen unterordnet und sich die Herrschaft über diese anmaßt — Lange Perioden sind ihnen nicht angenehm, weil sie die Alten nicht genug kennen, weil dieselben schwerer zu lesen und zu fassen sind, und weil der Witz ein Todfeind dieser Potsdammer ist — von denen ein plumper Holländer behauptete, daß nur ein kleines Herz in einer dergleichen gewaltig großen Maschine gefunden werde — Selten lassen Weiber einen üppigen Sprößling des Ausdruckes aufschießen — und ereignet sich der Fall, so ist es eine Feldblume, die sich nicht aus den Grenzen der Bescheidenheit wagt — Bei uns gewinnt Nachdenken, bei Weibern Empfindung die Oberhand — Die Oberhand, sag' ich; denn auch Nachdenken leistet der weiblichen Empfindung hülfliche Hand: und sind in ihren Aufsätzen nicht alle Ungleichheiten geebnet, so bleibt ihnen dagegen mehr Eigenthümliches — Man rücke das Ziel ihres geschäftigen Lebens über die Küche und Stricknadel hinaus; man führe sie nur an: und sie werden uns sehr bald an Scharf- und Tiefsinn übertreffen, ohne sich kraft ihres gesunden Menschenverstandes zu versteigen. Ach! wer kann sich entbrechen, wenn vom Vorzuge unseres Geschlechtes die Rede ist, mit Daniel auszurufen: Seht, das sind eure Götzen!
Weiber können nicht allein seyn —
Nicht allein? Lieber! wenn die Einsamkeit gemahlt werden soll, muß ein Weib sitzen, oder sie ist nicht getroffen.
Oder nichts allein überlegen.
Und doch ziehen Männer sie alle Augenblicke zu Rath; und wohl ihnen, und dem Collegio und dem Staate, wenn Männer es thun! O! wie gern wälzen die Männer ihre Bürde von ihrem Herzen auf ihre Weiber, denen sie ihre Geheimnisse anvertrauen! und wie viel haben Weiber zu tragen! o, wie viel! Von Weibern dagegen ist fast keine einzige, die nicht etwas hätte, was nur Gott und sie weiß, was kein Beichtvater erfährt, und womit sie der Zeit und Ewigkeit unerschrocken, entgegen geht — Unsere Geheimnisse verfliegen oft, gleich einem flüchtigen Geiste; die ihrigen sind ihnen in Herz und Seele geätzt — Wenn Gedanken ihren Schöpfern entkommen, die sich bei aller oft widerlichen Anstrengung nicht zurückbringen lassen — ihren Schöpfern, die nur selten Gedankenerhalter sind; so verstatten Weiber ihren Gedanken nicht so viel Ausgelassenheit — Was ich doch sagen wollte, wird man selten oder gar nicht von Weibern hören. Ihr Gedächtniß ist getreuer, als das unsrige; und schwerlich wird ein Weib so zerstreuet seyn, wie Terrasson, und so sehr sein Gedächtniß verlieren, wie er. Weiber halten Zerstreuungen für Affektation, und können sich nicht des Lachens enthalten, wenn sie von Terrasson hören, daß er kurz vor seinem Ende im Gedächtniß-Concurs Alles an seinen Verwalter Luquet assignirte, so daß er, als sein Beichtvater ihn bei der letzten Beichte nach seiner Sündenmenge fragte, demselben auch diese Assignation gab: Fragen Sie nur Luquet. —
Weiber wären nicht selbstständig und allein fähig? Eine Einwendung, die, so leimgestärkt sie auch scheint, sich nicht halten kann. Wenn wir zwischen Furcht und Hoffnung schwanken, nehmen sie gleich Partie, und sind entschlossen an Leib und Seele — Ihre Entbindungen machen sie so dreist. Bei minder wichtigen Dingen halten sie es nicht werth, es noch auf Entschlüsse auszusetzen: Es gehe, wie es gehe — In politischen Angelegenheiten schlagen sie, wenn wir kannengießern, sich zu keiner Parthei, und wählen das beste Theil: Was wir leisten, macht unsern Lehrern Ehre; was sie leisten, ihnen selbst — Sie mischen die Karten, und theilen sie so aus, daß Spieler und Zuschauer zufrieden sind, wenn dagegen eine Menge staatskluger Köpfe beisammen sitzen, und noch immer in gerechter Befürchtung, nicht Kopfs genug zu besitzen, auf Verstärkung ihrer Beisitzer denken. Vor lauter Räderwerk wird nichts zu Stande gebracht, vor lauter Reden kommt es zu keiner That, vor lauter Stimmenzählung zu keinem Schlusse. Wer von uns hat sich über das Stimmen der Instrumente nicht geärgert, ehe es zur Sinfonie kommt —? Hohe Deutlichkeit und stärkeres Licht mit mehr Vergrößerung zu vereinigen — das ist das Ziel der Ausrüstung, um Augenreisen in die Ferne zu thun. Wie oft zerschlagen unverständige Kinder und bärtige Collegia einen stattlichen Spiegel, um eine Fliege zu tödten! und noch öfter wird das Kind mit dem Bade ausgegossen. Des Bocksbeutels und der verkünstelten Kunst halben kommen Dekrete zum Vorschein, mit denen am wenigsten in allen Fällen, und höchstens nur provisorisch, auszulangen ist; Dekrete, die höchstens Palliative sind, um sich eine angenehme Ruhe für die nächste Nacht zu machen.
Warum soll man den Jesuitenorden von den Todten erwecken, und die heimlichen Jesuiten, Jesuiten en tapinois (das schöne Geschlecht) privilegiren?
Warum? weil die heimlichen schädlicher sind, als die öffentlichen, weil die öffentlichen (wenn nämlich nichts heimlich bei ihnen bleibt) aufhören Jesuiten zu seyn, und weil geheime Krankheiten die gefährlichsten sind — Wie kommt aber das andere Geschlecht zur Ordensehre?
Maitressen von guter Abkunft haben bei weitem das Böse nicht gestiftet, was die Maitressen niederer Abkunft, eine Pompadour, eine du Barry, sich zu Schulden kommen ließen. Allerdings! und also nehme man nicht Maitressen, sondern Weiber.