Wie despotisch ist der Gedanke, daß ein Mann sich befugt halten konnte, mehr als Ein Weib zu besitzen, indem bei einer Berechnung an den Fingern sich herausbringen läßt, daß er durch diese Verschwendung Andere zum Darben bringt! Wahrlich, die Vielweiberei ist ein Umstand, der sich weder mit Seele noch mit Körper verträgt, und nicht nur der Vernunft, sondern selbst einer Leidenschaft widerspricht, die (wie die Kinder reicher und vornehmer Leute) durch die Schule der Vernunft gelaufen ist. Wo ein Mann mehr als Ein Weib hat, wird jener Tyrannenrath erfüllt: Theile und regiere (divide et impera). Die Weiber mußten auf diesem Wege des ihnen so nachtheiligen männlichen Luxus ihre Abhängigkeit im höchsten Grade fühlen; und wenn gleich die Sultanin des Tages sich einen Vorzug vor ihren Colleginnen anmaßte: so währte dieses Ansehen, das sie sich gab, doch nicht lange, und bald überzeugte sie sich, daß unter Sklavinnen keine Rangordnung Statt finde.
Die Geschichte der Sara und Hagar scheinet zu beweisen, daß die Kebsweiberschaft nicht gleich anfänglich bloß in dem eignen Belieben des Mannes gestanden, und daß er anfänglich verpflichtet gewesen, die Genehmigung seiner Frau einzuholen, eh' er sich ein Kebsweib beilegen konnte. Auch scheinet sich aus dieser Kebs-Geschichte zu ergeben, daß dergleichen Contrakte nicht auf die ganze Lebensdauer gegangen, und daß oft noch vor Ablauf der contraktmäßigen Zeit der Engel des Gewissens, und der Schutzgeist warnender Umstände dem Manne zugerufen:
stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohne!
Schon hab' ich mein Herz ausgeschüttet, daß der erste Grund zu der männlichen Anmaßung eines Vorzuges vor dem Weibe, in dem Gange aufzusuchen sei, den die Bildung des gesellschaftlichen Zustandes nahm. Ob die Art, wie die geselligen Keime sich bei den Menschen entwickelten, die einzig mögliche; oder ob unter mehreren möglichen die, auf welche die Menschen von der Natur geleitet wurden, der schmale Weg sei, der zum Leben führet: das sind Nebenfragen, die, so wie ihre Stammmutter, vielleicht noch lange, vielleicht immer, unentschieden bleiben werden.
So viel scheint ausgemacht, daß diese Keime sich überall durch ähnliche Veranlassung entwickelt haben müssen, indem sie (ein Beweis, dessen ich gern entübriget wäre) für das weibliche Geschlecht einerlei nachteilige Folgen hervorgebracht haben. Die Gesellschaft ist die Quelle alles Glücks und alles Unglücks, das je dem menschlichen Geschlechte zufiel; und noch ist nicht erschienen, was die Menschen durch sie werden können und durch sie — seyn werden. Wir wissen aber, daß, wenn es erscheinen wird, wenn wir das heilige Gesetz beobachten, und dasselbe, so wie Gott, nicht fürchten sondern lieben, wir Gott ähnlicher seyn und die Krone des Lebens tragen werden. Eine Hoffnung, die Plato nicht den Traum des wachenden Menschen nennen muß, und bei welcher Glaube an das menschliche Geschlecht zum Grunde liegt. Könnt' ich doch hinzufügen: wahrer und lebendiger Glaube! aber noch ist solcher in Israël nicht gefunden — Dieser Glaube ist Welt-Patriotismus.
Darf ich mir ein- für allemal die Erlaubniß auswirken, rückblicken zu dürfen, ohne von irgend einer kritischen Feder das Schicksal von Loths Weibe zu befürchten zu haben?
Zum Fischefangen und Vogelstellen hat jeder Mensch noch immer einen so besonderen Hang, daß gereimte und ungereimte Warnungstafeln aushängen müssen, um den Menschen von diesen Urbeschäftigungen abzuleiten, und ihn, bei den erweiterten und verzärtelten Bedürfnissen, zu andern nothwendig gewordenen künstlichern Nahrungsquellen zu gewöhnen. Der bekannte St. Evremont war bis an sein Ende wohlbestallter Entenhüter zu St. James; jener Schweizer in Frankreich erbat sich die Anwartschaft auf die Hofstelle des Rhinoceros — jener Gelehrter bei dem Hofe Friedrichs II den vacant gewordenen Atheistenplatz; und zu wie vielen Rhinoceros- und Atheisten-Posten müssen sich Menschen nicht herablassen, um ihr tägliches Brot nach der heutigen Auslegung zu erreichen, wovon der Vogelsteller und Fischfänger kein lebendiges Wort wußte, keinen Traum oder todten Gedanken kannte!
Ob Jäger Esau auch ein Fischfänger gewesen, ist nicht bemerkt, und die Herren Juristen würden ohne allen Zweifel einen artigen Fang machen, wenn es ausgemittelt wäre, (ein Lieblingswort dieser Herren, die doch so oft zweckreich und mittelarm zu seyn pflegen) daß der Fischfang schon in den ältesten Zeiten unter der Jagd begriffen gewesen sei.
Warum das weibliche Geschlecht sich nicht die blutarme Fischerei zugeeignet habe, um dem nach Blut dürstenden Manne das Wild zu überlassen? ist eine Frage, die sich bei dieser Gelegenheit von selbst aufwirft. Vielleicht nahm das Weib an allem Theil — vielleicht stand es dem Manne nirgends nach; vielleicht hinderten es nur die letzten Stunden der Schwangerschaft, und sechs Stunden nach der Niederkunft, an den Geschäften des Oberjägermeisters, seines Mannes, unmittelbaren Antheil zu nehmen — Die Gottheit der Jagd, Diana, war bei den jüngeren Alten generis foeminini —
Dieser Stillstand, den Schwangerschaft und Niederkunft verursachten, war, von so kurzer Dauer er auch immer seyn mochte, ohne Zweifel der Grund des weiblichen Falles. In diesen Zwischenzeiten der Muße war es vielleicht, wo das Weib, durch einen dem Geschlecht eigenen und mit seiner Bestimmung vielleicht genau zusammenhangenden Instinkt zu sparen, sich sein Sklavenschicksal bereitete. Warum folgte es nicht der göttlichen Lehre: »sorget nicht für den andern Morgen; es ist genug, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe!« So lange die Nahrungsquellen ergiebig waren, fiel dem Manne nie der Gedanke an das Aufbewahren ein; sein Jagdrevier war seine Speisekammer, zu der alles, was Leben und Odem hatte, gehörte — eine lebendige Speisekammer, bei der er vor dem verdorbenen Geschmack an faul gewordenem Wildbret sehr sicher war! einem Geschmack, der bei allem — das leidige Geld nicht ausgenommen — Statt findet, was man in Scheuren sammelt, denen ohnedies das Motto angeschrieben ist: du N — heute wird man deine Seele von dir fordern; und was wird seyn das du gesammelt hast? — Doch auch dem Geitzhals, dem Teufel, muß man einen Vertheidiger beiordnen —; und in der That ist die Sorge für den andern Morgen, wenn sie rechter Art ist und in ihren Schranken bleibt, eine nicht gemeine Vernunftäußerung. Der Gedanke: »heute ohne Hunger zu jagen, um morgen nicht aus Mangel an Wildbret fasten zu dürfen,« enthält — ungeachtet jener göttlichen Lehre, für den andern Morgen nicht zu sorgen — so viel Überlegung in sich, wie in den Köpfen einer ganzen Heerde von Wilden nicht Platz hatte. Auch hier mußte das Weib dem Manne aushelfen, und wo es auf Vernunftgebrauch ankam, scheint immer das Weib die Bahn gebrochen zu haben. Jene Verlegenheit, in die es die letzten Stunden der Schwangerschaft und die ersten nach der Geburt verwickelten, leitete es, kraft des instinktartigen Gefühls, zur Selbsterhaltung, die ihm wegen der Erhaltung des Säuglinges noch dringender ward, an der Hand der Vernunft, weise und mächtig auf Vorrath zu denken, sich heute etwas zu entziehen, um morgen nicht ganz entbehren zu müssen. Diese Aufbewahrung von Vorräthen, welche anfänglich bloß gelegentlich und nur so lange geschah, als es die Umstände verlangten, ward nach und nach, je nachdem die Menschen sich mehrten und die Nahrungsquellen ärmer wurden, wiederholt, und mit der Zeit beständig. Wenn es wahr ist, daß in vielen Fällen Thiere die Lehrer der Menschen gewesen sind; so wird das Vorrathsammeln ohne Zweifel zu dem Lektionskatalogus dieses Unterrichtes gehören. Der Instinkt (der sich zur Vernunft, wie der Tanzbärleiter zum Hodogeten, verhält) hat seine Kinder schneller und sicherer an Ort und Stelle gebracht, als die sich Zeit nehmende kalte Vernunft die werthen Ihrigen. Gewiß sammelten die Biene und die Ameise früher als der Mensch; vielleicht versteckte das Alterthum diese Wahrheit unter der Fabel von den Myrmidonen. — Nicht etwa bloß Neugierde, wie einige wollen, sondern Beobachtungsanlage lenkte ohne Zweifel zuerst das Weib auf diese Experimental-Unterweisung. Vorräthe erforderten beständige Aufsicht, nähere Einrichtung und Bearbeitung; und so entstand Hausrath. Irgend ein Zufall, und ohne Zweifel die Anhänglichkeit mancher Thiere an den Menschen, lehrte ihn (wahrscheinlich zuerst das Weib), einige Gattungen von Thieren zu seinem beständigen Brauch und Dienste zu zähmen; und so vermehrte sich durch diese Dienstboten, die man im Falle der Noth auch zur Nahrung nahm, der Haushalt. Jetzt mußten die Geschäfte getheilt werden; und da wählte denn der Mann die Jagd, das Weib den Haushalt. So ward das Weib allmählich die Befehlshaberin der Hausthiere, und eh' es sich's versah, das erste Hausthier selbst. Das arme Weib! Doch was kann weiter befremden? ward es doch durch jene Revolution, wodurch es die Freiheit an's Licht brachte, eine Sklavin!