Zwei Erscheinungen fesseln unsere Aufmerksamkeit durch die Folgen, von denen sie begleitet sind: die hohe Kultur und die tiefe Barbarei unserer Zeit. [pg 58] Ich habe diesem Satze absichtlich eine paradox zugespitzte Form gegeben. Unter hoher Kultur verstehe ich die wunderbaren Errungenschaften der Technik, mittel deren wir die Natur unseren Zwecken dienstbar machen; unter der tiefen Barbarei verstehe ich Antisemitismus.

(A Solution of the Jewish Question.)

Die Völker, bei denen Juden wohnen, sind alle samt und sonders verschämt oder unverschämt Antisemiten.

([Der Judenstaat.])

Die Verfolgungen sind nicht mehr so bösartig wie im Mittelalter? Ja, aber unsere Empfindlichkeit ist gewachsen, so daß wir keine Verminderung der Leiden spüren. Die lange Verfolgung hat unsere Nerven überreizt.

([Der Judenstaat.])

Das gewöhnliche Volk hat kein historisches Verständnis und kann keines haben. Es weiß nicht, daß die Sünden des Mittelalters jetzt an den europäischen Völkern heimkommen.

([Der Judenstaat.])

Wir hören Tag für Tag die, wie es scheint, schwierige Frage erörtern, ob wir denn auch Menschen seien wie andere. Es gibt Leute, welche mit Entschiedenheit diese Frage verneinen, dann solche, die mit Einschränkungen bejahen; wenige sind ohne Vorbehalt für uns, und das ist menschlich erklärbar. Das „Liebe deinen Nächsten“ ist nichts Alltägliches — hätte es sonst ein derartiges Aufsehen in der Weltgeschichte erregt?

(Leroy-Beaulieu über den Antisemitismus.)