„Nach reiflicher Ueberlegung aller Gründe würde mein Entschluß sehr bald gefaßt sein, und den einmal eingeschlagenen Weg würde ich dann mit Muth und Dreistigkeit betreten.“

— Wenn aber dieser Weg Sie zum Irrthume, oder gar zum Verbrechen führte? —

„Auch dann würde ich ihn verfolgen, denn von allen Uebeln ist das schlimmste die Unschlüssigkeit. Aber haben Sie sich auch recht davon überzeugt, worin eigentlich die Verlegenheit in Ihrer Lage besteht? Wissen Sie denn bestimmt, wo das Böse und wo das Gute anzutreffen ist? Und seit wann ist es Sitte, daß neuere Rechte die ältern verdrängen können?“

— Lodoiska, was würden Sie also von mir fordern? —

„Alles oder Nichts, Alfred! Sie schaudern? O, dann sind Sie nicht würdig mich weiter anzuhören.“

— Wie könnte ich eine Gattin verlassen, der ich durchaus keinen Vorwurf zu machen habe! mich von einem Kinde trennen ..... —

„Alles oder Nichts, ich wiederhole es Ihnen. Worüber können Sie sich beklagen, da Sie völlig freie Wahl haben, und ich Ihnen deutlich zwei Wege zeige, aus Ihrer Verlegenheit zu kommen?“

— Wohl, Lodoiska! Aber so groß auch meine Anhänglichkeit an meine erste Liebe sein mag, so werde ich doch nie meinen Ruf so beflecken, eine tugendhafte Gattin, die ich freiwillig gewählt habe, wieder zu verlassen. —

„Allerdings! das können Sie auch nicht, ohne Ihrem Rufe, Ihrer Ehre zu schaden, die mir theuer sind. Aber wenn man Sie sprechen hört, sollte man glauben, daß diese Gattin unsterblich ist, oder einen Bund mit der Ewigkeit geschlossen hat.“

— Sie flößen mir Entsetzen ein, Lodoiska, und ich will Sie nicht verstanden haben; ja vielleicht verstehen Sie sich selbst nicht. —