„Da sieht man, sagte Lisette, wie leicht es um uns Menschen geschehen ist! Wie gesund war der arme Werner noch gestern, und heute liegt er todt im Sarge.“
— Und von seiner Seele sprichst du nicht? sagte ein altes Weib, dessen verdächtiger Blick die Knaben und Mädchen des Dorfes in Schrecken setzte, wenn er auf ihnen ruhte; denkst du denn, daß seine Seele jetzt in Ruhe ist? Ist er nicht ohne Abendmahl gestorben, und wird uns sein Geist in Ruhe lassen? —
„Daß doch die Mutter Rieben, sagte ein Bauerknecht, keine Gelegenheit vorbeigehen lassen kann, unsere Fröhlichkeit zu stören, und uns in Angst zu setzen. Warum sollte der brave Werner, der uns im Leben nichts als Gutes gethan hat, uns jetzt, nach seinem Tode, quälen?“
— Hat er seine Sünden bereut? —
„Wißt ihr es? Hat er euch das Gegentheil anvertraut? Uebrigens hat er alle seine Pflichten erfüllt, und er war jeden Sonntag in der Kirche.“
— Aber die junge Dame, Niklas, wie mag es mit der gewesen sein? Haben wir sie je in der Kirche gesehen? Diese ist gewiß mitten in ihren Sünden gestorben, gerade als sie vielleicht noch auf ein langes Leben hoffte. —
„Wir wollen auf ihre Gesundheit trinken! sagte ein Müllerbursche, dessen riesenmäßige Größe und außerordentliche Stärke allgemein bewundert wurden. — Möge es ihr im Grabe gefallen, damit sie nicht wieder daraus hervorkomme.“
Bei diesen Worten hörte Jedermann einen halb erstickten Seufzer. Ueberrascht stand fast die ganze Gesellschaft auf, und auf den meisten Gesichtern sahe man alle Zeichen des Schreckens. Auch der Müllerbursche war eben nicht der Muthigste. Jetzt schlug es zwölf Uhr, und schweigend hörte man dem Schall der Glocke zu.
„Wer mag so geseufzt haben?“ fragte endlich einer aus der Gesellschaft.
— Vielleicht die junge Dame, erwiederte die Alte; sie hat dem Mehlwurm dort ihren Dank für seinen Wunsch abstatten wollen. —