— Ja, ja! im kühlen Grabe, wo ich schon einmal geruht habe. —
„Ich höre nicht weiter auf Sie; kommen Sie jetzt, um das Letzte zu erfüllen.“
Mit diesen Worten schlang er seinen Arm um Lodoiska, und zog sie schnell zur Kapelle hin, während sie ein lautes Geschrei ausstieß, das sich in das Heulen des Sturmwindes mischte.
„Alfred! mein Alfred! so bald willst du sterben? .... Ja, ja, du gehörst mir an, und mein schreckliches Geschäft wird nun erfüllt werden!“
Unter so unerklärbaren Ausrufungen der halb bewußtlosen Lodoiska gelangte der Oberst endlich in die Kapelle, sie mehr tragend als führend. Ein fürchterliches Angstgeschrei war die erste Wirkung, die der Anblick des erleuchteten Altars und des Geistlichen auf sie machte.
„O, grausames Schicksal! rief sie aus; so ist es denn wahr, daß du erfüllt werden mußt?“
Fast mit Gewalt zog Alfred sie bis vor den Altar. Jetzt leistete sie keinen Widerstand mehr, sondern schluchzte nur und zerfloß in Thränen; dann schienen ihre Gesichtszüge sich zu verzerren, und der Kreislauf ihres Blutes sich zu hemmen. Nur an einem dünnen Faden schien das Leben Lodoiska’s noch zu hängen, während der Pfarrer die Trauungsceremonie anfing. Jetzt sollten die Ringe gewechselt werden; aber Lodoiska’s Hand war mit dem Handschuh versehen, dessen wir schon mehrmals erwähnten. Voll heftiger Ungeduld riß der Oberst diesen Handschuh herunter, ehe es Lodoiska verhindern konnte .... und die Abscheu erregenden knöchernen Gebeine eines Skelets fielen ihm und dem erstaunten Geistlichen in die Augen! —
Ein Schrei des Entsetzens entfuhr allen Zeugen dieses schrecklichen Schauspiels. Lodoiska fiel leblos auf den Fußboden nieder, und aus drei geöffneten Wunden quoll ein unreines, stinkendes Blut hervor. —
Am dritten Tage ward der Leichnam der Fremden zur Erde bestattet. Aber mit den ersten Strahlen des Mondes, die ihr Grab beschienen, erhob sie sich abermals aus ihrer Ruhestätte, und .... am andern Morgen fand man den Obersten todt in seinem Bette ..... An drei verschiedenen Orten waren ihm die Adern geöffnet, und in seinem ganzen Körper war auch kein Blutstropfen mehr vorhanden, der von seinem ehemaligen Dasein zeugte. —
Ende.