Es schlug zwölf Uhr, und Johann erschien im Zimmer. Bei seinem Anblick wandte sich der Oberst an Lodoiska:
„Nur noch ein wenig Muth, Geliebte, sagte er; in einigen Augenblicken wird Alles vorbei sein. Folge mir jetzt; in Zeit von einer Stunde sitzen wir schon im Wagen; vorher haben wir aber noch eine Pflicht zu erfüllen, und wir müssen uns jetzt in ein anderes Zimmer begeben.“
— Giebt es einen Ort, antwortete Lodoiska mit dumpfem Tone, wo ich Ruhe finden kann, wo ich von der rachsüchtigen Frau nicht verfolgt werde? —
„Von welcher Frau?“ fragte Alfred lebhaft.
— Wissen Sie es denn nicht? Haben Sie sie denn nicht gesehen, wie sie mit ihrem Kinde umherstreicht? Es ist nicht meine Schuld, wenn sie nicht ihrer drei sind; warum hat sie mich verhindert, mein Geschäft gänzlich zu vollenden! —
„Lodoiska, ich beschwöre Sie bei meiner Liebe, erholen Sie sich; Sie machen mich zum unglücklichsten aller Männer. Was fehlt Ihnen? Was wollen Sie?“
— Ich habe Durst, großen Durst! —
„Er ist ja leicht zu befriedigen.“
— Oh, nicht so leicht! Blut muß ich haben! Blut! und zwar das deinige, Alfred! —
„Ach, Unglückliche, wie kann Ihr Verstand Sie so gänzlich verlassen! Beruhigen Sie sich; vergessen Sie, was geschehen ist, und bedenken Sie, daß wir für einander bestimmt sind.“