Aber dem Fritz fehlte noch etwas. Das bemerkten auch Heiri und Liese; nur Liseli hatte keine Ahnung davon, wenigstens that sie, als merkte sie nichts. „Ich weiß nicht, was der Fritz hat; er kommt nicht mehr so oft zu uns in die Stube herunter wie früher; du hast ihm doch nichts in den Weg gelegt, Liese?“ Ich wüßte nicht was, er ist aber auch stiller als sonst. „Und früher hat er mir einmal gesagt, wenn wir einziehen bei ihm, wolle er die Kost bei uns nehmen, und hat seitdem kein Sterbenswörtlein mehr davon verlauten lassen.“ So redeten sie hin und her und erschöpften sich in allerlei Vermuthungen. Liseli hatte auch etwas wie einen Druck auf dem Gemüthe und sang nicht mehr so munter wie früher. Aber Liese dachte an ihre eigene Jugend zurück und dachte: das sei noch Folge der Körperentwicklung, war doch Liseli oft blaß und dann plötzlich wieder roth, wie wenn sie das Wechselfieber hätte.

Einst sollte Liseli Abends in die Stadt. Unter der Hausthüre gab die Mutter noch einen vorher vergessenen Auftrag. In diesem Augenblick kam Fritz heim. Aber wie er zur Hausthüre hinein und Liseli heraustreten wollte, waren beide plötzlich wie gebannt, und jedes fühlte nur die Gluth zum Kopfe steigen und das Herz gewaltig pochen. Aus lauter Verlegenheit vor einander und vor der Mutter konnte keines ein Wort herausbringen. Da ging Fritz wie gleichgültig an Liseli vorüber, sagte zu Liese mit erzwungener Ruhe seinen Guten Abend und schnell in's Zimmer hinein. – Und Liseli wußte auch nicht wie sie in die Stadt kam, und wie wieder heim; und hatte 1 Vierling Kaffee und 1 Pfund Cichorie mitgebracht und die Bändel in die Sonntagsschuhe vergessen.

Und am Sonntag Abend klopfte es an der Stubenthüre beim Heiri, und herein trat Fritz im neuen schwarzen Kleid und dem feinen Seidenhut in der Hand. Und der Fritz mußte etwas Wichtiges mit dem Heiri und seiner Frau reden und das Liseli ging trotz seiner Neugier ungeheißen in die Küche. Es muß auch recht wichtig gewesen sein, was sie zusammen ausmachten, und Liese hatte feuchte Augen, als ob ihnen das liebgewordene Logis aufgekündet worden wäre. Aber Liseli wurde endlich hereingerufen und den Abend ein extraguter Kaffee für alle Viere gemacht. Denn Fritz hatte um's Liseli angehalten, und Liseli hatte vor Thränen nicht Nein sagen können.

Im Spätherbst war die Hochzeit, und jetzt leben Fritz und Liseli im obern Stock als treues Ehepaar, und Gesundheit, Glück und Frieden wohnt im Hause bei den Vieren. Das möge ihnen Gott der Herr erhalten und reichlich mehren!

Fußnoten:

[A] Sauerstoff.

[B] Kohlensäure.

[C] Wasser. Ein Mensch athmet durchschnittlich in 1 Stunde 300 Litres Luft aus, worunter 12 Litres Kohlensäure enthalten sind.