KAPITEL VIII.
Die östlichen Staaten und der Zweite Makedonische Krieg

Das Werk, welches Koenig Alexander von Makedonien begonnen hatte, ein Jahrhundert zuvor, ehe die Roemer in dem Gebiet, das er sein genannt, den ersten Fussbreit Landes gewonnen, dies Werk hatte im Verlauf der Zeit, bei wesentlicher Festhaltung des grossen Grundgedankens, den Orient zu hellenisieren, sich veraendert und erweitert zu dem Aufbau eines hellenisch-asiatischen Staatensystems. Die unbezwingliche Wander- und Siedellust der griechischen Nation, die einst ihre Handelsleute nach Massalia und Kyrene, an den Nil und in das Schwarze Meer gefuehrt hatte, hielt jetzt fest, was der Koenig gewonnen hatte, und ueberall in dem alten Reich der Achaemeniden liess unter dem Schutz der Sarissen griechische Zivilisation sich friedlich nieder. Die Offiziere, die den grossen Feldherrn beerbten, vertrugen allmaehlich sich untereinander und es stellte ein Gleichgewichtssystem sich her, dessen Schwankungen selbst eine gewisse Regelmaessigkeit zeigen. Von den drei Staaten ersten Ranges, die demselben angehoeren, Makedonien, Asien und Aegypten, war Makedonien unter Philippos dem Fuenften, der seit 534 (220) dort den Koenigsthron einnahm, im ganzen, aeusserlich wenigstens, was es gewesen war unter dem zweiten Philippos, dem Vater Alexanders: ein gut arrondierter Militaerstaat mit wohlgeordneten Finanzen. An der Nordgrenze hatten die ehemaligen Verhaeltnisse sich wiederhergestellt, nachdem die Fluten der gallischen Ueberschwemmung verlaufen waren; die Grenzwache hielt die illyrischen Barbaren wenigstens in gewoehnlichen Zeiten ohne Muehe im Zaum. Im Sueden war Griechenland nicht bloss ueberhaupt von Makedonien abhaengig, sondern ein grosser Teil desselben: ganz Thessalien im weitesten Sinn von Olympos bis zum Spercheios und der Halbinsel Magnesia, die grosse und wichtige Insel Euboea, die Landschaften Lokris, Doris und Phokis, endlich in Attika und im Peloponnes eine Anzahl einzelner Plaetze, wie das Vorgebirge Sunion, Korinth, Orchomenos, Heraea, das triphylische Gebiet - alle diese Land- und Ortschaften waren Makedonien geradezu untertaenig und empfingen makedonische Besatzung, vor allen Dingen die drei wichtigen Festungen Demetrias in Magnesia, Chalkis auf Euboea und Korinth, “die drei Fesseln der Hellenen”. Die Macht des Staates aber lag vor allem in dem Stammland, in der makedonischen Landschaft. Zwar die Bevoelkerung dieses weiten Gebiets war auffallend duenn; mit Anstrengung aller Kraefte vermochte Makedonien kaum soviel Mannschaft aufzubringen als ein gewoehnliches konsularisches Heer von zwei Legionen zaehlte, und es ist unverkennbar, dass in dieser Hinsicht sich das Land noch nicht von der durch die Zuege Alexanders und den gallischen Einfall hervorgebrachten Entvoelkerung erholt hatte. Aber waehrend im eigentlichen Griechenland die sittliche und staatliche Kraft der Nation zerruettet war und dort, da es mit dem Volke doch vorbei und das Leben kaum mehr der Muehe wert schien, selbst von den Besseren der eine ueber dem Becher, der andere mit dem Rapier, der dritte bei der Studierlampe den Tag verdarb, waehrend im Orient und in Alexandreia die Griechen unter die dichte einheimische Bevoelkerung wohl befruchtende Elemente aussaeen und ihre Sprache wie ihre Maulfertigkeit, ihre Wissenschaft und Afterwissenschaft dort ausbreiten konnten, aber ihre Zahl kaum genuegte, um den Nationen die Offiziere, die Staatsmaenner und die Schulmeister zu liefern, und viel zu gering war, um einen Mittelstand rein griechischen Schlages auch nur in den Staedten zu bilden, bestand dagegen im noerdlichen Griechenland noch ein guter Teil der alten kernigen Nationalitaet, aus der die Marathonkaempfer hervorgegangen waren. Daher ruehrt die Zuversicht, mit der die Makedonier, die Aetoler, die Akarnanen, ueberall wo sie im Osten auftreten, als ein besserer Schlag sich geben und genommen werden, und die ueberlegene Rolle, welche sie deswegen an den Hoefen von Alexandreia und Antiocheia spielen. Die Erzaehlung ist bezeichnend von dem Alexandriner, der laengere Zeit in Makedonien gelebt und dort Landessitte und Landestracht angenommen hat, und nun, da er in seine Vaterstadt heimkehrt, sich selber einen Mann und die Alexandriner gleich Sklaven achtet. Diese derbe Tuechtigkeit und der ungeschwaechte Nationalsinn kamen vor allem dem makedonischen als dem maechtigsten und geordnetsten der nordgriechischen Staaten zugute. Wohl ist auch hier der Absolutismus emporgekommen gegen die alte gewissermassen staendische Verfassung; allein Herr und Untertanen stehen doch in Makedonien keineswegs zueinander wie in Asien und Aegypten, und das Volk fuehlt sich noch selbstaendig und frei. In festem Mut gegen den Landesfeind, wie er auch heisse, in unerschuetterlicher Treue gegen die Heimat und die angestammte Regierung, in mutigem Ausharren unter den schwersten Bedraengnissen steht unter allen Voelkern der alten Geschichte keines dem roemischen so nah wie das makedonische, und die an das Wunderbare grenzende Regeneration des Staates nach der gallischen Invasion gereicht den leitenden Maennern wie dem Volke, das sie leiteten, zu unvergaenglicher Ehre.

Der zweite von den Grossstaaten, Asien, war nichts als das oberflaechlich umgestaltete und hellenisierte Persien, das Reich des “Koenigs der Koenige”, wie sein Herr sich, bezeichnend fuer seine Anmassung wie fuer seine Schwaeche, zu nennen pflegte, mit denselben Anspruechen von Hellespont bis zum Pandschab zu gebieten und mit derselben kernlosen Organisation, ein Buendel von mehr oder minder abhaengigen Dependenzstaaten, unbotmaessigen Satrapien und halbfreien griechischen Staedten. Von Kleinasien namentlich, das nominell zum Reich der Seleukiden gezaehlt ward, war tatsaechlich die ganze Nordkueste und der groessere Teil des oestlichen Binnenlandes in den Haenden einheimischer Dynastien oder der aus Europa eingedrungenen Keltenhaufen, von dem Westen ein guter Teil im Besitz der Koenige von Pergamon, und die Inseln und Kuestenstaedte teils aegyptisch, teils frei, so dass dem Grosskoenig hier wenig mehr blieb als das innere Kilikien, Phrygien und Lydien und eine grosse Anzahl nicht wohl zu realisierender Rechtstitel gegen freie Staedte und Fuersten - ganz und gar wie seiner Zeit die Herrschaft des deutschen Kaisers ausser seinem Hausgebiet bestellt war. Das Reich verzehrte sich in den vergeblichen Versuchen, die Aegypter aus den Kuestenlandschaften zu verdraengen, in dem Grenzhader mit den oestlichen Voelkern, den Parthern und Baktriern, in den Fehden mit den zum Unheil Kleinasiens daselbst ansaessig gewordenen Kelten, in den bestaendigen Bestrebungen, den Emanzipationsversuchen der oestlichen Satrapen und der kleinasiatischen Griechen zu steuern, und in den Familienzwisten und Praetendentenaufstaenden, an denen es zwar in keinem der Diadochenstaaten fehlt, wie ueberhaupt an keinem der Greuel, welche die absolute Monarchie in entarteter Zeit in ihrem Gefolge fuehrt, allein die in dem Staate Asien deshalb verderblicher waren als anderswo, weil sie hier bei der losen Zusammenfuegung des Reiches zu der Abtrennung einzelner Landesteile auf kuerzere oder laengere Zeit zu fuehren pflegten.

Im entschiedensten Gegensatz gegen Asien war Aegypten ein festgeschlossener Einheitsstaat, in dem die intelligente Staatskunst der ersten Lagiden unter geschickter Benutzung des alten nationalen und religioesen Herkommens eine vollkommen absolute Kabinettsherrschaft begruendet hatte und wo selbst das schlimmste Missregiment weder Emanzipations- noch Zerspaltungsversuche herbeizufuehren vermochte. Sehr verschieden von dem nationalen Royalismus der Makedonier, der auf ihrem Selbstgefuehl ruhte und dessen politischer Ausdruck war, war in Aegypten das Land vollstaendig passiv, die Hauptstadt dagegen alles und diese Hauptstadt Dependenz des Hofes; weshalb hier mehr noch als in Makedonien und Asien die Schlaffheit und Traegheit der Herrscher den Staat laehmte, waehrend umgekehrt in den Haenden von Maennern, wie der erste Ptolemaeos und Ptolemaeos Euergetes, diese Staatsmaschine sich aeusserst brauchbar erwies. Zu den eigentuemlichen Vorzuegen Aegyptens vor den beiden grossen Rivalen gehoert es, dass die aegyptische Politik nicht nach Schatten griff, sondern klare und erreichbare Zwecke verfolgte. Makedonien, die Heimat Alexanders; Asien, das Land, in dem Alexander seinen Thron gegruendet hatte, hoerten nicht auf, sich als unmittelbare Fortsetzungen der alexandrischen Monarchie zu betrachten und lauter oder leiser den Anspruch zu erheben, dieselbe wenn nicht her-, so doch wenigstens darzustellen. Die Lagiden haben nie eine Weltmonarchie zu gruenden versucht und nie von Indiens Eroberung getraeumt; dafuer aber zogen sie den ganzen Verkehr zwischen Indien und dem Mittelmeer von den phoenikischen Haefen nach Alexandreia und machten Aegypten zu dem ersten Handels- und Seestaat dieser Epoche und zum Herrn des oestlichen Mittelmeeres und seiner Kuesten und Inseln. Es ist bezeichnend, dass Ptolemaeos III. Euergetes alle seine Eroberungen freiwillig an Seleukos Kallinikos zurueckgab bis auf die Hafenstadt von Antiocheia. Teils hierdurch, teils durch die guenstige geographische Lage kam Aegypten den beiden Kontinentalmaechten gegenueber in eine vortreffliche militaerische Stellung zur Verteidigung wie zum Angriff. Waehrend der Gegner selbst nach gluecklichen Erfolgen kaum imstande war, das ringsum fuer Landheere fast unzugaengliche Aegypten ernstlich zu bedrohen, konnten die Aegypter von der See aus nicht bloss in Kyrene sich festsetzen, sondern auch auf Kypros und den Kykladen, auf der phoenikisch-syrischen und auf der ganzen Sued- und Westkueste von Kleinasien, ja sogar in Europa auf dem thrakischen Chersonesos. Durch die beispiellose Ausbeutung des fruchtbaren Niltals zum unmittelbaren Besten der Staatskasse und durch eine die materiellen Interessen ernstlich und geschickt foerdernde und ebenso ruecksichtslose wie einsichtige Finanzwirtschaft war der alexandrinische Hof seinen Gegner auch als Geldmacht bestaendig ueberlegen. Endlich die intelligente Munifizenz, mit der die Lagiden der Tendenz des Zeitalters nach ernster Forschung in allen Gebieten des Koennens und Wissens entgegenkamen und diese Forschungen in die Schranken der absoluten Monarchie einzuhegen und in die Interessen derselben zu verflechten verstanden, nuetzte nicht bloss unmittelbar dem Staat, dessen Schiff- und Maschinenbau den Einfluss der alexandrinischen Mathematik zu ihrem Frommen verspuerten, sondern machte auch diese neue geistige Macht, die bedeutendste und grossartigste, welche das hellenische Volk nach seiner politischen Zersplitterung in sich hegte, soweit sie sich ueberhaupt zur Dienstbarkeit bequemen wollte, zur Dienerin des alexandrinischen Hofes. Waere Alexanders Reich stehengeblieben, so haette die griechische Kunst und Wissenschaft einen Staat gefunden, wuerdig und faehig, sie zu fassen; jetzt wo die Nation in Truemmer gefallen war, wucherte in ihr der gelehrte Kosmopolitismus, und sehr bald ward dessen Magnet Alexandreia, wo die wissenschaftlichen Mittel und Sammlungen unerschoepflich waren, die Koenige Tragoedien und die Minister Kommentare dazu schrieben und die Pensionen und Akademien florierten.

Das Verhaeltnis der drei Grossstaaten zueinander ergibt sich aus dem Gesagten. Die Seemacht, welche die Kuesten beherrschte und das Meer monopolisierte, musste nach dem ersten grossen Erfolg, der politischen Trennung des europaeischen Kontinents von dem asiatischen, weiter hinarbeiten auf die Schwaechung der beiden Grossstaaten des Festlandes und also auf die Beschuetzung der saemtlichen kleineren Staaten, waehrend umgekehrt Makedonien und Asien zwar auch untereinander rivalisierten, aber doch vor allen Dingen in Aegypten ihren gemeinschaftlichen Gegner fanden und ihm gegenueber zusammenhielten oder doch haetten zusammenhalten sollen.

Unter den Staaten zweiten Ranges ist fuer die Beruehrungen des Ostens mit dem Westen zunaechst nur mittelbar von Bedeutung die Staatenreihe, welche vom suedlichen Ende des Kaspischen Meeres zum Hellespont sich hinziehend das Innere und die Nordkueste Kleinasiens ausfuellt: Atropatene (im heutigen Aserbeidschan suedwestlich vom Kaspischen Meer), daneben Armenien, Kappadokien im kleinasiatischen Binnenland, Pontos am suedoestlichen, Bithynien am suedwestlichen Ufer des Schwarzen Meeres - sie alle Splitter des grossen Perserreiches und beherrscht von morgenlaendischen, meistens altpersischen Dynastien, die entlegene Berglandschaft Atropatene namentlich die rechte Zufluchtsstaette des alten Persertums, an der selbst Alexanders Zug spurlos voruebergebraust war, und alle auch in derselben zeitweiligen und oberflaechlichen Abhaengigkeit von der griechischen Dynastie, die in Asien an die Stelle der Grosskoenige getreten war oder sein wollte.

Von groesserer Wichtigkeit fuer die allgemeinen Verhaeltnisse ist der Keltenstaat in dem kleinasiatischen Binnenland. Hier mitten inne zwischen Bithynien, Paphlagonien, Kappadokien und Phrygien hatten drei keltische Voelkerschaften, die Tolistoager, Tectosagen und Trocmer sich ansaessig gemacht, ohne darum weder von der heimischen Sprache und Sitte noch von ihrer Verfassung und ihrem Freibeuterhandwerk zu lassen. Die zwoelf Vierfuersten, jeder einem der vier Kantone eines der drei Staemme vorgesetzt, bildeten mit ihrem Rate von dreihundert Maennern die hoechste Autoritaet der Nation und traten auf der “heiligen Staette” (Drunemetum) namentlich zur Faellung von Bluturteilen zusammen. Seltsam wie diese keltische Gauverfassung den Asiaten erschien, ebenso fremdartig duenkte ihnen der Wagemut und die Landsknechtsitte der nordischen Eindringlinge, welche teils ihren unkriegerischen Nachbarn die Soeldner zu jedem Krieg lieferten, teils die umliegenden Landschaften auf eigene Faust pluenderten oder brandschatzten. Diese rohen aber kraeftigen Barbaren waren der allgemeine Schreck der verweichlichten umwohnenden Nationen, ja der asiatischen Grosskoenige selbst, welche, nachdem manches asiatische Heer von den Kelten war aufgerieben worden, und Koenig Antiochos I. Soter sogar im Kampf gegen sie sein Leben verloren hatte (493 261) zuletzt selber zur Zinszahlung sich verstanden.

Dem kuehnen und gluecklichen Auftreten gegen diese gallischen Horden verdankte es ein reicher Buerger von Pergamon, Attalos, dass er von seiner Vaterstadt den Koenigstitel empfing und ihn auf seine Nachkommen vererbte. Dieser neue Hof war im kleinen was der alexandrinische im grossen; auch hier war die Foerderung der materiellen Interessen, die Pflege von Kunst und Literatur an der Tagesordnung und das Regiment eine umsichtige und nuechterne Kabinettspolitik, deren wesentlicher Zweck war, teils die Macht der beiden gefaehrlichen festlaendischen Nachbarn zu schwaechen, teils einen selbstaendigen Griechenstaat im westlichen Kleinasien zu begruenden. Der wohlgefuellte Schatz trug viel zu der Bedeutung dieser pergamenischen Herren bei; sie schossen den syrischen Koenigen bedeutende Summen vor, deren Rueckzahlung spaeter unter den roemischen Friedensbedingungen eine Rolle spielte, und selbst Gebietserwerbungen gelangen auf diesem Wege, wie zum Beispiel Aegina, das die verbuendeten Roemer und Aetoler im letzten Krieg den Bundesgenossen Philipps, den Achaeern, entrissen hatten, von den Aetolern, denen es vertragsmaessig zufiel, um 30 Talente (51000 Taler) an Attalos verkauft ward. Indes trotz des Hofglanzes und des Koenigstitels behielt das pergamenische Gemeinwesen immer etwas vom staedtischen Charakter, wie es denn auch in seiner Politik gewoehnlich mit den Freistaedten zusammenging. Attalos selbst, der Lorenzo de’ Medici des Altertums, blieb sein lebelang ein reicher Buergersmann, und das Familienleben der Attaliden, aus deren Hause ungeachtet des Koenigstitels die Eintracht und Innigkeit nicht gewichen war, stach sehr ab gegen die wueste Schandwirtschaft der adligeren Dynastien.

In dem europaeischen Griechenland waren ausser den roemischen Besitzungen an der Ostkueste, von denen in den wichtigsten, namentlich in Kerkyra roemische Beamte residiert zu haben scheinen, und dem unmittelbar makedonischen Gebiet noch mehr oder minder imstande, eine eigene Politik zu verfolgen, die Epeiroten, Akarnanen und Aetoler im noerdlichen, die Boeoter und Athener im mittleren Griechenland und die Achaeer, Lakedaemonier, Messenier und Eleer im Peloponnes. Unter diesen waren die Republiken der Epeiroten, Akarnanen und Boeoter in vielfacher Weise eng an Makedonien geknuepft, namentlich die Akarnanen, weil sie der von den Aetolern drohenden Unterdrueckung einzig durch makedonischen Schutz zu entgehen vermochten; von Bedeutung war keine von ihnen. Die inneren Zustaende waren sehr verschieden; wie es zum Teil aussah, dafuer mag als Beispiel dienen, dass bei den Boeotern, wo es freilich am aergsten zuging, es Sitte geworden war, jedes Vermoegen, das nicht in gerader Linie vererbte, an die Kneipgesellschaften zu vermachen, und es fuer die Bewerber um die Staatsaemter manches Jahrzehnt die erste Wahlbedingung war, dass sie sich verpflichteten, keinem Glaeubiger, am wenigsten einem Auslaender, die Ausklagung seiner Schuldner zu gestatten.

Die Athener pflegten von Alexandreia aus gegen Makedonien unterstuetzt zu werden und standen im engen Bunde mit den Aetolern; auch sie indes waren voellig machtlos, und fast nur der Nimbus attischer Kunst und Poesie hob diese unwuerdigen Nachfolger einer herrlichen Vorzeit unter einer Reihe von Kleinstaedten gleichen Schlages hervor.