In Spanien fuegten die griechischen und phoenikischen Staedte an der Kueste, wie Emporiae, Saguntum, Neukarthago, Malaca, Gades, sich um so bereitwilliger der roemischen Herrschaft, als sie sich selber ueberlassen, kaum imstande gewesen waeren, sich gegen die Eingeborenen zu schuetzen; wie aus gleichen Gruenden Massalia, obwohl bei weitem bedeutender und wehrhafter als jene Staedte, es doch nicht versaeumte, durch engen Anschluss an die Roemer, denen Massalia wieder als Zwischenstation zwischen Italien und Spanien vielfach nuetzlich wurde, sich einen maechtigen Rueckhalt zu sichern. Die Eingeborenen dagegen machten den Roemern unsaeglich zu schaffen. Zwar fehlte es keineswegs an Ansaetzen zu einer national-iberischen Zivilisation, von deren Eigentuemlichkeit freilich es uns nicht wohl moeglich ist, eine deutliche Vorstellung zu gewinnen. Wir finden bei den Iberern eine weitverbreitete nationale Schrift, die sich in zwei Hauptarten, die des Ebrotals und die andalusische, und jede von diesen vermutlich wieder in mannigfache Verzweigungen spaltet und deren Ursprung in sehr fruehe Zeit hinaufzureichen und eher auf das altgriechische als auf das phoenikische Alphabet zurueckzugehen scheint. Von den Turdetanern (um Sevilla) ist sogar ueberliefert, dass sie Lieder aus uralter Zeit, ein metrisches Gesetzbuch von 6000 Verszeilen, ja sogar geschichtliche Aufzeichnungen besassen; allerdings wird diese Voelkerschaft die zivilisierteste unter allen spanischen genannt und zugleich die am wenigsten kriegerische, wie sie denn auch ihre Kriege regelmaessig mit fremden Soeldnern fuehrte. Auf dieselbe Gegend werden wohl auch Polybios’ Schilderungen zu beziehen sein von dem bluehenden Stand des Ackerbaus und der Viehzucht in Spanien, weshalb bei dem Mangel an Ausfuhrgelegenheit Korn und Fleisch dort um Spottpreise zu haben war, und von den praechtigen Koenigspalaesten mit den goldenen und silbernen Kruegen voll “Gerstenwein”. Auch die Kulturelemente, die die Roemer mitbrachten, fasste wenigstens ein Teil der Spanier eifrig auf, so dass frueher als irgendwo sonst in den ueberseeischen Provinzen sich in Spanien die Latinisierung vorbereitete. So kam zum Beispiel schon in dieser Epoche der Gebrauch der warmen Baeder nach italischer Weise bei den Eingeborenen auf. Auch das roemische Geld ist allem Anschein nach weit frueher als irgendwo sonst ausserhalb Italien in Spanien nicht bloss gangbar, sondern auch nachgemuenzt worden; was durch die reichen Silberbergwerke des Landes einigermassen begreiflich wird. Das sogenannte “Silber von Osca” (jetzt Huesca in Aragonien), das heisst spanische Denare mit iberischen Aufschriften, wird schon 559 (195) erwaehnt, und viel spaeter kann der Anfang der Praegung schon deshalb nicht gesetzt werden, weil das Gepraege dem der aeltesten roemischen Denare nachgeahmt ist. Allein mochte auch in den suedlichen und oestlichen Landschaften die Gesittung der Eingeborenen der roemischen Zivilisation und der roemischen Herrschaft soweit vorgearbeitet haben, dass diese dort nirgend auf ernstliche Schwierigkeiten stiessen, so war dagegen der Westen und Norden und das ganze Binnenland besetzt von zahlreichen, mehr oder minder rohen Voelkerschaften, die von keinerlei Zivilisation viel wussten - in Intercatia zum Beispiel war noch um 600 (154) der Gebrauch des Goldes und Silbers unbekannt - und sich ebensowenig untereinander wie mit den Roemern vertrugen. Charakteristisch ist fuer diese freien Spanier der ritterliche Sinn der Maenner und wenigstens ebenso sehr der Frauen. Wenn die Mutter den Sohn in die Schlacht entliess, begeisterte sie ihn durch die Erzaehlung von den Taten seiner Ahnen, und dem tapfersten Mann reichte die schoenste Jungfrau unaufgefordert als Braut die Hand. Zweikaempfe waren gewoehnlich, sowohl um den Preis der Tapferkeit wie zur Ausmachung von Rechtshaendeln - selbst Erbstreitigkeiten zwischen fuerstlichen Vettern wurden auf diesem Wege erledigt. Es kam auch nicht selten vor, dass ein bekannter Krieger vor die feindlichen Reihen trat und sich einen Gegner bei Namen herausforderte; der Besiegte uebergab dann dem Gegner Mantel und Schwert und machte auch wohl noch mit ihm Gastfreundschaft. Zwanzig Jahre nach dem Ende des Hannibalischen Krieges sandte die kleine keltiberische Gemeinde von Complega (in der Gegend der Tajoquellen) dem roemischen Feldherrn Botschaft zu, dass er ihnen fuer jeden gefallenen Mann ein Pferd, einen Mantel und ein Schwert senden moege, sonst werde es ihm uebel ergehen. Stolz auf ihre Waffenehre, so dass sie haeufig es nicht ertrugen, die Schmach der Entwaffnung zu ueberleben, waren die Spanier dennoch geneigt, jedem Werber zu folgen und fuer jeden fremden Span ihr Leben einzusetzen - bezeichnend ist die Botschaft, die ein der Landessitte wohl kundiger roemischer Feldherr einem keltiberischen, im Solde der Turdetaner gegen die Roemer fechtenden Schwarm zusandte: entweder nach Hause zu kehren, oder fuer doppelten Sold in roemische Dienste zu treten, oder Tag und Ort zur Schlacht zu bestimmen. Zeigte sich kein Werbeoffizier, so trat man auch wohl auf eigene Hand zu Freischaren zusammen, um die friedlicheren Landschaften zu brandschatzen, ja sogar die Staedte einzunehmen und zu besetzen, ganz in kampanischer Weise. Wie wild und unsicher das Binnenland war, davon zeugt zum Beispiel, dass die Internierung westlich von Cartagena bei den Roemern als schwere Strafe galt, und dass in einigermassen aufgeregten Zeiten die roemischen Kommandanten des jenseitigen Spaniens Eskorten bis zu 6000 Mann mit sich nahmen. Deutlicher noch zeigt es der seltsame Verkehr, den in der griechisch-spanischen Doppelstadt Emporiae an der oestlichen Spitze der Pyrenaeen die Griechen mit ihren spanischen Nachbarn pflogen. Die griechischen Ansiedler, die auf der Spitze der Halbinsel, von dem spanischen Stadtteil durch eine Mauer getrennt wohnten, liessen diese jede Nacht durch den dritten Teil ihrer Buergerwehr besetzen und an dem einzigen Tor einen hoeheren Beamten bestaendig die Wache versehen; kein Spanier durfte die griechische Stadt betreten und die Griechen brachten den Eingeborenen die Waren nur zu in starken und wohleskortierten Abteilungen. Diese Eingeborenen voll Unruhe und Kriegslust, voll von dem Geiste des Cid wie des Don Quixote sollten denn nun von den Roemern gebaendigt und womoeglich gesittigt werden. Militaerisch war die Aufgabe nicht schwer. Zwar bewiesen die Spanier nicht bloss hinter den Mauern ihrer Staedte oder unter Hannibals Fuehrung, sondern selbst allein und in offener Feldschlacht sich als nicht veraechtliche Gegner; mit ihrem kurzen zweischneidigen Schwert, welches spaeter die Roemer von ihnen annahmen, und ihren gefuerchteten Sturmkolonnen brachten sie nicht selten selbst die roemischen Legionen zum Wanken. Haetten sie es vermocht, sich militaerisch zu disziplinieren und politisch zusammenzuschliessen, so haetten sie vielleicht der aufgedrungenen Fremdherrschaft sich entledigen koennen; aber ihre Tapferkeit war mehr die des Guerillas als des Soldaten und es mangelte ihr voellig der politische Verstand. So kam es in Spanien zu keinem ernsten Krieg, aber ebensowenig zu einem ernstlichen Frieden; die Spanier haben sich, wie Caesar spaeter ganz richtig ihnen vorhielt, nie im Frieden ruhig und nie im Kriege tapfer erwiesen. So leicht der roemische Feldherr mit den Insurgentenhaufen fertig ward, so schwer war es dem roemischen Staatsmanne, ein geeignetes Mittel zu bezeichnen, um Spanien wirklich zu beruhigen und zu zivilisieren: in der Tat konnte er, da das einzige wirklich genuegende, eine umfassende latinische Kolonisierung, dem allgemeinen Ziel der roemischen Politik dieser Epoche zuwiderlief, hier nur mit Palliativen verfahren.

Das Gebiet, welches die Roemer im Laufe des Hannibalischen Krieges in Spanien erwarben, zerfiel von Haus aus in zwei Massen; die ehemals karthagische Provinz, die zunaechst die heutigen Landschaften Andalusien, Granada, Murcia und Valencia umfasste, und die Ebrolandschaft oder das heutige Aragonien und Katalonien, das Standquartier des roemischen Heeres waehrend des letzten Krieges; aus welchen Gebieten die beiden roemischen Provinzen des Jen- und Diesseitigen Spaniens hervorgingen. Das Binnenland, ungefaehr den beiden Kastilien entsprechend, das die Roemer unter dem Namen Keltiberien zusammenfassten, suchte man allmaehlich unter roemische Botmaessigkeit zu bringen, waehrend man die Bewohner der westlichen Landschaften, namentlich die Lusitaner im heutigen Portugal und dem spanischen Estremadura, von Einfaellen in das roemische Gebiet abzuhalten sich begnuegte und mit den Staemmen an der Nordkueste, den Callaekern, Asturern und Kantabrern ueberhaupt noch gar nicht sich beruehrte. Die Behauptung und Befestigung der gewonnenen Erfolge war indes nicht durchzufuehren ohne eine stehende Besatzung, indem dem Vorsteher des diesseitigen Spaniens namentlich die Baendigung der Keltiberer und dem des jenseitigen die Zurueckweisung der Lusitaner jaehrlich zu schaffen machten. Es ward somit noetig, in Spanien ein roemisches Heer von vier starken Legionen oder etwa 40000 Mann Jahr aus Jahr ein auf den Beinen zu halten; wobei dennoch sehr haeufig zur Verstaerkung der Truppen in den von Rom besetzten Landschaften der Landsturm aufgeboten werden musste. Es war dies in doppelter Weise von grosser Wichtigkeit, indem hier zuerst, wenigstens zuerst in groesserem Umfang, die militaerische Besetzung des Landes bleibend und infolgedessen auch der Dienst anfaengt dauernd zu werden. Die alte roemische Weise, nur dahin Truppen zu senden, wohin das augenblickliche Kriegsbeduerfnis sie rief, und ausser in sehr schweren und wichtigen Kriegen die einberufenen Leute nicht ueber ein Jahr bei der Fahne zu halten, erwies sich als unvertraeglich mit der Behauptung der unruhigen, fernen und ueberseeischen spanischen Aemter; es war schlechterdings unmoeglich, die Truppen von da wegzuziehen, und sehr gefaehrlich, sie auch nur in Masse abzuloesen. Die roemische Buergerschaft fing an innezuwerden, dass die Herrschaft ueber ein fremdes Volk nicht bloss fuer den Knecht eine Plage ist, sondern auch fuer den Herrn, und murrte laut ueber den verhassten spanischen Kriegsdienst. Waehrend die neuen Feldherren mit gutem Grund sich weigerten, die Gesamtabloesung der bestehenden Korps zu gestatten, meuterten diese und drohten, wenn man ihnen den Abschied nicht gebe, ihn sich selber zu nehmen.

Den Kriegen selbst, die in Spanien von den Roemern gefuehrt wurden, kommt nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Sie begannen schon mit Scipios Abreise und waehrten, solange der Hannibalische Krieg dauerte. Nach dem Frieden mit Karthago (553 201) ruhten auch auf der Halbinsel die Waffen, jedoch nur auf kurze Zeit. Im Jahre 557 (197) brach in beiden Provinzen eine allgemeine Insurrektion aus; der Befehlshaber der Jenseitigen ward hart gedraengt, der der Diesseitigen voellig ueberwunden und selber erschlagen. Es ward noetig, den Krieg mit Ernst anzugreifen, und obwohl inzwischen der tuechtige Praetor Quintus Minucius ueber die erste Gefahr Herr geworden war, beschloss doch der Senat im Jahre 559 (195), den Konsul Marcus Cato selbst nach Spanien zu senden. Er fand auch in der Tat bei der Landung in Emporiae das ganze Diesseitige Spanien von den Insurgenten ueberschwemmt; kaum dass diese Hafenstadt und im inneren Land ein paar Burgen noch fuer Rom behauptet wurden. Es kam zur offenen Feldschlacht zwischen den Insurgenten und dem konsularischen Heer, in der nach hartem Kampf Mann gegen Mann endlich die roemische Kriegskunst mit der gesparten Reserve den Tag entschied. Das ganze Diesseitige Spanien sandte darauf seine Unterwerfung ein; indes es war mit derselben so wenig ernstlich gemeint, dass auf das Geruecht von der Heimkehr des Konsuls nach Rom sofort der Aufstand abermals begann. Allein das Geruecht war falsch, und nachdem Cato die Gemeinden, die zum zweitenmal sich aufgelehnt hatten, schnell bezwungen und in Masse in die Sklaverei verkauft hatte, ordnete er eine allgemeine Entwaffnung der Spanier in der diesseitigen Provinz an und erliess an die saemtlichen Staedte der Eingeborenen von den Pyrenaeen bis zum Guadalquivir den Befehl, ihre Mauern an einem und demselben Tage niederzureissen. Niemand wusste, wie weit das Gebot sich erstreckte, und es war keine Zeit sich zu verstaendigen; die meisten Gemeinden gehorchten und auch von den wenigen widerspenstigen wagten es nicht viele, als das roemische Heer demnaechst vor ihren Mauern erschien, es auf den Sturm ankommen zu lassen.

Diese energischen Massregeln waren allerdings nicht ohne nachhaltigen Erfolg. Allein nichtsdestoweniger hatte man fast jaehrlich in der “friedlichen Provinz” ein Gebirgstal oder ein Bergkastell zum Gehorsam zu bringen, und die stetigen Einfaelle der Lusitaner in die jenseitige Provinz fuehrten gelegentlich zu derben Niederlagen der Roemer; wie zum Beispiel 563 (191) ein roemisches Heer nach starkem Verlust sein Lager im Stich lassen und in Eilmaerschen in die ruhigeren Landschaften zurueckkehren musste. Erst ein Sieg, den der Praetor Lucius Aemilius Paullus 565 (189) ^2, und ein zweiter noch bedeutenderer, den der tapfere Praetor Gaius Calpurnius jenseits des Tagus 569 (185) ueber die Lusitaner erfocht, schafften auf einige Zeit Ruhe. Im diesseitigen Spanien ward die bis dahin fast nominelle Herrschaft der Roemer ueber die keltiberischen Voelkerschaften fester begruendet durch Quintus Fulvius Flaccus, der nach einem grossen Siege ueber dieselben 573 (181) wenigstens die naechstliegenden Kantone zur Unterwerfung zwang, und besonders durch seinen Nachfolger Tiberius Gracchus (575, 576 179, 178), welcher mehr noch als durch die Waffen, mit denen er dreihundert spanische Ortschaften sich unterwarf, durch sein geschicktes Eingehen auf die Weise der schlichten und stolzen Nation dauernde Erfolge erreichte. Indem er angesehene Keltiberer bestimmte, im roemischen Heer Dienste zu nehmen, schuf er sich eine Klientel; indem er den schweifenden Leuten Land anwies und sie in Staedten zusammenzog - die spanische Stadt Graccurris bewahrte des Roemers Namen -, ward dem Freibeuterwesen ernstlich gesteuert; indem er die Verhaeltnisse der einzelnen Voelkerschaften zu den Roemern durch gerechte und weise Vertraege regelte, verstopfte er soweit moeglich die Quelle kuenftiger Empoerungen. Sein Name blieb bei den Spaniern in gesegnetem Andenken, und es trat in dem Lande seitdem, wenn auch die Keltiberer noch manches Mal unter dem Joch zuckten, doch vergleichungsweise Ruhe ein.

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^2 Von diesem Statthalter ist kuerzlich das folgende Dekret auf einer in der Naehe von Gibraltar aufgefundenen, jetzt im Pariser Museum aufbewahrten Kupfertafel zum Vorschein gekommen: “L. Aimilius, des Lucius Sohn, Imperator, hat verfuegt, dass die in dem Turm von Laskuta [durch Muenzen und Plin. 3, 1, 15 bekannt, aber ungewisser Lage] wohnhaften Sklaven der Hastenser [Hasta regia, unweit Jerez de la Frontera] frei sein sollen. Den Boden und die Ortschaft, die sie zur Zeit besitzen, sollen sie auch ferner besitzen und haben, so lange es dem Volk und dem Rat der Roemer belieben wird. Verhandelt im Lager am 12. Januar [564 oder 565 der Stadt]. “ (L. Aimilius L. f. inpeirator decreivit, utei quei Hastensium seruei in turri Lascutana habitarent, leiberei essent. Agrum oppidumqu[eJ, quod ea tempestate posedisent, item possidere habereque iousit, dum poplus senatusque Romanus vellet. Act. in castreis a. d. XII k. Febr.) Es ist dies die aelteste roemische Urkunde, die wir im Original besitzen, drei Jahre frueher abgefasst als der bekannte Erlass der Konsuln des Jahres 568 (186) in der Bacchanalienangelegenheit.

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Das Verwaltungssystem der beiden spanischen Provinzen war dem sizilisch-sardinischen aehnlich, aber nicht gleich. Die Oberverwaltung ward wie hier so dort in die Haende zweier Nebenkonsuln gelegt, die zuerst im Jahr 557 (197) ernannt wurden, in welches Jahr auch die Grenzregulierung und die definitive Organisierung der neuen Provinzen faellt. Die verstaendige Anordnung des Baebischen Gesetzes (573 181), dass die spanischen Praetoren immer auf zwei Jahre ernannt werden sollten, kam infolge des steigenden Zudrangs zu den hoechsten Beamtenstellen und mehr noch infolge der eifersuechtigen Ueberwachung der Beamtengewalt durch den Senat nicht ernstlich zur Ausfuehrung, und es blieb, soweit nicht in ausserordentlichem Wege Abweichungen eintraten, auch hier bei dem fuer diese entfernten und schwer kennenzulernenden Provinzen besonders unvernuenftigen jaehrlichen Wechsel der roemischen Statthalter. Die abhaengigen Gemeinden wurden durchgaengig zinspflichtig; allein statt der sizilischen und sardinischen Zehnten und Zoelle wurden in Spanien vielmehr von den Roemern, eben wie frueher hier von den Karthagern, den einzelnen Staedten und Staemmen feste Abgaben an Geld oder sonstigen Leistungen auferlegt, welche auf militaerischere Wege beizutreiben der Senat infolge der Beschwerdefuehrung der spanischen Gemeinden im Jahr 583 (171) untersagte. Getreidelieferungen wurden hier nicht anders als gegen Entschaedigung geleistet, und auch hierbei durfte der Statthalter nicht mehr als das zwanzigste Korn erheben und ueberdies gemaess der eben erwaehnten Vorschrift der Oberbehoerde den Taxpreis nicht einseitig feststellen. Dagegen hatte die Verpflichtung der spanischen Untertanen, zu den roemischen Heeren Zuzug zu leisten, hier eine ganz andere Wichtigkeit als wenigstens in dem friedlichen Sizilien, und es ward dieselbe auch in den einzelnen Vertraegen genau geordnet. Auch das Recht der Praegung von Silbermuenzen roemischer Waehrung scheint den spanischen Staedten sehr haeufig zugestanden und das Muenzmonopol hier keineswegs so wie in Sizilien von der roemischen Regierung in Anspruch genommen worden zu sein. Ueberall bedurfte man in Spanien zu sehr der Untertanen, um hier nicht die Provinzialverfassung in moeglichst schonender Weise einzufuehren und zu handhaben. Zu den besonders von Rom beguenstigten Gemeinden zaehlten namentlich die grossen Kuestenplaetze griechischer, phoenikischer oder roemischer Gruendung, wie Saguntum, Gades, Tarraco, die als die natuerlichen Pfeiler der roemischen Herrschaft auf der Halbinsel zum Buendnis mit Rom zugelassen wurden. Im ganzen war Spanien fuer die roemische Gemeinde militaerisch sowohl wie finanziell mehr eine Last als ein Gewinn; und die Frage liegt nahe, weshalb die roemische Regierung, in deren damaliger Politik der ueberseeische Laendererwerb offenbar noch nicht lag, sich dieser beschwerlichen Besitzungen nicht entledigt hat. Die nicht unbedeutenden Handelsverbindungen, die wichtigen Eisen- und die noch wichtigeren, selbst im fernen Orient seit alter Zeit beruehmten Silbergruben ^3, welche Rom wie Karthago fuer sich nahm und deren Bewirtschaftung namentlich Marcus Cato regulierte (559 195), werden dabei ohne Zweifel mitbestimmend gewesen sein; allein die Hauptursache, weshalb man die Halbinsel in unmittelbarem Besitz behielt, war die, dass es dort an Staaten mangelte, wie im Keltenland die massaliotische Republik, in Libyen das numidische Koenigreich waren, und dass man Spanien nicht loslassen konnte, ohne die Erneuerung des spanischen Koenigreichs der Barleiden jedem unternehmenden Kriegsmann freizugeben.

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^3 1. Makk. 8, 3: “Und Judas hoerte, was die Roemer getan hatten im Lande Hispanien, um Herren zu werden der Silber- und Goldgruben daselbst.”