So hatte sich wieder einmal recht deutlich gezeigt, dass fuer die weitlaeufigen und schwierigen Verhaeltnisse, in welche Rom durch seine Siege gebracht war, die souveraenen Buergerversammlungen mit ihren kurzsichtigen und vom Zufall abhaengigen Beschluessen schlechterdings nicht mehr passten und dass deren verkehrtes Eingreifen in die Staatsmaschine zu gefaehrlichen Modifikationen der militaerisch notwendigen Massregeln und zu noch gefaehrlicherer Zuruecksetzung der latinischen Bundesgenossen fuehrte.

Philippos’ Lage war sehr uebel. Die oestlichen Staaten, die gegen jede Einmischung Roms haetten zusammenstehen muessen und unter anderen Umstaenden auch vielleicht zusammengestanden waeren, waren hauptsaechlich durch seine Schuld so untereinander verhetzt, dass sie die roemische Invasion entweder nicht zu hindern oder sogar zu foerdern geneigt waren. Asien, Philipps natuerlicher und wichtiger Bundesgenosse, war von ihm vernachlaessigt worden und ueberdies zunaechst durch die Verwicklung mit Aegypten und den syrischen Krieg an taetigem Eingreifen gehindert. Aegypten hatte ein dringendes Interesse daran, dass die roemische Flotte dem Ostmeer fern blieb; selbst jetzt noch gab eine aegyptische Gesandtschaft in Rom sehr deutlich zu verstehen, wie bereit der alexandrinische Hof sei, den Roemern die Muehe abzunehmen, in Attika zu intervenieren. Allein der zwischen Asien und Makedonien abgeschlossene Teilungsvertrag ueber Aegypten warf diesen wichtigen Staat geradezu den Roemern in die Arme und erzwang die Erklaerung des Kabinetts von Alexandreia, dass es in die Angelegenheiten des europaeischen Griechenlands sich nur mit Einwilligung der Roemer mischen werde. Aehnlich, aber noch bedraengter gestellt waren die griechischen Handelsstaedte, an ihrer Spitze Rhodos, Pergamon, Byzanz; sie haetten unter anderen Umstaenden ohne Zweifel das Ihrige getan, um den Roemern das Ostmeer zu verschliessen, aber Philippos’ grausame und vernichtende Eroberungspolitik hatte sie zu einem ungleichen Kampf gezwungen, in den sie ihrer Selbsterhaltung wegen alles anwenden mussten, die italische Grossmacht zu verwickeln. Im eigentlichen Griechenland fanden die roemischen Gesandten, die dort eine zweite Ligue gegen Philippos zu stiften beauftragt waren, gleichfalls vom Feinde wesentlich vorgearbeitet. Von der antimakedonischen Partei, den Spartanern, Eleern, Athenern und Aetolern, haette Philippos die letzten vielleicht zu gewinnen vermocht, da der Friede von 548 (206) in ihren Freundschaftsbund mit Rom einen tiefen und keineswegs aufgeheilten Riss gemacht hatte; allein abgesehen von den alten Differenzen, die wegen der von Makedonien der aetolischen Eidgenossenschaft entzogenen thessalischen Staedte Echinos, Larissa Kremaste, Pharsalos und des phthiotischen Thebae zwischen den beiden Staaten bestanden, hatte die Vertreibung der aetolischen Besatzungen aus Lysimacheia und Kios bei den Aetolern neue Erbitterung gegen Philippos hervorgerufen. Wenn sie zauderten, sich der Ligue gegen ihn anzuschliessen, so lag der Grund wohl hauptsaechlich in der fortwirkenden Verstimmung zwischen ihnen und den Roemern.

Bedenklicher noch war es, dass selbst unter den fest an das makedonische Interesse geknuepften griechischen Staaten, den Epeiroten, Akarnanen, Boeotern und Achaeern, nur die Akarnanen und Boeoter unerschuettert zu Philippos standen. Mit den Epeiroten verhandelten die roemischen Gesandten nicht ohne Erfolg und namentlich der Koenig der Athamanen, Amynander, schloss an Rom sich fest an. Sogar von den Achaeern hatte Philippos durch die Ermordung des Aratos teils viele verletzt, teils ueberhaupt einer freieren Entwicklung der Eidgenossenschaft wieder Raum gegeben; sie hatte unter Philopoemens (502-571 252-183, Strateg zuerst 546 208) Leitung ihr Heerwesen regeneriert, in gluecklichen Kaempfen gegen Sparta das Zutrauen zu sich selber wiedergefunden und folgte nicht mehr, wie zu Aratos’ Zeit, blind der makedonischen Politik. Einzig in ganz Hellas sah die achaeische Eidgenossenschaft, die von Philippos’ Vergroesserungssucht weder Nutzen noch zunaechst Nachteil zu erwarten hatte, diesen Krieg vom unparteiischen und nationalhellenischen Gesichtspunkte an; sie begriff, was zu begreifen nicht schwer war, dass die hellenische Nation damit den Roemern selber sich auslieferte, sogar ehe diese es wuenschten und begehrten, und versuchte darum, zwischen Philippos und den Rhodiern zu vermitteln; allein es war zu spaet. Der nationale Patriotismus, der einst den Bundesgenossenkrieg beendigt und der. ersten Krieg zwischen Makedonien und Rom wesentlich mit herbeigefuehrt hatte, war erloschen; die achaeische Vermittlung blieb ohne Erfolg, und vergeblich bereiste Philippos die Staedte und Inseln, um die Nation wieder zu entflammen - es war das die Nemesis fuer Kios und Abydos. Die Achaeer, da sie nicht aendern konnten und nicht helfen mochten, blieben neutral.

Im Herbst des Jahres 554 (200) landete der Konsul Publius Sulpicius Galba mit seinen beiden Legionen und 1000 numidischen Reitern, ja sogar mit Elefanten, die aus der karthagischen Beute herruehrten, bei Apollonia; auf welche Nachricht der Koenig eilig vom Hellespont nach Thessalien zurueckkehrte. Indes teils die schon weit vorgerueckte Jahreszeit, teils die Erkrankung des roemischen Feldherrn bewirkten, dass zu Lande dies Jahr nichts weiter vorgenommen ward als eine starke Rekognoszierung, bei der die naechstliegenden Ortschaften, namentlich die makedonische Kolonie Antipatreia, von den Roemern besetzt wurden. Fuer das naechste Jahr ward mit den noerdlichen Barbaren, namentlich mit Pleuratos, dem damaligen Herrn von Skodra, und dem Dardanerfuersten Bato, die selbstverstaendlich eilten, die gute Gelegenheit zu nutzen, ein gemeinschaftlicher Angriff auf Makedonien verabredet.

Wichtiger waren die Unternehmungen der roemischen Flotte, die 100 Deck- und 80 leichte Schiffe zaehlte. Waehrend die uebrigen Schiffe bei Kerkyra fuer den Winter Station nahmen, ging eine Abteilung unter Gaius Claudius Cento nach dem Peiraeeus, um den bedraengten Athenern Beistand zu leisten. Da Cento indes die attische Landschaft gegen die Streifereien der korinthischen Besatzung und die makedonischen Korsaren schon hinreichend gedeckt fand, segelte er weiter und erschien ploetzlich vor Chalkis auf Euboea, dem Hauptwaffenplatz Philipps in Griechenland, wo die Magazine, die Waffenvorraete und die Gefangenen aufbewahrt wurden und der Kommandant Sopater nichts weniger als einen roemischen Angriff erwartete. Die unverteidigte Mauer ward erstiegen, die Besatzung niedergemacht, die Gefangenen befreit und die Vorraete verbrannt; leider fehlte es an Truppen, um die wichtige Position zu halten. Auf die Kunde von diesem ueberfall brach Philippos in ungestuemer Erbitterung sofort von Demetrias in Thessalien auf nach Chalkis, und da er hier nichts von dem Feind mehr fand als die Brandstaette, weiter nach Athen, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Allein die Ueberrumpelung misslang und auch der Sturm war vergeblich, so sehr der Koenig sein Leben preisgab; das Herannahen von Gaius Claudius vom Peiraeeus, des Attalos von Aegina her zwangen ihn zum Abzug. Philippos verweilte indes noch einige Zeit in Griechenland; aber politisch und militaerisch waren seine Erfolge gleich gering. Umsonst versuchte er die Achaeer fuer sich in Waffen zu bringen; und ebenso vergeblich waren seine Angriffe auf Eleusis und den Peiraeeus sowie ein zweiter auf Athen selbst. Es blieb ihm nichts uebrig, als seine begreifliche Erbitterung in unwuerdiger Weise durch Verwuestung der Landschaft und Zerstoerung, der Baeume des Akademos zu befriedigen und nach dem Norden zurueckzukehren. So verging der Winter. Mit dem Fruehjahr 555 (199) brach der Prokonsul Publius Sulpicius aus seinem Winterlager auf, entschlossen, seine Legionen von Apollonia auf der kuerzesten Linie in das eigentliche Makedonien zu fuehren. Diesen Hauptangriff von Westen her sollten drei Nebenangriffe unterstuetzen: in noerdlicher Richtung der Einfall der Dardaner und Illyrier, in oestlicher ein Angriff der kombinierten Flotte der Roemer und der Bundesgenossen, die bei Aegina sich sammelte; endlich von Sueden her sollten die Athamanen vordringen und, wenn es gelang, sie zur Teilnahme am Kampfe zu bestimmen, zugleich die Aetoler. Nachdem Galba die Berge, die der Apsos (jetzt Beratinó) durchschneidet, ueberschritten hatte und durch die fruchtbare dassaretische Ebene gezogen war, gelangte er an die Gebirgskette, die Illyrien und Makedonien scheidet und betrat, diese uebersteigend, das eigentliche makedonische Gebiet. Philippos war ihm entgegengegangen; allein in den ausgedehnten und schwach bevoelkerten Landschaften Makedoniens suchten sich die Gegner einige Zeit vergeblich, bis sie endlich in der lynkestischen Provinz, einer fruchtbaren aber sumpfigen Ebene, unweit der nordwestlichen Landesgrenze aufeinandertrafen und keine 1000 Schritt voneinander die Lager schlugen. Philippos’ Heer zaehlte, nachdem er das zur Besetzung der noerdlichen Paesse detachierte Korps an sich gezogen hatte, etwa 20000 Mann zu Fuss und 2000 Reiter; das roemische war ungefaehr ebenso stark. Indes die Makedonier hatten den grossen Vorteil, dass sie, in der Heimat fechtend und mit Weg und Steg bekannt, mit leichter Muehe den Proviant zugefuehrt erhielten, waehrend sie sich so dicht an die Roemer gelagert hatten, dass diese es nicht wagen konnten, zu ausgedehnter Fouragierung sich zu zerstreuen. Der Konsul bot die Schlacht wiederholt an, allein der Koenig versagte sie beharrlich und die Gefechte zwischen den leichten Truppen, wenn auch die Roemer darin einige Vorteile erfochten, aenderten in der Hauptsache nichts. Galba war genoetigt, sein Lager abzubrechen und anderthalb Meilen weiter bei Oktolophos ein anderes aufzuschlagen, von wo er leichter sich verproviantieren zu koennen meinte. Aber auch hier wurden die ausgeschickten Abteilungen von den leichten Truppen und der Reiterei der Makedonier vernichtet; die Legionen mussten zu Hilfe kommen und trieben dann freilich die makedonische Vorhut, die zu weit vorgegangen war, mit starkem Verlust in das Lager zurueck, wobei der Koenig selbst das Pferd verlor und nur durch die hochherzige Hingebung eines seiner Reiter das Leben rettete. Aus dieser gefaehrlichen Lage befreite die Roemer der bessere Erfolg der von Galba veranlassten Nebenangriffe der Bundesgenossen oder vielmehr die Schwaeche der makedonischen Streitkraefte. Obwohl Philippos in seinem Gebiet moeglichst starke Aushebungen vorgenommen und roemische Ueberlaeufer und andere Soeldner hinzugeworben hatte, hatte er doch nicht vermocht, ausser den Besatzungen in Kleinasien und Thrakien, mehr als das Heer, womit er selbst dem Konsul gegenueberstand, auf die Beine zu bringen, und ueberdies noch, um dieses zu bilden, die Nordpaesse in der pelagonischen Landschaft entbloessen muessen. Fuer die Deckung der Ostkueste verliess er sich teils auf die von ihm angeordnete Verwuestung der Inseln Skiathos und Peparethos, die der feindlichen Flotte eine Station haetten bieten koennen, teils auf die Besatzung von Thasos und der Kueste und auf die unter Herakleides bei Demetrias aufgestellte Flotte. Fuer die Suedgrenze hatte er gar auf die mehr als zweifelhafte Neutralitaet der Aetoler rechnen muessen. Jetzt traten diese ploetzlich dem Bunde gegen Makedonien bei und drangen sofort mit den Athamanen vereinigt in Thessalien ein, waehrend zugleich die Dardaner und Illyrier die noerdlichen Landschaften ueberschwemmten und die roemische Flotte unter Lucius Apustius, von Kerkyra aufbrechend, in den oestlichen Gewaessern erschien, wo die Schiffe des Attalos, der Rhodier und der Istrier sich mit ihr vereinigten.

Philippos gab hiernach freiwillig seine Stellung auf und wich in oestlicher Richtung zurueck: ob es geschah, um den wahrscheinlich unvermuteten Einfall der Aetoler zurueckzuschlagen oder um das roemische Heer sich nach und ins Verderben zu ziehen oder um je nach den Umstaenden das eine oder das andere zu tun, ist nicht wohl zu entscheiden. Er bewerkstelligte seinen Rueckzug so geschickt, dass Galba, der den verwegenen Entschluss fasste, ihm zu folgen, seine Spur verlor und es Philippos moeglich ward, den Engpass, der die Landschaften Lynkestis und Eordaea scheidet, auf Seitenwegen zu erreichen und zu besetzen, um die Roemer hier zu erwarten und ihnen einen heissen Empfang zu bereiten. Es kam an der von ihm gewaehlten Stelle zur Schlacht. Aber die langen makedonischen Speere erwiesen sich unbrauchbar auf dem waldigen und ungleichen Terrain; die Makedonier wurden teils umgangen, teils durchbrochen und verloren viele Leute. Indes wenn auch Philippos’ Heer nach diesem ungluecklichen Treffen nicht laenger imstande war, den Roemern das weitere Vordringen zu wehren, so scheuten sich doch diese selber in dem unwegsamen und feindlichen Land, weiteren unbekannten Gefahren entgegenzuziehen, und kehrten zurueck nach Apollonia, nachdem sie die fruchtbaren Landschaften Hochmakedoniens Eordaea, Elimea, Orestis verwuestet und die bedeutendste Stadt von Orestis, Keletron (jetzt Kastoria auf einer Halbinsel in dem gleichnamigen See), sich ihnen ergeben hatte - es war die einzige makedonische Stadt, die den Roemern ihre Tore oeffnete. Im illyrischen Land ward die Stadt der Dassaretier, Pelion, an den oberen Zufluessen des Apsos, erstuermt und stark besetzt, um auf einem aehnlichen Zug kuenftig als Basis zu dienen.

Philippos stoerte die roemische Hauptarmee auf ihrem Rueckzug nicht, sondern wandte sich in Gewaltmaerschen gegen die Aetoler und Athamanen, die in der Meinung, dass die Legionen den Koenig beschaeftigten, das reiche Tal des Peneios furcht- und ruecksichtslos pluenderten, schlug sie vollstaendig und noetigte, was nicht fiel, sich einzeln auf den wohlbekannten Bergpfaden zu, retten. Durch diese Niederlage und ebenso sehr durch die starken Werbungen, die in Aetolien fuer aegyptische Rechnung stattfanden, schwand die Streitkraft der Eidgenossenschaft nicht wenig zusammen. Die Dardaner wurden von dem Fuehrer der leichten Truppen Philipps, Athenagoras, ohne Muehe und mit starkem Verlust ueber die Berge zurueckgejagt. Die roemische Flotte richtete auch nicht viel aus; sie vertrieb die makedonische Besatzung von Andros, suchte Euboea und Skiathos heim und machte dann Versuche auf die chalkidische Halbinsel, die aber die makedonische Besatzung bei Mende kraeftig zurueckwies. Der Rest des Sommers verging mit der Einnahme von Oreos auf Euboea, welche durch die entschlossene Verteidigung der makedonischen Besatzung lange verzoegert ward. Die schwache makedonische Flotte unter Herakleides stand untaetig bei Herakleia und wagte nicht den Feinden das Meer streitig zu machen. Fruehzeitig gingen diese in die Winterquartiere, die Roemer nach dem Peiraeeus und Kerkyra, die Rhodier und Pergamener in die Heimat.

Im ganzen konnte Philipp zu den Ereignissen dieses Feldzuges sich Glueck wuenschen. Die roemischen Truppen standen nach einem aeusserst beschwerlichen Feldzug im Herbst genau da, von wo sie im Fruehling aufgebrochen waren, und ohne das rechtzeitige Dareinschlagen der Aetoler und die unerwartet glueckliche Schlacht am Pass von Eordaea haette von der gesamten Macht vielleicht kein Mann das roemische Gebiet wiedergesehen. Die vierfache Offensive hatte ueberall ihren Zweck verfehlt und Philippos sah im Herbste nicht bloss sein ganzes Gebiet vom Feind gereinigt, sondern er konnte noch einen, freilich vergeblichen, Versuch machen, die an der aetolisch-thessalischen Grenze gelegene und die Peneiosebene beherrschende feste Stadt Thaumakoi den Aetolern zu entreissen. Wenn Antiochos, um dessen Kommen Philippos vergeblich zu den Goettern flehte, sich im naechsten Feldzug mit ihm vereinigte, so durfte er grosse Erfolge erwarten. Es schien einen Augenblick, als schicke dieser sich dazu an; sein Heer erschien in Kleinasien und besetzte einige Ortschaften des Koenigs Attalos, der von den Roemern militaerischen Schutz erbat. Diese indes beeilten sich nicht, den Grosskoenig jetzt zum Bruch zu draengen; sie schickten Gesandte, die in der Tat es erreichten, dass Attalos’ Gebiet geraeumt ward. Von daher hatte Philippos nichts zu hoffen.

Indes der glueckliche Ausgang des letzten Feldzugs hatte Philipps Mut oder Uebermut so gehoben, dass, nachdem er der Neutralitaet der Achaeer und der Treue der Makedonier sich durch die Aufopferung einiger festen Plaetze und des verabscheuten Admirals Herakleides aufs neue versichert hatte, im naechsten Fruehling 556 (198) er es war, der die Offensive ergriff und in die atintanische Landschaft einrueckte, um in dem engen Pass, wo sich der Aoos (Viosa) zwischen den Bergen Aeropos und Asmaos durchwindet, ein wohlverschanztes Lager zu beziehen. Ihm gegenueber lagerte das durch neue Truppensendungen verstaerkte roemische Heer, ueber das zuerst der Konsul des vorigen Jahres, Publius Villius, sodann seit dem Sommer 556 (198) der diesjaehrige Konsul Titus Quinctius Flamininus den Oberbefehl fuehrte. Flamininus, ein talentvoller, erst dreissigjaehriger Mann, gehoerte zu der juengeren Generation, welche mit dem altvaeterischen Wesen auch den altvaeterischen Patriotismus von sich abzutun anfing und zwar auch noch an das Vaterland, aber mehr an sich und an das Hellenentum dachte. Ein geschickter Offizier und besserer Diplomat, war er in vieler Hinsicht fuer die Behandlung der schwierigen griechischen Verhaeltnisse vortrefflich geeignet; dennoch waere es vielleicht fuer Rom wie fuer Griechenland besser gewesen, wenn die Wahl auf einen minder von hellenischen Sympathien erfuellten Mann gefallen und ein Feldherr dorthin gesandt worden waere, den weder feine Schmeichelei bestochen noch beissende Spottrede verletzt haette, der die Erbaermlichkeit der hellenischen Staatsverfassungen nicht ueber literarischen und kuenstlerischen Reminiszenzen vergessen und der Hellas nach Verdienst behandelt, den Roemern aber es erspart haette, unausfuehrbaren Idealen nachzustreben.

Der neue Oberbefehlshaber hatte mit dem Koenig sogleich eine Zusammenkunft, waehrend die beiden Heere untaetig sich gegenueberstanden. Philippos machte Friedensvorschlaege; er erbot sich, alle eigenen Eroberungen zurueckzugeben und wegen des den griechischen Staedten zugefuegten Schadens sich einem billigen Austrag zu unterwerfen; aber an dem Begehren, altmakedonische Besitzungen, namentlich Thessalien, aufzugeben, scheiterten die Verhandlungen. Vierzig Tage standen die beiden Heere in dem Engpass des Aoos, ohne dass Philippos wich oder Flamininus sich entschliessen konnte, entweder den Sturm anzuordnen oder den Koenig stehenzulassen und die vorjaehrige Expedition wieder zu versuchen. Da half dem roemischen General die Verraeterei einiger Vornehmer unter den sonst gut makedonisch gesinnten Epeiroten, namentlich des Charops, aus der Verlegenheit. Sie fuehrten auf Bergpfaden ein roemisches Korps von 4000 Mann zu Fuss und 300 Reitern auf die Hoehen oberhalb des makedonischen Lagers und wie alsdann der Konsul das feindliche Herr von vorn angriff, entschied das Anruecken jener unvermutet von den beherrschenden Bergen herabsteigenden roemischen Abteilung die Schlacht. Philippos verlor Lager und Verschanzung und gegen 2000 Mann und wich eilig zurueck bis an den Pass Tempel die Pforte des eigentlichen Makedoniens. Allen anderen Besitz gab er auf bis auf die Festungen; die thessalischen Staedte, die er nicht verteidigen konnte, zerstoerte er selbst - nur Pherae schloss ihm die Tore und entging dadurch dem Verderben. Teils durch diese Erfolge der roemischen Waffen, teils durch Flamininus’ geschickte Milde bestimmt, traten zunaechst die Epeiroten vom makedonischen Buendnis ab. In Thessalien waren auf die erste Nachricht vom Siege der Roemer sogleich die Athamanen und Aetoler eingebrochen, und die Roemer folgten bald; das platte Land war leicht ueberschwemmt, allein die festen Staedte, die gut makedonisch gesinnt waren und von Philippos Unterstuetzung empfingen, fielen nur nach tapferem Widerstand oder widerstanden sogar dem ueberlegenen Feind; so vor allem Atrax am linken Ufer des Peneios, wo in der Bresche die Phalanx statt der Mauer stand. Bis auf diese thessalischen Festungen und das Gebiet der treuen Akarnanen war somit ganz Nordgriechenland in den Haenden der Koalition.