Vererbpachtung ist der italischen Privat- wie der roemischen Gemeindewirtschaft fremd; nur bei den abhaengigen Gemeinden kam sie vor. Verpachtung auf kuerzere Zeit, sowohl gegen eine feste Geldsumme als auch in der Art, dass der Paechter alle Betriebskosten trug und dafuer einen Anteil, in der Regel wohl die Haelfte der Fruechte, empfing ^2, war nicht unbekannt, aber Ausnahme und Notbehelf; ein eigener Paechterstand hat sich deshalb in Italien nicht gebildet ^3. Regelmaessig leitete also der Eigentuemer selber den Betrieb seiner Gueter; indes wirtschaftete er nicht eigentlich selbst, sondern erschien nur von Zeit zu Zeit auf dem Gute, um den Wirtschaftsplan festzustellen, die Ausfuehrung zu beaufsichtigen und seinen Leuten die Rechnung abzunehmen, wodurch es ihm moeglich ward, teils eine Anzahl Gueter gleichzeitig zu nutzen, teils sich nach Umstaenden den Staatsgeschaeften zu widmen.
——————————————————————-
^2 Nach Cato (agr. 137, vgl. 16) wird bei der Teilpacht der Bruttoertrag des Gutes, nach Abzug des fuer die Pflugstiere benoetigten Futters, zwischen Verpaechter und Paechter (colonus partiarius) zu den zwischen ihnen ausgemachten Teilen geteilt. Dass die Teile in der Regel gleich waren, laesst die Analogie des franzoesischen bail à cheptel und der aehnlichen italienischen Pachtung auf halb und halb sowie die Abwesenheit jeder Spur anderer Quotenteilung vermuten. Denn unrichtig hat man den politor, der das fuenfte Korn, oder, wenn vor dem Dreschen geteilt wird, den sechsten bis neunten Aehrenkorb erhaelt (Cato agr. 136, vgl. 5), hierher gezogen; er ist nicht Teilpaechter, sondern ein in der Erntezeit angenommener Arbeiter, der seinen Tagelohn durch jenen Gesellschaftsvertrag erhaelt.
^3 Eigentliche Bedeutung hat die Pacht erst gewonnen, als die roemischen Kapitalisten anfingen, ueberseeische Besitzungen in grossem Umfang zu erwerben; wo man es denn auch zu schaetzen wusste, wenn eine Zeitpacht durch mehrere Generationen fortging (Colum. 1, 7, 3).
———————————————————————————-
Von Getreide wurden namentlich Spelt und Weizen, auch Gerste und Hirse gebaut; daneben Rueben, Rettiche, Knoblauch, Mohn und, besonders zum Viehfutter, Lupinen, Bohnen, Erbsen, Wicken und andere Futterkraeuter. In der Regel ward im Herbst, nur ausnahmsweise im Fruehjahr gesaet. Fuer die Bewaesserung und Entwaesserung war man sehr taetig und zum Beispiel die Drainage durch geblendete Graeben frueh im Gebrauch. Auch Wiesen zur Heugewinnung fehlten nicht und schon zu Catos Zeit wurden sie haeufig kuenstlich berieselt. Von gleicher, wo nicht von groesserer wirtschaftlicher Bedeutung als Korn und Kraut waren der Oelbaum und der Rebstock, von denen jener zwischen die Saaten, dieser fuer sich auf eigenen Weinbergen gepflanzt ward ^4. Auch Feigen-, Apfel-, Birn- und andere Fruchtbaeume wurden gezogen und ebenso, teils zum Holzschlag, teils wegen des zur Streu und zum Viehfutter nuetzlichen Laubes, Ulmen, Pappeln und andere Laubbaeume und Buesche. Dagegen hat bei den Italikern, bei denen durchgaengig Vegetabilien, Fleischspeisen nur ausnahmsweise und dann fast nur Schweine- und Lammfleisch auf den Tisch kamen, die Viehzucht eine weit geringere Rolle gespielt als in der heutigen Oekonomie. Obwohl man den oekonomischen Zusammenhang des Ackerbaus und der Viehzucht und namentlich die Wichtigkeit der Duengerproduktion nicht verkannte, so war doch die heutige Verbindung von Acker- und Viehwirtschaft dem Altertum fremd. An Grossvieh ward nur gehalten, was zur Bestellung des Ackers erforderlich war, und dasselbe nicht auf eigenem Weideland, sondern im Sommer durchaus und meistens auch im Winter im Stall gefuettert. Dagegen wurden auf die Stoppelweide Schafe aufgetrieben, von denen Cato 100 Stueck auf 240 Morgen rechnet; haeufig indes zog der Eigentuemer es vor, die Winterweide an einen grossen Herdenbesitzer in Pacht zu geben oder auch seine Schafherde einem Teilpaechter gegen Ablieferung einer bestimmten Anzahl von Laemmern und eines gewissen Masses von Kaese und Milch zu ueberlassen. Schweine - Cato rechnet auf das groessere Landgut zehn Staelle -, Huehner, Tauben wurden auf dem Hofe gehalten und nach Beduerfnis gemaestet, auch, wo Gelegenheit dazu war, eine kleine Hasenschonung und ein Fischkasten eingerichtet - die bescheidenen Anfaenge der spaeter so unermesslich sich ausdehnenden Wild- und Fischhegung und Zuechtung.
——————————————————————————-
^4 Dass zwischen den Rebstoecken kein Getreide gebaut ward, sondern hoechstens leicht im Schatten fortkommende Futterkraeuter, geht aus Cato (agr. 33, vgl. 137) hervor; und darum rechnet auch Columella (3, 3) bei dem Weinberg keinen anderen Nebengewinn als den Ertrag der verkauften Ableger. Dagegen die Baumpflanzung (arbustum) wird wie jedes Getreidefeld besaet (Colum. 2, 9, 6). Nur wo der Wein an lebendigen Baeumen gezogen wird, baut man auch zwischen diesen Getreide.
——————————————————————————-
Die Feldarbeit ward beschafft mit Ochsen, die zum Pfluegen, und Eseln, die besonders zum Duengerschleppen und zum Treiben der Muehle verwandt wurden; auch ward wohl noch, wie es scheint fuer den Herrn, ein Pferd gehalten. Man zog diese Tiere nicht auf dem Gut, sondern kaufte sie; durchgaengig waren wenigstens Ochsen und Pferde verschnitten. Auf das Gut von 100 Morgen rechnet Cato ein, auf das von 240 drei Joch Ochsen, ein juengerer Landwirt Saserna auf 200 Morgen zwei Joch; Esel wurden nach Catos Anschlag fuer das kleinere Grundstueck drei, fuer das groessere vier erfordert.